| | Freitag, den 05. 05. 2000 - 16:45 Das wäre alles richtig, wenn wir über ernstzunehmende Klimaprognosen verfügten. Tun wir aber nicht. Also gilt das Treppenhausschachtsturzbeispiel.
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| | Freitag, den 05. 05. 2000 - 16:59 Ich kann dir nicht ganz folgen. Wieso wäre das nur richtig, wenn ernstzunehmende Klimaprognosen vorhanden wären? Ich sehe das genau umgekehrt: je weniger "handfeste" Prognosen gemacht wurde bzw. werden können, umso größer ist der Einfluss subjektiver Elemente auf die Entscheidung hinsichtlich dessen, was zu tun ist, da Präferenzen nicht durch negative Fakten aus dem Rennen gekickt werden können. Und genauso läuft es doch auch - solange der schädigende Einfluss nicht bewiesen ist, macht jeder munter, was er will. Je größer die Wahrscheinlichkeit, dass ein Verhalten schädigend ist, umso größer der Rechtfertigungsdruck und umso größer der Druck, diese Rechtfertigung wiederum auch auf objektive Gründe und nicht auf subjektive Präferenzen zu bauen.
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| | Freitag, den 05. 05. 2000 - 17:05 Ich kann dir nicht ganz folgen. Noch mal die Extrakuzzfassung: Un- oder schwer kalkulierbare Risiken sollten man nur eingehen, wenn ein klar erkennbarer Gewinn winkt. Hier winkt kein erkennbarer Gewinn. Also laßt die CO2-Bilanz möglichst weitgehend frei von antropomorphen Einflüssen. ("Artensterben? Man sollte noch viel mehr Viecher ausrotten. Damit sinkt nur die Wahrscheinlichkeit auf neue übertragbare Krankheiten. Denken Sie doch mal positiv, Sie Trottel! Später, wenn wir bessere Gentechnik haben züchten wir halt alles neu. Aber erst, wenn wir es verstehen. Artensterben hat es überhaupt schon immer gegeben. Also was solls.")
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| | Freitag, den 05. 05. 2000 - 17:28 Un- oder schwer kalkulierbare Risiken sollten man nur eingehen, wenn ein klar erkennbarer Gewinn winkt. Soweit klar. Hier winkt kein erkennbarer Gewinn. Das ist aus meiner Sicht gerade in Zusammenhang mit den vorigen Beiträgen gar nicht der Punkt. Viel wichtiger ist m.E., dass das Risiko (noch) gar nicht bestimmbar ist. Der "erkennbare Gewinn" ist zunächst einmal ganz einfach der, dass alles und jedes erlaubt ist, solange kein Risiko feststellbar ist. Die Bilanzierung hier ist nicht 'ist der Gewinn hoch genug für das Risiko?', sondern 'wenn kein Risiko bisher festgestellt wurde, dann darf ich machen, was ich will'. Konkret: wenn die Auswirkungen von CO2-Ausstoß-intensiver Energiegewinnung doch nicht die sind, die bisher landläufig unterstellt wurden und zusätzlich die als bedrohlich eingestuften, auf den CO2-Ausstoß zurückgeführten Auswirkungen ausserdem unabhängig von ihrer Ursache gar nicht bedrohlich sind, kann ich weiterhin Energie unter hohem CO2-Ausstoß produzieren, ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen.
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| | Freitag, den 05. 05. 2000 - 19:07 Das 'Wenn' in Deinem Satz wird bloß nicht fundiert und ist insoweit eben völlig unerheblich.
