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High Debate: Wissenschaft: Was ist 'Bewußtsein'?: Archivieren bis zum 03. Oktober 2000
  

Alexander Virchow

Montag, den 21. 08. 2000 - 09:28 Click here to edit this post
Erinnerung ist keine zuverlässige Größe. Das Problem ist chemisch kodiert:

Beim Abrufen der Erinnerung geraten Fehler ins Gedächtnis

Zuverlässigkeit von Zeugenaussagen umstritten

  

Oude-Aost

Montag, den 18. 09. 2000 - 15:08 Click here to edit this post
Erinnerung ist keine zuverlässige Größe. Das Problem ist chemisch kodiert:

Was soll denn hier diskutiert werden? Wie soll diskutiert werden? Wer soll diskutieren? Das Interesse scheint sich ja in Grenzen zu halten. Oder ist dieses zurückzuführen auf die Vermutung, dass diesem Themenkomplex wohl eher Vermutungen zu Grunde liegen; somit also mehr Fragen gestellt, als Antworten gegeben werden können oder, um es anders auszudrücken, eher über Glaubensfrage debattiert als über Wissensansätze diskutiert werden wird? Und, das möchte ich zu bedenken geben, gehört nicht ebenfalls zu diesem Thema, wie wir das, was wir über Bewußtsein wissen (oder vermuten), in die Aspekte der KI einfließen lassen können. Oder umgekehrt: Welche Hinweise geben uns die doch letztendlich kümmerlichen Ergebnisse der KI-Forschung in Hinsicht auf das, was als Bewußtsein geglaubt wird, erkannt worden zu sein?

  

Huck Finn

Montag, den 18. 09. 2000 - 15:21 Click here to edit this post
Bewußte Entscheidungen sind eine Illusion.

  

Alexander Virchow

Montag, den 18. 09. 2000 - 15:52 Click here to edit this post
Ich finde diese Betrachtung bei näherer Betrachtung wenig originell, schon gar nicht bedrohlich.

Icch erwarte von meinem limbischen System schnelles, rücksprachefreies Handeln. Alt genug ist es ja.

Ich erwarte ja auch nicht, daß mein Luftprallsack mit mir diskutiert, ob er sich denn nun wirklich aufblähen soll.

Ich fände es hingegen sehr praktisch, daß Öffnen des Airbags auf meinem Bewußtseinskonto verbuchen zu dürfen. Und irgendwie ja nicht ohne recht. Habe mich doch mal zum Kauf entschlossen, für diesen Unfalltag.

Die Frage der freien Entscheidung über komplexere Sachverhalte wird mE nicht limbisch gesteuert, der Freiheitsbegriff wird hier nicht berührt.

  

Huck Finn

Montag, den 18. 09. 2000 - 16:15 Click here to edit this post
Ein etwas anspruchsvollerer Text zum Thema.

Die Frage der freien Entscheidung über komplexere Sachverhalte wird mE nicht limbisch gesteuert, der Freiheitsbegriff wird hier nicht berührt.
Das ist unklar und noch zu erforschen.

  

Kunibert Hurtig

Dienstag, den 19. 09. 2000 - 05:18 Click here to edit this post
Bewußte Entscheidungen sind eine Illusion.

Die Frage des Bewußtsein (rückgreifend auf den Artikel) ist doch auch die Frage nach dem Denken über das Denken oder die Frage nach dem Bewußtsein über das bewußt Sein. Letzlich doch ein Rückkopplungsprozess.

Interessant hierzu: Roger Penrose: Computerdenken und später Schatten des Geistes. Voraussetzend, dass das Zentralnervensystem Sitz dessen ist, was wir Geist nennen die Frage: Ist der Geist ein algorithmischer Prozess, mithin einer, wenn auch ungleich komplexeren, algorithmischen Maschine vergleichbar?

Wenn ja: wie kommt Neues in die Welt? Denn: Algorithmen müßten neue Algorithmen erzeugen

Wenn nein: Was ist Geist dann?

