Archivieren bis zum 5. Mai 2000

High Debate: Wissenschaft: Klima : Archivieren bis zum 5. Mai 2000
  

Alexander Virchow

Donnerstag, den 04. 05. 2000 - 11:13 Click here to edit this post
Bäume sind effektive Speicher für Kohlenstoff

Von Silvia von der Weiden

London — Mikrobielle Prozesse im Boden sind langfristig nicht von der Temperatur der Umgebung abhängig, berichten schottische Wissenschaftler im britischen Wissenschaftsmagazin „Nature“. Dieses auf den ersten Blick scheinbar unbedeutende Detail hat jedoch entscheidenden Einfluss auf die Produktivität der Wälder und damit auf die Entwicklung des Klimas. Bei einer globalen Erwärmung könnten sie effektiver das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) speichern als bislang angenommen.
Wälder entziehen der Atmosphäre durch Photosynthese große Mengen CO2 und geben dabei Sauerstoff ab. Rund 60 Milliarden Tonnen Kohlenstoff filtert die Pflanzendecke jedes Jahr aus der Atmosphäre, davon stammen 6,5 Milliarden Tonnen aus der Verbrennung fossiler Energieträger wie Erdöl und Kohle. Umgekehrt gelangt etwa die gleiche Menge an Kohlenstoff über die Atmung vor allem der Mikroorganismen im Boden wieder in die Atmosphäre zurück. Wie Mensch und Tier produzieren viele Bakterien mit ihrem Stoffwechsel CO2, den Pflanzen zum Wachstum benötigen.

Ein gigantisches Rad, das die Lebewesen auf der Erde bewegen und das großen Einfluss auf das globale Klima hat. Schon geringfügige Veränderungen der Zu- und Abflüsse können die Bilanz aus dem Gleichgewicht bringen. Klimamodelle gingen bislang davon aus, dass in einer wärmeren Welt die mikrobielle Zersetzung von Laub im Boden rascher abläuft, als CO2 durch Photosynthese aus der Atmosphäre herausgefiltert wird. Das würde zu einem weiteren CO2-Anstieg führen und damit die Erwärmung beschleunigen.

Ein durchaus plausibles Szenario, das in fast alle Klimarechenmodelle Eingang gefunden hat. Um so erstaunlicher waren jetzt die Berechnungen der schottischen Forscher. Ihre Simulationen hätten gezeigt, dass der Effekt einer höheren Photosyntheserate den Einfluss der mikrobiellen Atmung klar überwiege. Um eine realistische Basis für die Kohlenstoffbilanzierung zu erhalten, erhoben die Wissenschaftler Daten über einen Zeitraum von mehreren Jahren in Wäldern auf fünf Kontinenten.

Allein das europäische Team sammelte drei Jahre lang Daten in 15 europäischen Waldbiotopen, von Island bis Italien. Dabei bestätigte sich, dass fast alle europäischen Wälder so genannte Kohlenstoffsenken sind, sie also mehr Kohlenstoff in den Blättern speichern, als durch die Laubzersetzung in die Atmosphäre gelangt. Die Forscher ermittelten einen Kohlenstoffüberschuss zwischen 6,6 Tonnen und einer Tonne pro Hektar Wald und Jahr.

  

Alexander Virchow

Donnerstag, den 04. 05. 2000 - 11:20 Click here to edit this post
Zum Einen sieht man in diesem Link exemplarisch, wie ungesichert das Wissen um das konkrete Klimageschehen bislang ist. Und wie unsicher also auch die Klimamodelle.

Ohner solche stabilisierenden Großprojekte wie die Urbarmachung der Wüsten hier mehr als nur streifen zu wollen, zwingt sich mir doch ein Gedanke auf:

In den weltweiten Handel der CO2-Quoten könnten durchaus auch Aufforstungsmaßnahmen einbezogen werden.

  

Huck Finn

Donnerstag, den 04. 05. 2000 - 13:28 Click here to edit this post
Ich habe, wie schon auf SpOn kurz dargelegt, erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Treibhaus-Prognosen. Das ganze Thema ist politisch hoch aufgeladen, und viele Leute haben damit Karriere gemacht.

Das fängt schon damit an, daß die effektive Treibhauswirkung von zusätzlichem CO2 durchaus nicht eindeutig belegt ist, wie MrStupid bei seinen Recherchen feststellte.

Die von MrStupid dabei vermutete Übereinstimmung von Klimamodellen und Meßdaten besteht übrigens in Wirklichkeit nicht. Die prognostizierten Erwärmungen sind seit 1990 ständig gesunken und bewegen sich zur Zeit in der Größenordnung von 1,3 Grad Celsius. So warm war es natürlicherweise bereits vor 1000 Jahren einmal auf unserem Planeten, als die Wikinger Grönland besiedelten.