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| | Samstag, den 06. 05. 2000 - 12:26 Und worum ging dann die ganze Diskussion oben? Ich sehe die CO2-Geschichte nicht nur in der direkten Kausalität CO2-intensive Energiegewinnung = hoher CO2-Ausstoss = Termperaturanstieg = von Menschen verursachte Klimakatastrophe. Wenn der CO2-Ausstoss der Energiegewinnung nicht den Stellenwert in der Klimaveränderung hat, der ihm allgemein zugesprochen wird, wenn die Klimaveränderung vielmehr a) auch so stattfinden würde; b) in Art und Umfang bereits in der Weltgeschichte stattgefunden hat; c) diese Veränderungen nicht die katastrophalen Auswirkungen hatten, die jetzt prognostiziert werden, sondern sogar positiv waren; d) die Veränderungen zwar durch den Menschen mitbeeinflusst werden, aber dessen Einfluss (1) nicht ursächlich und (2) in Umfang und Wikrung gar nicht bewiesen, womöglich momentan nicht einmal beweisbar ist, dann bleibt mein "wenn" Satz voll und ganz gültig. Und soweit ich die Diskussion hier mitverfolgt habe, ist es zumindest naheliegend, dass die von mir genannten Punkte alternativ oder kumulativ vorliegen, in welcher konkreten Kombination auch immer. Womit sich die gesamte Argumentation in der Klimakatastrophen-Diskussion verschiebt, die Kausalitäten-Behauptungen auf einmal nicht mehr den objektiven Charakter haben, den man ihnen zugesprochen hat und damit das Argument "bewiesen ist nichts, also kann ich machen, was ich will" bleibt.
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| | Montag, den 08. 05. 2000 - 11:15 Einges ist eine Frage des Standpunktes. Für Pflanzenbauer ist der steigende Co2 Gehalt ein Segen. Sie zeigen in Versuchen auf, dass die Produktionsleistung signifikant steigt mit der höheren Verfügbarkeit von CO2.
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| | Montag, den 08. 05. 2000 - 12:54 So simpel ist das nicht. Wenn tatsächlich ein ursächlicher Zusammenhang zwischen CO2-Gehalt und globaler Erwärmung besteht, dann würden sich auch die Klimazonen verschieben. Die aus veränderten Temperatur- und Niederschlagskurven resultierenden negativen Folgen für die Landwirtschaft wären mit großer Sicherheit größer, als der positive Einfluß des geringfügig höhereren CO2-Angebotes. Was nützt es dem Bauern, wenn die Pflanzen zwar schneller wachsen, aber vor der Ernte verfaulen, vertrocknen oder von Schädlingen befallen werden? Dieser Effekt hat übrigens auch Einfluß auf globale Regelmechanismen. Die früher ans selbstverständlich angenommene CO2-Senke durch erhöhte Bioproduktionsraten verwandelt sich nach neueren Erkenntnissen zumindest im Anfangstsadium eines anthropogenen Treibhauseffektes in eine CO2-Quelle. Dies liegt daran, daß die Vegetation den schnell wandernden Klimazonen nicht folgen kann und weltweit Planzen in einem Klima herumstehen, für das sie die Evolution nicht optimiert hat. Die Folge wäre ein deutlicher Rückgang des Pflanzenwachstums und eine zeitlweilige Erhöhung des CO2-Ausstoßes durch die Biosphäre, bis die neuen Klimnazonen von den richtigen Lebewesen besiedelt werden. Dann allerdings steigt die Bioproduktionsrate wieder dramatisch an und der CO2-Gehalt der Atmosphäre sinkt wieder. Ich habe irgendwo gelesen, daß der langfristig wirkende Mechanismus einem Itegralregler mit Ansprechzeiten um die tausend Jahre entspricht.