  

Kunibert Hurtig

Mittwoch, den 20. 09. 2000 - 18:27 Click here to edit this post
Da vorherige Fragen keine Einwände hervorbrachten, erkühne ich mich zu beginnen.

Vorab meine Ansicht zum Komplex:

1. Eine abschließende Meinung, geschweige denn definitive Forschungsergebnisse sind nicht absehbar.

2. Aus den angegebenen Links sind Grundlagen nicht ersichtlich, eher spekulative Ansätze erkennbar.

3. Informationstheoretische Behandlungsansätze sind lediglich in Grundzügen vorhanden.

4. Eine "naturwissenschaftliche" Diskussion ist aus dem Vorgegebenen nicht sichtbar.

5. Eine physikalisch phänomenologische Diskusion scheinen die Beteiligten auszuschließen.

Nun denn, da meine ursprüngliches Postulat zum Bewußtsein in Ermangelung von Widerspruch offensichtlich annehmbar ist, stelle ich einige Thesen auf, denn das Thema scheint offen für Ideen:

1. These: Bewußtsein kann ohne Wahrnehmung nicht sein.

2. These: Wahrnehmung ist ohne eine geeignete Wahrnehmungssensorik nicht möglich.

3. These: Wahrnehmungsensorik ist realisiert in einem Nervensystem, das "Potentialunterschiede" registriert; unterhalb bestimmter Potentialschwellen findet Wahrnehmung nicht statt.

4. These: Das Nervensystem ist ein Gewordenes, das es seinen Trägern ermöglichte, mit ihrer Umgebung in Wechselwirkung zu treten, in eben dieser evolvierte und unterschiedlich komplex, entsprechend dem Zwecke auftritt.

5. These: Ein Nervensystem oder eine diesem vergleichbare Wahrnehmungssensorik tritt erstmals mit eukaryotischen Lebenssystemen in Erscheinung.

6. These: Sowohl Nervensystem als auch Wahrnehmung dienen dem Informationsaustausch.

7. These: Beide organisieren aktive und reaktive Hinwendung zur Umgebung.

  

Alexander Virchow

Mittwoch, den 20. 09. 2000 - 18:45 Click here to edit this post
(Ich glaube kaum, daß ich auf eine solche Schema-F-Argumentation einsteigen werde. Aber vielleicht mag ja sonst jemand.)

  

Kunibert Hurtig

Mittwoch, den 20. 09. 2000 - 19:26 Click here to edit this post
(Ich glaube kaum, daß ich auf eine solche Schema-F-Argumentation einsteigen werde. Aber vielleicht mag ja sonst jemand.)

Es ist nicht notwendig, dass Du hier zu allem und jedem etwas sagst. Denn schließlich: wer ist schon allwissend? Und Schema-F-Argumentation... Ich weiß nicht, Du solltest vielleicht mal in einem Laboratorium etwas Reales zu vollbringen versuchen, dann wirst Du feststellen, dass Du ohne Arbeitshypothese kaum Erfolg haben wirst.

  

Kunibert Hurtig

Donnerstag, den 21. 09. 2000 - 05:03 Click here to edit this post
Grundsätzliche Überlegungen

1. Materielle Grundlagen

Mit den Fortschritten der Microanalytik konnten in den 70-ger Jahren Versuche unternommen werden, dem Zustandekommen von Bewußtsein nachzugehen. Einer ist bekannt geworden unter dem Stichwort: Dunkelangst. So wurde (Ort und genauer Zeitpunkt unbekannt) an Ratten folgendes Trainig durchgeführt: Die Tiere wurden in einen Käfig gesperrt. Mittels akustischer und optischer Signale (Stroboskop) wurde ein Fluchtreflex ausgelöst, der die Tiere veranlaßte, entsprechend ihren natürlichen Verhalten in ihren Bau (eine kleine Box im Käfig) zu fliehen. Sobald sie diesen betraten, wurden Drähte, die über den Boden gespannt waren, unter Spannung gesetzt und lösten ihrerseits durch Scmerz einen Fluchtimpuls aus das sichere dunkle Loch zu verlassen.