  

MrStupid

Donnerstag, den 04. 05. 2000 - 16:46 Click here to edit this post
Alexander Virchow,

In den weltweiten Handel der CO2-Quoten könnten durchaus auch Aufforstungsmaßnahmen einbezogen werden.


Warum? Savannen haben eine viel höhere Bioproduktionsrate als Wälder. Wenn es also nur darum ginge Kohlendioxid aus der Luft zu filtern, dann wäre es effektiver die Wälder zu roden und Gräser wachsen zu lassen.


Huck Finn,

Die von MrStupid dabei vermutete Übereinstimmung von Klimamodellen und Meßdaten besteht übrigens in Wirklichkeit nicht.


Es gab seit Jahrzehnten verschiedenste Klimamodelle, die alle eine globale Erwärmung voraussagten. Sie unterschieden sich jedoch erheblich in der Größe des zu erwartenden Effektes. Während es auf der einen Seite Forscher gab, die eine Klimakatastrophe vorhersagten, waren andere wesentlich vorsichtiger in ihren Prognosen. Letztere scheinen nun Recht zu behalten, obwohl ihnen lange Zeit Verharmlosung vorgeworfen wurde.

Die Tatsache, daß die globale Erwärmung sich innerhalb des (ziemlich breiten) Korridores aller angewandten Modelle bewegt ist allerdings kein Beweis für deren Gültigkeit. So läßt sich die Erhöhung der globalen Oberflächentemperatur auch vollständig mit der gestiegenen Sonnenaktivität korellieren:

Korrelation Sonnenflecken/Temperatur
Die an der Erdoberfläche gemessene Lufttemperatur der nördlichen Atmosphäre für die Jahre 1865 bis 1985 (dicke Kurve) zeigt eine enge Korrelation mit der Variation der Intensität der Sonnenfleckentätigkeit im säkularen Gleissberg-Zyklus (dünne Kurve) (nach Friis-Christensen und Lassen).[Online-Quelle]

Die beiden Kurven liegen so gut übereinander, daß eine zufällige Korrellation extrem unwahrscheinlich ist. Wenn aber die Sonne als Hauptursache für die Erderwärmung in Betracht kommt, dann müssen alle bisherigen Klimamodelle sowie deren Prognosen und die daraus abgeleiteten Konsequenzen überdacht werden.

  

Huck Finn

Donnerstag, den 04. 05. 2000 - 21:19 Click here to edit this post
Die von Satelliten gemessenen Temperaturen steigen seit den siebziger Jahren nicht an.

(Die von MrStupid verlinkte Quelle ist für sich recht überzeugend, befindet sich aber auf einer Website, die nicht als seriös anzusehen ist. Sie gehört zum Dunstkreis Zepp/LaRouche und wurde auch von Bushi mehrfach verlinkt.)

  

Anja Schröder

Freitag, den 05. 05. 2000 - 10:43 Click here to edit this post
Warum? Savannen haben eine viel höhere Bioproduktionsrate als Wälder. Wenn
es also nur darum ginge Kohlendioxid aus der Luft zu filtern, dann wäre es
effektiver die Wälder zu roden und Gräser wachsen zu lassen.


Nein. Und ja. Aber doch eher nein. Wälder legen CO2 wesentlich langfristiger in Biomasse FEST. Savannen haben zwar eine höhere Bioproduktionsrate (vierschüriges, hochgedüngtes Grünland in D übrigens auch), die Biomasse geht aber sofort wieder in den Kreislauf und wird zum großen Teil zu CO2 abgebaut (innerhalb einer Vegetationsperiode). Bei Wäldern ist dem nicht so.

  

MrStupid

Freitag, den 05. 05. 2000 - 12:30 Click here to edit this post
Wälder legen CO2 wesentlich langfristiger in Biomasse FEST.


Das geht aber auch nur bis zu einem bestimmten Maximum. Tropische Regenwälder beispielsweise haben eine konstante Biomasse und ihre Humusschicht ist nur wenige Zentimeter dick. Auch wenn die pro Quadratmeter biologisch fixierte Kohlenstoffmenge bedeutend größer ist als in der Savanne, filtert ein im ökologischen Gleichgewicht befindlicher Wald genau so viel Kohlendioxid aus der Luft wie eine vergleichbare Grasfläche - nämlich garnichts.