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| | Montag, den 08. 05. 2000 - 13:05 Die aus veränderten Temperatur- und Niederschlagskurven resultierenden negativen Folgen für die Landwirtschaft wären mit großer Sicherheit größer, als die der positive Einfluß des geringfügig höhereren CO2-Angebotes. Was nützt es dem Bauern, wenn die Pflanzen zwar schneller wachsen, aber vor der Ernte verfaulen, vertrocknen oder von Schädlingen befallen werden? Die Klimazonen verschieben sich. Sie werden aber nicht zwingend kleiner. Sicherlich nimmt die Desertifikation zu (Randstandorte der landwirtschaftlichen Produktion gehen verloren), andererseits wird es an anderer Stelle (besser) möglich sein, Landwirtschaft zu betreiben. Dies liegt daran, daß die Vegetation den schnelle wandernden Klimazonen nicht folgen kann und weltweit Planzen in einem Klima herumstehen, für das sie nicht die Evolution nicht vorbereitet hat. Pflanzen haben ein enormes Beharrungsvermögen bezogen auf den STandort. Vergiß nicht, dass die jetzigen jeweiligen Standorte sich aus interspezifischer Konkurrenz ergeben haben und nur SEHR wenige Pflanzen Standorte ihres ökologischen Optimums besetzen können. Die Folge wäre ein deutlicher Rückgang des Pflanzenwachstums und eine zeitlweilige Erhöhung des CO2-Ausstoßes durch die Biosphäre, bis die neuen Klimnazonen von den richtigen Lebewesen besiedelt werden. Dann allerdings steigt die Bioproduktionsrate wieder dramatisch an und der CO2-Gehalt der Atmosphäre sinkt wieder. Letzendlich findet sich ein neues ökologisches Gleichgewicht. Etliche Arten werden den Veränderungen zum Opfer fallen und andere werden gerade durch die Veränderung entstehen (die Vielfalt der Biotoptypen in Mitteleuropa ist ursächlich bedingt durch den Wandel von der Natur- zur Kulturlandschaft - wir hätten hier schöne Buchenwälder flächendecken [von natürlichen Sonderstandorten abgesehen] ansonsten). Ich habe irgendwo gelesen, daß der langfristig wirkende Mechanismus einem Itegralregler mit Ansprechzeiten um die tausend Jahre entspricht. Es gilt ohnehin immer zu bedenken, dass die derzeitige Klimaentwicklung ein Produkt der Emissionsszenarien von vor 30-80 Jahren ist und Änderungen des aktuellen Verhaltens nicht zwingend eine Reduktion der in der Atmosphäre enthaltenen Treibhausgase zur Folge hat sondern leduiglich zu eine geringeren Zunahme führt...
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| | Montag, den 08. 05. 2000 - 13:35 Im Einzelnen bedeutet das, daß diejenigen Flächen, welche landwirtschaflich neu erschlossen werden können durch diejenigen kompensiert werden, die nicht mehr zu bewirtschaften sind. An den gegenüberliegenden Grenzen der landwirtschaltich nutzbaren Fläche heben sich also Vor- und Nachteile auf. Die Bauern, welche ihr Land weiterhin bewirtschaften müssen auf andere Sorten umsteigen, was häufig mit einem Verlust an Erfahrung bzw. der Anschaffung eines neuen Maschienenparks einhergeht. Die Vorteile der höheren Bioproduktionsrate durch das erhöhte CO2-Angebot wäre auch in diesem Fall von untergeordneter Bedeutung. Ich habe das aus einem entsprechenden Artikel in der naturwissenschaftliche Rundschau. Soweit ich mich erinnere hat der Autor sich auch über diesen Punkt ausgelassen und festgestellt, daß die stille Reserve von nicht angepaßten Organismen nicht ausreicht um sofort in die neu entstandene Lücke zu springen. Zudem wird es nicht sofort zu echten Lücken kommen, die neu besiedelt werden können. Statt dessen werden diejenigen Arten, welche die Standorte derzeit dominieren noch eine Ganze weile die Oberhand behalten, bis sie von Arten abgelöst werden, die mit dem neuen Klima besser zurecht kommen. So dauert es allein wegen des langsamen Wachstums von Bäumen Jahrzehnte, bis sich die Artenzusammensetzung eines Waldes spürbar ändert. In dieser Überganszeit kümmern die Biotope mehr schlecht als recht vor sich hin. Nur um Mißverständnissen vorzubeugen: die Entstehung von Arten ist eine Sache von Jahrmillonen. Die Veränderungen von denen wir hier sprechen reichen von Jahrzehnten bis maxial Jahrtausenden. Die Anpassung der Biosphäre an die veränderten Bedingungen wird also von bereits vorhandenen Arten bewältigt werden müssen.