Diese Versuche wurden an den Einzelindividuen solange wiederholt, bis dem natürlichen Fluchtimpuls, den dunklen sicheren Bau aufzusuchen nicht mehr nachgegangen wurde, sondern die Tiere in psychotischer Desorientierung bewegungslos verharrten. Nach dieser Konditionierung wurde ihnen das Gehirn entnommen und dieses eingefroren. Die Gehirnmasse von ca. 4.000 Ratten wurde schließlich mittels unterschiedlicher Lösungsmittel extrahiert und Auszüge der Extrakte an unkonditionierten Ratten gespritzt. Zeigten die Tiere das gewünschte Verhalten (Dunkelangst), wurde diese Fraktion weiterbehandelt. Am Ende hatte man ca. 0,4 mg eines Proteins extrahiert, das diese "Information" in reiner Form transportierte. Es verfügte über ein Molekulargewicht von ca. 60.000. Es ist mir nicht bekannt, ob jemals eine Röntgenstrukturanalyse durchgeführt wurde, was weiterhin mit den Ergebnissen geschah oder ob weiterführende Versuche mit anderen Tieren und anderen Konditionierungen stattgefunden haben.

Diese Versuchen zeigen:
1. Die in Gehirnen anzutreffenden Informationen sind in Proteinen oder auf Proteinoberflächen codiert.
2. Diese Proteine sind zweifelsfrei im Gehirn anzutreffen bzw., in dieser Versuchsreihe, im Gehirn entstanden.
3. Proteine steuern über entsprechende Mechanismen Verhalten (damit auch Bewußtsein!?!?).
4. Verhaltenssteuernde Proteine können bei geeigneter Konditionierung neu "geschaffen" werden (das ist Lernen!?!?)


2. Lokalität der Information

Anfang der 90-ger Jahre wurde an einem Schaf (soweit ich mich erinnere in England) folgender Versuch unternommen. Ihm wurde zunächst das Bild eines Wolfskopfes vorgehalten. Die Wahrnehmung löste einen Fluchtinstinkt aus. Dem Schaf wurde mehrere Löcher in die Schädeldecke gebohrt und mittels feinster Silberelektroden das Areal der Fluchtinstinksaktivität eingegrenzt. In diesem Bereich wurde so lange weitergemessen, bis am Ende eine einzige Zelle als auslösender Ort der Aktivität lokalisiert war. Von diesem ausgehend konnten Impulskaskaden in die Umgebung der Zelle gemessen werden, die das komplexe Fluchtverhalten offensichtlich steuern.

In weiteren Schritten wurde das Bild des Wolfes schematisiert (piktogrammähnlich) und dem Schaf immer wieder vorgehalten. Solange das schematisierte Abbild noch als Wolf zu erkennen war, löste es den Fluchtimpuls aus. Wurde das Bild und/oder das Schema um 180° gedreht, also auf dem Kopf stehend dem Schaf vorgehalten, löste es keinen Fluchtimpuls aus, wurde also nicht als Wolf erkannt.

Rückgreifend auf "Kennwort Dunkelangst" kann das "Bild Wolf" als auf einem Proteinmolekül codiert angesehen werden. Dieses Protein löst, analog zur konditionierten "Dunkelangst", eine komplexe, nicht lokale Informationskaskade aus, die Fluchverhalten steuert und in diesem mündet.