Wenn man eine langfristig wirksame CO2-Senke haben will, dann muß man die aufgebaute Biomasse irgendwo verschwinden lassen um Platz für neue zu schaffen. Im Falle des Waldes bedeutet das Roden und das Holz in der Tiefsee versenken und im Falle der Savanne hieße es Mähen und das Gras in der Tiefsee versenken. Bei diesem Spiel wäre die Savanne eindeutig effektiver.

Auch wenn das Aufbauen von Biomasse zum Zwecke der Versenkung in den Ozeanen grotesk anmutet ist es alles andere als abwegig. Genau das passiert nämlich mit dem Meeresplankton welches auf diese Weise eine CO2-Senke bildet, gegen die man Wälder getrost vergessen kann.

  

Anja Schröder

Freitag, den 05. 05. 2000 - 13:20 Click here to edit this post
Die Rechnung beginnt eigentlich an dem Punkt, wo Du ein vegetationsfreies Stück Fläche hast. Dann wird entweder Savanne aufgebaut oder Wald. Bis zur ökologischen Klimax. Und in der Dauerhaftigkeit der CO2-Fixierung schneidet der Wald besser ab. Im Klimax-Stadium hast du natürlich keine zusätzlichen Fixierungspotentiale mehr.

Das Zeug in die Tiefsee zu verfrachten ist nicht zwingend die Alternative. Abbau organischer Substanz erfolgt auch dort, zur Not auch unter Sauerstoffmangel. Es sei denn, man legt noch ein Sediment Cover drauf. Das würde den Abbau sicher extrem verlangsamen.

  

Anja Schröder

Freitag, den 05. 05. 2000 - 13:21 Click here to edit this post
Letzendlich funktionieren Senken nur, wenn Stoff (Biomasse oder CO2) langfristig aus dem CO2 Kreislauf entfernt wird.

  

Alexander Virchow

Freitag, den 05. 05. 2000 - 13:51 Click here to edit this post
Entscheidend ist doch, daß sich in dem Gedanken, Wiederaufforstungen in die CO2-Quoten mitaufzunehmen, der Naturschutzgedanke und die Ablehnung von Raubbau mit dem Interesse, sowenig wie möglich in das Klimageschehen einzugreifen, auf das Hübscheste verbindet.

Der Gedanke allerdings, die europäischen Agrarüberschüsse zu weltweiten zu machen, um diese dann zu versenken:

Das ist - selbst wenn es funktioniert - ein großtechnische Schilda-Szenario.

  

Huck Finn

Freitag, den 05. 05. 2000 - 14:01 Click here to edit this post
sowenig wie möglich in das Klimageschehen einzugreifen



Ein schöner Gedanke. Nur wird übersehen, daß Unterlassungen ebenso Konsequenzen haben wie Handlungen.


Die forcierte Reduzierung des CO2-Outputs in die Atmosphäre kostet Geld, und zwar enorme Summen. Dieses Geld steht zu anderweitiger sinnvoller Verwendung nicht mehr zur Verfügung.


Vor dem Hintergrund, daß die gegenwärtig aktuellen Klimamodelle eine gesamte Temperaturerhöhung um 1,3 Grad prognostizieren, daß dies dem Klima im mittelalterlichen Klimaoptimum entspräche und daß keinerlei negative, sondern nur positive Wirkungen des damaligen Klimas auf die menschlichen Lebensbedingungen überliefert sind, scheint es doch fraglich, ob elfstellige Dollarsummen hier richtig investiert sind.

  

Alexander Virchow

Freitag, den 05. 05. 2000 - 14:08 Click here to edit this post
Nun, Huck Finn:

Der Punkt ist eben doch, daß es UNKLAR bleibt, wie die CO2- und andere Emissionen sich dauerhaft auswirken.

Insofern ist es absolut legitim zu fordern, in ein letztlich unverstandenes System sowenig wie möglich einzugreifen.

Die Kosten, die aus einer globalen Erwärmung um 5-10 Grad folgen würden ständen zu diesen Aufwendungen in keinerlei darstellbarem Verhältnis.

(Mit gleicher Legitimation könntest Du die Abschaffung von Medikamentenunverträglichkeitstests fordern.

Und am Ende vielleicht sogar recht behalten: Die paar Zusatztoten rechnen sich nicht gegen den getriebenen Aufwand.)

  

Huck Finn

Freitag, den 05. 05. 2000 - 14:22 Click here to edit this post
Insofern ist es absolut legitim zu fordern, in ein letztlich unverstandenes System sowenig wie möglich einzugreifen.


Das tun Menschen dauernd. Praktisch immer. Normalerweise gibt es da eine Risikoabschätzung.

Die Kosten, die aus einer globalen Erwärmung um 5-10 Grad folgen würden ständen zu diesen Aufwendungen in keinerlei darstellbarem Verhältnis.