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| | Montag, den 08. 05. 2000 - 14:50 Das sehe ich etwas anders. Insbesondere Regelungszeiten von tausend Jahren halte ich für viel zu hoch gegriffen. Ich erinnere daran, daß die letzte Eiszeit erst 11.000 Jahre zurückliegt und daß das mittelalterliche Klimaoptimum (mit einer um 1,3 Grad höheren Globaltamperatur als jetzt) erst 900 Jahre zurückliegt. Von vor sich hin kümmernden Biotopen kann unter beiden Aspekten keine Rede sein. Wer einmal beobachtet hat, in welchem Tempo auf völlig ungenutzten Flächen in Deutschland wieder Wald entsteht, wird verstehen, was ich meine.
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| | Montag, den 08. 05. 2000 - 15:33 Von vor sich hin kümmernden Biotopen kann unter beiden Aspekten keine Rede sein. Das will ich meinen.
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| | Montag, den 08. 05. 2000 - 15:44 Die vor sich hin kümmernden Biotope standen Im Zusammenhang mit einer schnellen Verschiebung von Klimazonen. Der Hinweis auf die schnelle Vergrößerung der deutschen Waldfläche trifft somit ins Leere, da unser Klima relativ stabil ist und die Vegetation vorert in ihrem Klimaoptimum verbleibt. Auch der Hinweis auf den Wechsel von Warm- und Kaltzeiten trifft in diesem Zusammenhang nicht voll ins Schwarze, weil er sehr gemächlich von statten ging (im Zeitraum von Jahrhunderten). Wenn die Verschiebung der Klimazonen so schnell vostatten geht, daß die Vegetationszonen nicht mehr folgen können, sähe die Sache schon ganz anders aus. Plötzliche Klimaschwankungen hat es zwar schon in der Vergangenheit gegeben, aber leider wissen wir nicht genau, wie die Vegetation seinerzeit darauf reagierte, da die entsprechenden Fossilien keine hinreichend hohe zeitliche Auflösung zulassen. Eine 10%ige Verringerung der Bioproduktionsrate über einen Zeitraum von einhundert Jahren würde vermutlich in der statistischen Schwankung untergehen, hätte aber ernstzunehmende Folgen für die Funktionsfähigkeit natürlicher Regelmechanismen. Die Tatsache, daß einige Gebiete, die von dertart schlagartigen Klimaschwankungen betroffen waren (z.B. Grönland oder Sahara) heute kaum noch Vegetation aufweisen ist jedenfalls kein Grund für überschwenglichen Optimismus.
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| | Dienstag, den 09. 05. 2000 - 13:41 Ich halte die von MrStupid angeführte Theorie der mangelnden Anpassungsfähigkeit der Vegetation an rasche Temperaturänderungen weiterhin für nicht plausibel. Bekanntlich ist die Durchschnittstemperatur auch von der Höhe über dem Meeresspiegel abhängig und sinkt mit je 120 Metern zusätzlicher Höhe um etwa ein Grad Celsius. Genau deshalb findet man an Bergen nach oben hin dieselbe Abfolge der Vegetationszonen, wie wenn man in großem Maßstab polwärts reist. Das bedeutet aber zugleich, daß sich ein an eine um 1,3 Grad wärmere Umgebung bereits bestens angepaßtes Biotop jederzeit in der Nähe finden läßt, wenn es nur 150 Meter tiefer liegt. Die tiefergelegenen Biotope werden sich einfach ausbreiten. Das gleiche Argument gilt aber auch horizontal. Mikroklimatische Unterschiede können bereits in recht kurzen Entfernungen zu Temperaturunterschieden in der beschriebenen Größenordnung führen.