Diese Versuche zeigen:
1. Information, sagen wir zur Präzisierung: Schlüsselinformation, ist lokal, d.h. an einem definierten Ort anzutreffen.
2. Schlüsselinformationen lösen bei Erreichen einer Potentialschwelle (in diesem Fall "Erkennen") weitere Impulskaskaden aus, die ihrerseit wieder Informationen erzeugen und kaskadiert transportieren. Ergo: Information ist, was Information erzeugt.
(siehe: C.F. von Weizäcker, Aufbau der Physik)
3. Das aus der lokalen Schlüsselinformation resultierende Verhalten kann als "nicht lokal" betrachtet werden.
4. Bilder sind (wahrscheinlich) nicht als detailierte Information gespeichert, sondern in Schemata
5. Schafe stehen in freier Natur niemals auf dem Kopf und Wölfe laufen dort nicht auf dem Rücken
*LOL*

3. Wissen um Gestalt

Das im Folgenden Dargestellte entstammt eigener Beobachtung. Es ist mithin nirgendwo nachzulesen und auch nicht dokumentiert, was, ihr könnt es mir glauben, ich am meisten bedauere.

An einem feuchtwarme Sommertag A.D. 1994 versuchte ich lästiger Mücken und Fliegen im Freien dadurch Herr zu werden, dass ich sie mittels einer Fliegenklatsche dezimierte. Dabei wurde eine dieser Fliegen so getroffen, daß sie an der Verbindungsstelle zwischen Hinterleib und Mittelkörper (ich weiß nicht wie das heißt, bin kein Biologe: Hinweise werden dankend entgegengenommen) auseinanderbrach. Die Körperteile waren aber nicht richtig getrennt, sondern hingen noch zusammen.

Besagte Fliege (mir bekannt als Stubenfliege) lag rührungslos auf dem Gartentisch, es war davon auszugehen, daß sie ihr Leben verhaucht hatte. Nach ca. 5 Min. aber begann das Geschöpft sich zu bewegen! Fasziniert davon holte ich mein Auflichtmikroskop und legte das Tier vorsichtig auf einen Objektträger um weiter zu beobachten. Es strampelte oberflächlich gesehen mit den Hinterbeinen. Unter dem M. aber konnte ich sehen, wie es die aus dem Körper gequollenen "Eingeweide" in diesen zurückstopfte, nach vollbrachter Tat dann den Chitinpanzer des Hinterleibs wieder korrekt anbrachte, montierte - was immer man will - sich ca. 10 Min. intensiv "putzte?" und verschiedene Übungen durchführte, deren Zweck mir so lange verborgen blieb, bis sie unvermittelt "abhob" und davon flog.

Erkenntnis aus dieser Beobachtung:

Diese Fliege verfügt über Informationen, wie sie auszusehen hat, wie die Körperteile angebracht zu sein haben, damit die Lebensfunktionen erfüllt werden können. Diese Information ist mE. nicht lokal, also auf eine Zelle beschränkt, wird aber gleichwohl auf Proteinen in einem Nervenzentrum gespeichert sein und bei Verletzung der "Symetrie" beobachtetes Verhalten auslösen. Mit anderen Worten: Die Fliege hat ein "Bewußtsein" von ihrer Gestalt.

PS hierzu: In Asien kann man manchmal barbarischen Schlachtgewohnheiten beiwohnen. Schweinen, Rindern wird, wenn sie "reif" sind, einfach der Bauch aufgeschnitten, so dass die Eingeweide herausquellen. Die Tiere versuchen dann oft (es ist wirklich ein grauenhafter Anblick) diese wieder in den Körper zurückzustopfen.

1. Schlußfolgerungen hieraus:
Verhaltenskerne sind sehr wohl (im bewußten Widerspruch zu Darstellungen und Annahmen in Hucks Link) singulare Entitäten. Diese initiieren bei Überschreiten einer Potentialschwelle (Erkennen) Informationskaskaden, die in Verhalten münden. Verhalten hat eine materielle Basis, ist auf eine physiko-chemische Realität zurückzuführen.