Von solchen Erwärmungen war nur in der Anfangspanik die Rede. Die selben Wissenschaftler prognostizieren heute 1,3 Grad. Du kannst sicher sein, daß sie nicht zu tief liegen, weil sie sich nicht unnötig früherer Irrtümer bezichtigen werden.

Mit gleicher Legitimation könntest Du die Abschaffung von Medikamentenunverträglichkeitstests fordern.


Nicht eine Abschaffung, aber eine Reduzierung der Anforderung wäre nur vernünftig. Von den 500 Millionen Dollar, die die Entwicklung eines Medikaments heute kostet, fließen 400 Millionen in die Verträglichkeitstests. Das hat zur Folge, daß Medikamente sehr teuer sind und arme Menschen sie sich nicht leisten können. Bei um 60% niedrigeren Medikamentenpreisen würden mehr Menschenleben gerettet als durch Nebenwirkungen verloren. Ganz erheblich mehr.

  

Alexander Virchow

Freitag, den 05. 05. 2000 - 14:30 Click here to edit this post
Von solchen Erwärmungen war nur in der Anfangspanik die Rede. Die selben Wissenschaftler prognostizieren heute 1,3 Grad. Du kannst sicher sein, daß sie nicht zu tief liegen, weil sie sich nicht unnötig früherer Irrtümer bezichtigen werden.

Ich erwähnte es bereits: Mein Vertrauen in die Prognosequalität ist bei diesem Thema gleich null. Das betrifft ältere und neuere Prognosen gleichermaßen.

Die historische Korrelation zwischen CO2-Gehalt und Temperatur ist nmK nicht von der Hand zu weisen.

Das hat zur Folge, daß Medikamente sehr teuer sind und arme Menschen sie sich nicht leisten können. Bei um 60% niedrigeren Medikamentenpreisen würden mehr Menschenleben gerettet als durch Nebenwirkungen verloren. Ganz erheblich mehr.

Tja.
Da würde ich ja glatt die Entwicklung preisgünstigerer Unverträglichkeitsprüfungen fordern. Und nicht deren partielle Abschaffung.

(Minenräumen nein. Milchpulver ja.)
(Schulbildung nein. Inder ja.)

(Nach diesem Schema kann ich allerdings jedes Thema der Ernsthaftigkeit entledigen.)

  

Huck Finn

Freitag, den 05. 05. 2000 - 14:43 Click here to edit this post
Nach diesem Schema kann ich allerdings jedes Thema der Ernsthaftigkeit entledigen.


Die ökonomische Komponente wird bei ethischen Entscheidungen gern als störend empfunden. Sie ist aber essentiell. Wenn man sie ignoriert, trifft man leicht die falsche Entscheidung.

Die historische Korrelation zwischen CO2-Gehalt und Temperatur ist nmK nicht von der Hand zu weisen.


Von einer solchen Korrelation kann keine Rede sein.

Von 1940 bis 1960 sind die globalen Temperaturen gesunken, bei steigendem CO2-Gehalt. Damals gab es Eiszeitpropheten.

Von 1790 bis 1830 sind die globalen Temperaturen stark gestiegen, bei gleichbleibendem CO2-Gehalt.

Die Korrelation der Globaltemperatur mit der Sonnenaktivität ist viel besser als die mit dem CO2-Gehalt.

  

Alexander Virchow

Freitag, den 05. 05. 2000 - 14:49 Click here to edit this post
Die ökonomische Komponente wird bei ethischen Entscheidungen gern als störend empfunden. Sie ist aber essentiell. Wenn man sie ignoriert, trifft man leicht die falsche Entscheidung.

Ein Allgemeinplatz.
Leute wollen in minengeräumten Gebieten rumlaufen. Auch wenn es billiger wäre, woanders spazieren zugehen.

Leute wollen ihre Kinder ausbilden. Auch wenn das Ausbilden von Indern billiger käme.

Leute wollen ohne erhöhtes Hautkrebsrisiko im Freien rumlaufen können. Auch wenn Krebs thrapierbar wäre.

Von einer solchen Korrelation kann keine Rede sein.

Ich wollte nicht über die letzten paar hundert Jahre sprechen. Sondern über die letzten paar hundert Millionen.

  

MrStupid

Freitag, den 05. 05. 2000 - 15:07 Click here to edit this post
Anja Schröder,

Letzendlich funktionieren Senken nur, wenn Stoff (Biomasse oder CO2) langfristig aus dem CO2 Kreislauf entfernt wird.