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| | Mittwoch, den 17. 05. 2000 - 11:24 Ich halte die von MrStupid angeführte Theorie der mangelnden Anpassungsfähigkeit der Vegetation an rasche Temperaturänderungen weiterhin für nicht plausibel. Ich sagte bereits, dass in jedem Biotop nur wenige Pflanzen Standorte besetzen, die ihrem ökologischen Optimum entsprechen. Nur die Konkurrenzstärksten bekommen den "Platz and er Sonne". Ändern sich die Umgebungsvariablen, kann dies bedeuten, dass die gleich Pflanzen ein bestimmtes Biotop besiedeln, nun aber mit anderen Dominanzverhältnissen. Umgebungsvariable ist hier nicht nur die Temperatur. Mit Änderungen der Tempertur gehen auch Änderungen im Wasserhaushalt und in der Wasserverfügbarkeit einher, die ggf. wesentlich stärker in die Zusammensetzung der Pflanzenarten eingreifen. Ausgemachte Hydo- oder Xerophilie kann z.B. unter geänderten Umweltbedingungen aus einem unterlegenen Konkurrenten die dominante Art im Biotop machen.
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| | Mittwoch, den 17. 05. 2000 - 14:03 Vollkommen richtg. Nur wie lange dauert das und wie ist es um die Bioproduktionsrate des Biotops während dieser Umgestaltung bestellt? Auf einer Wiese wird der Rollentausch innerhalb weniger Jahre stattfinden. Aber in einem Wald kann das schon ein paar Jahrzehnte dauern.
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| | Mittwoch, den 17. 05. 2000 - 14:18 Zeit ist in diesem Fall nicht das Problem. Und der dynamische Umbau der Artenzusammensetzung und der Dominanz muß nicht zwangsläufig zu einer niedrigeren Bioproduktionsrate führen. Laß den Umbau eines Waldes Jahrzehnte dauern... Dort, wo eine Lücke entsteht, wird sich der Konkurrenzstärkste durchsetzen. Der Umbau von Wälder würde deshalb so lang dauern, da Pflanzen bezogen auf den STandort eben ein hohes Beharrungsvermögen besitzen und Bäume de facto mehrjährig sind. D.h. außerdem, dass sie, sind sie vorhanden, auch hohe Biomasseproduktion leisten können, obwohl die Umgebungsvaribalen sich ändern. Der Umbau der Wälder mag auch deshalb so lang dauern, weil es sich bei Wäldern hier in MItteleuropa um öklogische Klimaxstadien handeln, die sehr stabil sind.
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| | Sonntag, den 21. 05. 2000 - 10:54 Nachstehenden Artikel druckte die hiesige Marner Zeitung am Mittwoch, den 17. Mai, ab: Dietmar Gottfriedsen enttarnt den schönen Schein des satten Grüns Forst Christianslust: "Pflanzen powern sich aus" Wochenlange Trockenheit, Sonneneinstrahlung wie im Hochsommer - nicht nur der Forst Christianslust erstrahlt in sattem Grün. Allerorten blühen Blumen, Sträucher und Bäume, was das Zeug hält. Ein Naturschauspiel, das die Welt in heiler Ordnung erscheinen lässt. Doch der schöne Schein trügt. Die aktuellen Witterungs- und Klimaverhältnisse provozieren eine massive Verschiebung der Vegetationszyklen, bringen Pflanzen- und Tierwelt gehörig aus dem Rhythmus. "Kollegen