  

Kunibert Hurtig

Donnerstag, den 21. 09. 2000 - 12:39 Click here to edit this post
Eine quantitative Betrachtung

Ausgehend vom vorher Dargestellten erlaubt uns dieses Wissen eine Abschätzung der in einem bestimmten Hirnvolumen auftretenden potentiellen Informationsdichte.
Annahme: die Hirnmasse hat etwa die Dichte von Wasser. Der Mensch verfügt durchschnittlich über 1,5 Kg H-Masse, bestehend aus 1010 Zellen, das entspricht ca. 6666 Zellen / mm3.
Weiter ist bekannt, dass jede H-Zelle mit 104 - 105 anderen verschaltet ist, wir nehmen einen Mittelwert von 3X104 an, daraus ergeben sich ca. 2X108 "verlegte Leitungen" je mm3.
Wir gehen davon aus, das hiervon 20% in Nahbereich, also innerhalb von einem mm3 verschaltet sind, entsprechend 4X107 Ltg.
Im Nahbereich hat jede Zelle mit jeder eine Verbindung, 6.666X103 X 6.666X103 entsprechend 4.44X107 Verb.
Die durchschnittliche Entfernung im Nahbereich betrage: 0,5 mm, die Impulslaufzeit im Nerv wird mit 300 m/sec. angegeben, entsprechend einer Impulslaufzeit von 1,67X10-6 sec im Nahbereich.
Das entspricht 6X105 pot. mögl. Imp/sec und Neuron, somit ergibt sich für 1mm3 Hirnmasse ein potentieller Informationsstrom von: 4.44X107 X 6X105 entsp. 2,664X1013 Bit pro sec.

  

Kunibert Hurtig

Samstag, den 30. 09. 2000 - 20:56 Click here to edit this post
Na, liebe Freunde, kommt da nichts mehr, oder ist in Anbetracht von Fakten zum Bewußtsein schlicht die Spucke weggeblieben? Alexander??? Huck Finn??? Laß uns doch weiter diskutieren. Ich habe schon neue Zahlen bereit. Gruß Kuni

  

Alexander Virchow

Samstag, den 30. 09. 2000 - 21:04 Click here to edit this post
(Mir würde es zu denken geben, wenn ich allseitig ignoriert würde. Irgendwas scheint demotivierend zu sein.)

  

Alexander Virchow

Samstag, den 30. 09. 2000 - 21:30 Click here to edit this post
Also meinetwegen: Die Frage der Länge der Hirnleitungen hat mit meiner Frage 'Was ist Bewußtsein' bestenfalls am Rande zu tun.

Eine Antwort fällt mir ob dieser Faktenhuberei nicht ein.

  

Alexander Virchow

Samstag, den 30. 09. 2000 - 21:32 Click here to edit this post
Wo wir gerade dabei sind:

PS hierzu: In Asien kann man manchmal barbarischen Schlachtgewohnheiten beiwohnen. Schweinen, Rindern wird, wenn sie "reif" sind, einfach der Bauch aufgeschnitten, so dass die Eingeweide herausquellen. Die Tiere versuchen dann oft (es ist wirklich ein grauenhafter Anblick) diese wieder in den Körper zurückzustopfen.

Womit stopfen die Guten denn??

  

Annette Schneider

Sonntag, den 01. 10. 2000 - 00:22 Click here to edit this post
Huck Finn Montag, den 18. 09. 2000 - 16:15
Ich habe den Text gelesen und fand ihn sehr interessant.

Psychologisch betrachtet wüßte ich nicht, woher "freier Wille" denn kommen sollte. Auch die Leib-Seele-Diskussion ist mir nicht nachvollziehbar.

Menschen sind ein Produkt aus Genen, Umwelt/Erfahrung und Umgebung/Kommunikation. Wo sollte da noch Platz für anderes sein?

Bislang denke ich auch nicht, daß "freier Wille" z.B. rechtsphilosophisch notwendigerweise als Konstrukt wird. M.E. wird er nicht gebraucht, wenn man Strafe als Lernanreiz ansieht.

  

Alexander Virchow

Sonntag, den 01. 10. 2000 - 07:31 Click here to edit this post
Psychologisch betrachtet wüßte ich nicht, woher "freier Wille" denn kommen sollte.

'Freier Wille' resultiert begrifflich schon aus Komplexität. Wenn ich die Vorhersage eines Systems aufgrund seiner Komplexität nicht mehr voraussagen kann, so kann ich ich es auch gleich als 'frei' betrachten.

Da Kausalität als Urtriebkraft nie eine schlechtere Presse hatte als heute, scheint mir eine Verzichtbarkeit von 'freiem Willen' aus dieser Richtung nicht mehr nötig.

Wie Huck Finn in 'Montag, den 18. 09. 2000 - 16:15' zu recht anmerkt: Das ist unklar und noch zu erforschen.

In dieser Frage bin ich aus Notwendigkeit Agnostiker. Ich kann nicht verhehlen, daß ich es mit Widerwillen bin.

  

Kunibert Hurtig

Montag, den 02. 10. 2000 - 09:48 Click here to edit this post
Womit stopfen die Guten denn??

Sie versuchen es, mit dem Maul, den Beinen. Sie schaffen es natürlich nicht, sterben, verbluten dabei.

  

Kunibert Hurtig

Montag, den 02. 10. 2000 - 10:16 Click here to edit this post
Also meinetwegen: Die Frage der Länge der Hirnleitungen hat mit meiner Frage 'Was ist Bewußtsein' bestenfalls am Rande zu tun.

Eine Antwort fällt mir ob dieser Faktenhuberei nicht ein.


Fakt ist, dass das Phänomen Bewußtsein seine operationale Basis im Gegenstand der Betrachtung der von Dir beklagten Faktenhuberei hat: Es ist in unserem Zentralnervensystem ansässig. Zu denken geben mir die tröpfelden Antworten selbstverständlich, nur wahrscheinlich anders als Du es vielleicht wünscht.

Eine rein qualitative Spekulation mit hunderten von Beiträgen ohne Kenntnis der quanitativen Aspekte ist jedoch in meinen Augen sinnlos. Wenn wir über Bewußtsein reden, reden wir über Informationsströme. Es mag auf Dich demotivierend wirken, auf andere vielleicht auch, aber das ist nun mal die implementierte materielle Basis der Realität Bewußtsein.

Kannst mir glauben, ich hatte das vorher auch noch nie durchgerechnet, es wird auch zunehmend schwieriger, die differentiellen Betrachtungen durchzuführen (letztlich ist's ja auch nicht mehr als ein Hobby) und läuft Gefahr, in mancher Hinsicht in Spekulation abzugleiten, aber ich denke, diese Zahlen geben mal einen kleinen Hinweis (1mm3) welche quantitativen Phänomene dem Begriff Bewußtsein zu Grunde liegen. Die Frage ist doch: kann man es in Anbetracht dessen überhaupt wagen, sich dem Phänomen Bewußtsein philosophisch (denn etwas anderes soll das hier ja wohl nicht werden) zu nähern, ohne irgendwann ohne Ergebnis zu scheitern?

  

Mad Max

Montag, den 02. 10. 2000 - 10:42 Click here to edit this post
Mir würde es zu denken geben, wenn ich allseitig ignoriert würde.
Och, nicht so bescheiden.

Du WIRST vielseitig ignoriert, scheint's. Jedenfalls braucht es auch bei seltenen Besuchen wenig Zeit, die angesammelten Beiträge nachzulesen.

Das würde mir zu denken geben. Und dir?

Irgendwas scheint demotivierend zu sein.
Jaja, eben.

Viel Spaß noch! ;-)

(Und immer schön selbstgerecht bleiben!)

  

Alexander Virchow

Montag, den 02. 10. 2000 - 13:44 Click here to edit this post
Fakt ist, dass das Phänomen Bewußtsein seine operationale Basis im Gegenstand der Betrachtung der von Dir beklagten Faktenhuberei hat: Es ist in unserem Zentralnervensystem ansässig.

Setze dergleichen einfach mal als bekannt voraus.

OFF-TOPIC ON

(Und immer schön selbstgerecht bleiben!)

Ich hoffe, Deine Wünsche werden Dir erfüllt.