aus ganz Deutschland bestätigen eine Baumblüte, wie sie noch nie dagewesen ist", berichtet Förster Dietmar Gottfriedsen. Der Rekord lässt bei ihm die Alarmglocken läuten: "Die Pflanzen powern sich aus, produzieren Samen, was das Zeug hält", erklärt der Naturexperte. Was die Bäume früher nur alle zwölf Jahre in Sachen Arterhaltung praktizierten, machten sie nun alle drei Jahre. Folge: "Die Pflanzensamen und damit das Erbmaterial, das sie transportieren, verlieren an Qualität. Wurde beispielsweise eine Eiche früher über 1000 Jahre alt, stirbt sie heute sozusagen im zarten Kindesalter von etwa 120 Jahren." Gleiches gelte für viele andere Baumarten, so Gottfriedsen. "Das Klima ist völlig im Eimer", konstatiert der Diplom-Forstingenieur nüchtern, doch niemand möge das so recht einsehen, besser: sich eingestehen. "Die Natur wirkt in dieser Hinsicht obendrein kontraproduktiv", sinniert Gottfriedsen, "weil sie so schön ist, wie sie ist." Waldschäden, für den Förster fast schon ein "historischer Begriff", seien bei der momentanen Blätter- und Blütenpracht kaum auszumachen. "Doch im Boden lauert eine ungeheuerliche Schadstoff-Fracht. Und die wirkt beim aktuellen Klima wie Dünger. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Vegetation stärker und schneller wächst als je zuvor." Tut sie das, werfen die Pflanzen auch früher als bislang ihre Frucht ab. Darauf sei wiederum die Tierwelt gar nicht vorbereitet, deutet Gottfriedsen einen verhängnisvollen Kreislauf an, der in letzter Konsequenz auf ein Ab- und Aussterben des natürlichen Lebens hinauslaufe - "wenn nichts getan wird". Der Förster kennt seine Ansatzpunkte: "Stichpunkt Schadstoffbelastung der Luft. Wenn Sie die hier messen, denken Sie, Sie ständen auf einer Raststätte an der A 7." Vor allem der Westwind blase die tödlichen Abgase aus englischen Industriegebieten in Richtung Schleswig-Holstein, so die Hypothese. Salzgehalt der Luft und das nicht artgerechte Klima täten ihr Übriges, um die Natur aus dem Ruder laufen zu lassen. An Schädlinge wie Borkenkäfer, die sich unter diesen paradiesischen Bedingungen massenhaft vermehren, mag der Naturfreund gar nicht denken. Gottfriedsen betrachtet die großen Bäume im Forst Christianslust: "Ich kann die alten Kameraden hier nicht retten. Aber wir müssen dafür sorgen, dass die Kinderstube des Waldes in Ordnung kommt." Konkret bedeute dies, massiv für junge Bäume zu sorgen, Nachwuchs zu säen. Auf 140 von insgesamt 400 Hektar Waldfläche hat Gottfriedsen unter anderem im Rahmen der Kinder-Aktion "Eichhörnchen" bisher Baumsamen unter die Erde gebracht. Wer dieser Tage durch den Forst wandelt, kann die ersten Erfolge in Augenschein nehmen. "Er wächst, der neue Wald." Gottfriedsen hofft, dass mit den Bäumen auch Klarheit bei den Menschen wächst: "Klarheit darüber, was in Wald und Umwelt Sache ist." Klingt für mein - zugegeben: laienhaftes - Verständnis denn doch einigermaßen abenteuerlich. Was ist davon zu halten?
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| | Sonntag, den 21. 05. 2000 - 12:30 Dieser Kerl besitzt eine recht eigentümliche Logik. :o Allein der gestiegene CO 2 Gehalt der Luft läßt die Bäume auch nicht in den Himmel wachsen. :) Auch ich bin ein Verfechter der Natur; hier aber rührt jemand ganz heftig mit im großen Topf der Schwarzmalerei. Alles wird gut. :)
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| | Sonntag, den 21. 05. 2000 - 13:20 Dieser Kerl besitzt eine recht eigentümliche Logik. :o Inwieweit? Etwas konkreter haben wir es doch bestimmt. Allein der gestiegene CO 2 Gehalt der Luft läßt die Bäume auch nicht in den Himmel wachsen. :) Mal davon abgesehen, daß nach meiner Kenntnis ein höherer CO2-Gehalt allerdings die Produktion von Biomasse fördert, ist dieser Satz zur Widerlegung der vorgebrachten Thesen nun wirklich nicht geeignet. Gottfriedsen und seine Försterei Christianslust haben einen eigenen Webauftritt, der allerdings in der Sache nichts vorträgt, und wo ich auch erst der 26ste Besucher war. Ich habe den Mann zu dieser Diskussion eingeladen; es würde mich sehr interessieren, was ein Praktiker ohne Zeitungsfilter im Gespräch mitteilen kann.
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| | Sonntag, den 21. 05. 2000 - 19:08 Im vorletzten Satz steht etwas über den Salzgehalt der Luft. Welche Abgase erhöhen denn den Salzgehalt der Luft?
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| | Sonntag, den 21. 05. 2000 - 21:39 Salzgehalt der Luft und das nicht artgerechte Klima täten ihr Übriges Es wird lediglich auf den Salzgehalt der guten Nordseeluft als einem bereits belastenden Faktor hingewiesen. Von einer Erhöhung durch Abgase steht dort nichts.
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| | Sonntag, den 21. 05. 2000 - 22:17 Die Resonanz auf meinen Artikel in der Marner Zeitung macht einige Klarstellungen nötig. Vieles von dem was dort steht, habe ich so nicht gesagt. Das ist leider das Problem mit Interviews und der Wiedergabe von Inhalten durch Reporter. Doch nun zur Sache : Nach über 20 Jahren Engagement für Wald und gegen Waldschäden(Waldschadensverursacher) ist für mich klar : CO-2 ist das Thema unserer Generation. Als verantwortungsbewußter Mensch im Tätigkeitsfeld Wald kann ich den stehenden alten Wald auch nicht retten. Klima und Boden lassen das nicht mehr zu. Aber ich kann meine Ansichten (oder Wissen)einbringen, hier positiv zu wirken, d.h. : dem Wald der Zukunft seine Chance geben. Dies geht nur im Bereich Wald nur über den jungen Wald. Hier sind meine beiden Erfindungen SilvaSat und ÖkokSat durchaus ein Ansatz. Die SilvaSat kann immer noch als einzige auf dem Weltmarkt, Forstsaatgut für neue Wälder in dem Maße ernten, wie es nötig sein wird. Und die ÖkoSat kann diese Samen aussähen, so dass wieder Wald oder besserer Wald entsteht. Beides könnte man weltweit. Die mit diesen Systemen mögliche CO-2 Bindung über Wald hat nach vorsichtigen Schätzungen Dimensionen, die durchaus von globaler Bedeutung sind. Dieses wurde der Bundesregierung bereits vorgetragen. Dort hat man jedoch vermutlich aufgrund verschiedenster Lobby-Einflüsse das Thema Wald und vor allem Waldschäden quasi verdrängt. Mein Vorschlag der massiven CO-2 Bindung durch Wald, quasi erstmal als Sofortmaßnahme, wurde in diesen Kreisen wohl eher als gefährlich eingeschätzt, denn das aktuelle Potential nur der in der BRD vorhandenen rd. 3 Mio ha Wald, die durch Umwandlung von Holzäckern in Wald wesentlich mehr CO-2 binden könnten, würde bereits ausreichen, die seitens Berlin gewünschte CO-2 Senke zu erreichen. Das wäre natürlich wenig wünschenswert. Denn : was soll dann noch Tempolimit, Abgasnorm, TA-LUFT, Solar/Windenergie usw. ?? Da hier der Platz nicht reicht : Interessierte sind eingeladen, sich meinen Seiten unter dem Suchwort "Waldsaat" anzusehen. Und wer mehr wissen will : es gibt noch einiges. Nur noch nicht im Netz, aber die Post ist ja auch da.