OFF-TOPIC OFF

  

Kunibert Hurtig

Dienstag, den 03. 10. 2000 - 12:00 Click here to edit this post
Annette schrieb: Psychologisch betrachtet wüßte ich nicht, woher "freier Wille" denn kommen sollte. Auch die Leib-Seele-Diskussion ist mir nicht nachvollziehbar.

Diesem Argument scheint eine mechanistische Erkenntnistheorie alá Decartes zu Grunde zu liegen. Dieser Ansatz ist aber nach derzeitigem Kenntnisstand einfach falsch. Die Psychologie bedarf seiner zwar so und verteidigt ihn wortreich. Das heißt aber nicht, das er deshalb richtiger wird. Die Frage phänomenologischen Erkennens ist gleichzeitig auch die Frage der Selbstorganisation der dem Erkennen zu Grunde liegenden Prozesse: Wiedererkennen bedient sich gespeicherter Muster, ist insofern reproduktiv. Lernen, Erfinden organisiert gespeicherte Muster und erzeugt neue Muster. Wenn ich also freiwillig etwas tue, handelnd die Welt ändere, kann ich den freien Willen als eine dem System immanente Qualität erkennen, die sich einem separierenden mechanistischen Betrachtungsansatz, dessen die Psychologie sich bedient, vollkommen entzieht. Mit anderen Worten: Psychologisch betrachtet ist der Kommentar Annettes das Ergebnis ihres freien Willens. Oder sollen wir dahinter die reflexhafte Handlung eines zellulären Automaten vermuten?

Menschen sind ein Produkt aus Genen, Umwelt/Erfahrung und Umgebung/Kommunikation. Wo sollte da noch Platz für anderes sein?

Das ist schlicht und ergreifend falsch. Gene sind die natürlichen Basisspeicher, die einen Prozess der Selbstorganisation zur Schaffung eines Individuums in Gang setzen und kontrollieren: das Ergebnis ist ein Kind. Erfahrung ist das Ergebnis von rückkoppelndem Handeln, Kommunikation ist das Mittel hierzu, auf keinen Fall das Produkt. Die Psychologie ist jedenfalls nicht in der Lage, auf Basis der Betrachtungsweise, der Mensch sei letztlich als mechanistischer Roboter einzustufen, Bewußtsein erkennend zu beschreiben. Psychologen haben schon so viele erkenntnistheoretische Desaster in die Welt gesetzt, dass die Hoffnung, sie verfügten über ein Mittel, sich dem Phänomen Bewußtsein oder freien Willen mit hinlänglicher Genauigkeit zu nähern, von vornherein als zum Scheitern verurteilt zu betrachten ist.

  

Huck Finn

Dienstag, den 03. 10. 2000 - 12:08 Click here to edit this post
Die durchschnittliche Entfernung im Nahbereich betrage: 0,5 mm, die Impulslaufzeit im Nerv wird mit 300 m/sec. angegeben, entsprechend einer Impulslaufzeit von 1,67X10-6 sec im Nahbereich. Das entspricht 6X105 pot. mögl. Imp/sec und Neuron, somit ergibt sich für 1mm3 Hirnmasse ein potentieller Informationsstrom von: 4.44X107 X 6X105 entsp. 2,664X1013 Bit pro sec.
Das sind interessante Zahlenspiele. Vermutlich sind die Verschaltung allerdings viel weiträumiger. Nervenzellen sind dafür bekannt, regelmäßig lange Fortsätze zu haben, und die weiße Substanz im Gehirn besteht fast nur aus solchen Fortsätzen.

Da Nervenzellen nicht auf einen Ein-Aus-Mechanismus beschränkt sind, ist der Begriff "Bit" irreführend. Eine Nervenzelle kann mit unterschiedlicher Intensität feuern, und sie kann verschiedene Neurotransmitter mit unterschiedlichen Folgen ausschütten.

Die Neurotransmitter hast du ganz unterschlagen, obwohl sie sehr wesentlich sind (und die Geschwindigkeit herabsetzen).