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| | Sonntag, den 21. 05. 2000 - 23:07 Zu : Webauftritt der Försterei Es gibt ihn doch : den Inhalt zur Sache. Man muß nur den links folgen. Beispiel "Waldsaatartikel" oder Waldsaatseite. Also " nur ein Click weiter....
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| | Montag, den 22. 05. 2000 - 14:16 Die Resonanz auf meinen Artikel in der Marner Zeitung macht einige Klarstellungen nötig. Vieles von dem was dort steht, habe ich so nicht gesagt. Herr Gottfriedsen, schön, dass Sie persönlich in die Debatte eingreifen. Zur Klärung des Sachverhaltes möchte ich Sie um die Beantwortung folgender Fragen bitten: 1. Die aktuellen Witterungs- und Klimaverhältnisse provozieren eine massive Verschiebung der Vegetationszyklen, bringen Pflanzen- und Tierwelt gehörig aus dem Rhythmus. "Kollegen aus ganz Deutschland bestätigen eine Baumblüte, wie sie noch nie dagewesen ist", berichtet Förster Dietmar Gottfriedsen. Auch im vergangenen Jahr setzte der Frühling ungewöhnlich früh ein, so dass die Vegetation ihrer Zeit rasch voraus war. Entgegen der Meinung einiger Experten führte das allerdings nicht etwa zu verfrühtem Laubabwurf im Herbst. Offenbar reagieren die Pflanzen diesbezüglich je nach den klimatischen Verhältnissen flexibel. Oder täusche ich mich da? 2. "Die Pflanzen powern sich aus, produzieren Samen, was das Zeug hält", erklärt der Naturexperte. Was die Bäume früher nur alle zwölf Jahre in Sachen Arterhaltung praktizierten, machten sie nun alle drei Jahre. Folge: "Die Pflanzensamen und damit das Erbmaterial, das sie transportieren, verlieren an Qualität. Wurde beispielsweise eine Eiche früher über 1000 Jahre alt, stirbt sie heute sozusagen im zarten Kindesalter von etwa 120 Jahren." Gleiches gelte für viele andere Baumarten, so Gottfriedsen. Haben Sie hierfür Belege? Gibt es Untersuchungen daüber, warum sich der genannte 12-Jahres-Zyklus bestimmter Pflanzen verschoben hat? Und steht diese Verschiebung tatsächlich im Zusammenhang mit dem Gesamtlebensalter einer Pflanze? 3. "Das Klima ist völlig im Eimer" Könnten Sie diese These näher ausführen? Worauf genau führen Sie die Entwicklung zurück? Gibt es Ihrer Ansicht nach außer dem steigenden CO2-Gehalt weitere maßgebliche Faktoren? 4. "Doch im Boden lauert eine ungeheuerliche Schadstoff-Fracht. Und die wirkt beim aktuellen Klima wie Dünger. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Vegetation stärker und schneller wächst als je zuvor." [...] Der Förster kennt seine Ansatzpunkte: "Stichpunkt Schadstoffbelastung der Luft. Wenn Sie die hier messen, denken Sie, Sie ständen auf einer Raststätte an der A 7." Vor allem der Westwind blase die tödlichen Abgase aus englischen Industriegebieten in Richtung Schleswig-Holstein, so die Hypothese. Existieren dazu Untersuchungen, Quellen bzw. Belege? Und wenn die Schadstoffbelastung der Luft hier in Dithmarschen so hoch ist, schließt sich die Frage an, wieso die hiesigen Städte und Gemeinden als Luftkurorte ausgewiesen sind? 5. Salzgehalt der Luft und das nicht artgerechte Klima täten ihr Übriges, um die Natur aus dem Ruder laufen zu lassen. Welchen Pflanzen schadet der Salzgehalt und auf welche Weise?
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