  

Kunibert Hurtig

Dienstag, den 03. 10. 2000 - 15:28 Click here to edit this post
Vermutlich sind die Verschaltung allerdings viel weiträumiger. Nervenzellen sind dafür bekannt, regelmäßig lange Fortsätze zu haben, und die weiße Substanz im Gehirn besteht fast nur aus solchen Fortsätzen.

(1)Sie sind weiträumiger. Gerade das macht ja eine solche Betrachtung so schwierig. Ich bin, um mal einen Ansatz zu haben, von 20% Verschaltungen im besagten Nahbereich ausgegangen. Allein was ich Potential nannte, macht schon schwindlig. Wenn Du eine Funktionenschar aufbaust, die sowohl die unterschiedlichen Signallaufzeiten als auch die mit der Entfernung zur Zelle geringer werdende Wahrscheinlichkeit eine originäre Leitung anzutreffen einarbeitest und versuchst die Potentiale zu berechnen, bewegst Du Dich mit hyperbolisch wachsender Geschwindigkeit auf die Kapazitätsgrenzen aller Rechnercluster dieser Welt zu. Vielleicht gibt es aber auch - fürs erste - einen einfacheren Ansatz einer Betrachtung. Es ist eine hoch interessante Frage, nicht nur phänomenologisch ....

Da Nervenzellen nicht auf einen Ein-Aus-Mechanismus beschränkt sind, ist der Begriff "Bit" irreführend.

Ich wußte für den Moment keinen besseren ;-) Es ist auf keinen Fall ein BinaryInstructiondIgit, schon klar.

Eine Nervenzelle kann mit unterschiedlicher Intensität feuern, und sie kann verschiedene Neurotransmitter mit unterschiedlichen Folgen ausschütten.
Die Neurotransmitter hast du ganz unterschlagen, obwohl sie sehr wesentlich sind (und die Geschwindigkeit herabsetzen).


Deine beiden Einwände machen (1) auf keinen Fall einfacher, müssen aber, wenn wir je zu einem ersten Ansatz kommen, eingearbeitet werden. Allerdings befürchte ich, dass selbst eine - sagen wir mal - Zwischentheorie schon recht komplex wird. Leider bin ich hier, wo ich bin von meinen Quellen abgeschnitten. Aber John C. Eccles hat ein hochinteressantes Buch dazu geschrieben: Das Gehirn Zitat: Es handelt sich zweifellos um die komplexeste Materie, die wir im Universum kennen. Aber da es funktioniert sollte es begreifbar sein. Ich postuliere mal: Das Grundprinzip ist einfach, auf jeden Fall einfacher, als das funktionierende Ganze

  

Annette Schneider

Dienstag, den 03. 10. 2000 - 16:24 Click here to edit this post
Alexander, Kunibert

"Freier Wille" müßte in meiner Vorstellung implizieren, daß Handlungen nicht durch äußere Einflüsse veranlaßt sind. Eben dies, also ausschließlich im inneren des menschlichen Systems generierte Handlungen kann es aber m.E. nicht geben.

Genauso wenig gibt es allerdings bei einem komplexen System Determinismus, das ist richtig.

Deshalb kann ich auch nachvollziehen, daß man den Begriff "freien Willens" zur Kennzeichnung dieses Systems verwendet.

Für Psychologen ist natürlich von Interesse, wo im Gehirn welche Entscheidungen gefällt werden und auf welche Weise Menschen sich entwickeln und beeinflußbar sind. Allerdings sehe ich den Unterschied zwischen bewußtem und unbewußtem Verhalten nur als graduell an.

Deswegen will mir bislang nicht einleuchten, wo z.B. rechtsphilosophische Konsequenzen liegen.

Daß die Idee freien Willens z.B. bei der Begründung von Staatsformen letztendlich Makulatur ist, dürfte aus ganz anderen Erwägungen inzwischen auch zu den Rechtsphilosophen durchgedrungen sein.