Deshalb das Versenken im Ozean. Wenn unsere Nachfahren die daraus entstandene Kohle allerdings wieder verheizen wird das natürlich auch ein Nullsummenspiel. Das soll aber nicht unsere Sorge sein.


Alexander Virchow,

Der Gedanke allerdings, die europäischen Agrarüberschüsse zu weltweiten zu machen, um diese dann zu versenken:


Das ist - selbst wenn es funktioniert - ein großtechnische Schilda-Szenario.


Der Meinung bin ich auch, aber auf derartige Szenarien läuft es hinaus, wenn man das CO2 zum Maß aller Dinge macht. Die hochentwickelten Industrienationen haben damit die geringsten Probleme. Sie verfügen über die nötigen Technologien und haben auch genügend Produktionsreserven um sich das Leben ungestraft schwer machen zu dürfen. Bei den Entwicklungs- und Schellenländern sieht es anders aus. Wenn denen verboten wird beim Übergang zu modernen Industriestaaten den gleichen Dreck zu produzieren wie wir, dann könnten daraus größere Probleme erwachsen, als aus ein paar Kelvin Klimaerwärmung. Besonders tragisch wäre es, wenn man sich diese Probleme völlig unnötig einhandelt.

Bevor man also in blinden Aktionismus verfällt, sollte man die in Zweifel geratenen Klimaprobleme zugunsten anderer, unzweifelhafter Probleme zurückstellen, bis man genaueres weiß.

  

MrStupid

Freitag, den 05. 05. 2000 - 15:19 Click here to edit this post
Die historische Korrelation zwischen CO2-Gehalt und Temperatur ist nmK nicht von der Hand zu weisen.


Ich wollte nicht über die letzten paar hundert Jahre sprechen. Sondern über die letzten paar hundert Millionen.


Dummerweise wird es über so weit zurückliegende zeiträume ziemlich schwierig Ursache und Wirkung auseinanderzuhalten, wenn man die zurunde liegenden Gesetzmäßigkeiten nicht kennt. Statistiken allein sind nämlich nicht geeignet um Aussagen über Kausalitäten zu treffen.

Anhand einer Korrlation zwischen CO2-Gehalt und Temperatur kann man schlecht entscheiden, ob dies nun daran liegt, daß der CO2-Gehalt die Temperatur beeinflußt oder umgekehrt. Das eine Szenario wäre so plausibel wie das andere. Möglicherweise sind beide Größen aber auch völlig unabhängig voneinander und hängen von einem bisher unbekannten dritten Faktor ab.

  

Alexander Virchow

Freitag, den 05. 05. 2000 - 15:22 Click here to edit this post
wenn man das CO2 zum Maß aller Dinge macht.

Aber wer tut das denn?

Die CO2-Emissionen sollen erst einmal eingefroren werden.

Deine Kritik würde greifen, gäbe man heute hunderte von Milliarden für 'Atmosphärenwäsche' aus. Davon kann jedoch keine Rede sein.

Sicherlich gibt es elegante Wege, das CO2-Problem zu umgehen. Energie aus nichtfossilen Brennstoffen, beispielsweise.

Diese allerdings profitieren eindeutig von CO2-Quoten und Besteuerung.

Als Musterbeispiel führe ich die kalifornischen Vorgaben für Nullemmisionsfahrzeuge an, die der Entwicklung der Brennstoffzelle echten Auftrieb gegeben haben.

Es ist ja nicht nur die direkte Kostenkonkurrenz: Auch die Förderung der Bereitschaft zur Freistellung von Forschungsgeldern, seien das nuns öffentliche Fördermittel, sei es Venture Capital, sollte nicht gering geachtet werden.

  

Alexander Virchow

Freitag, den 05. 05. 2000 - 15:27 Click here to edit this post
Dummerweise wird es über so weit zurückliegende zeiträume ziemlich schwierig Ursache und Wirkung auseinanderzuhalten, wenn man die zurunde liegenden Gesetzmäßigkeiten nicht kennt. Statistiken allein sind nämlich nicht geeignet um Aussagen über Kausalitäten zu treffen. Anhand einer Korrlation zwischen CO2-Gehalt und Temperatur kann man schlecht entscheiden, ob dies nun daran liegt, daß der CO2-Gehalt die Temperatur beeinflußt oder umgekehrt. Das eine Szenario wäre so plausibel wie das andere. Möglicherweise sind beide Größen aber auch völlig unabhängig voneinander und hängen von einem bisher unbekannten dritten Faktor ab.

Tja.
Nun.

Wie sagte ich gerade?
Wir kennen die Prozesse nicht wirklich.

Wenn ich aber auf lange Sicht eine enge Korrelation habe, dann sollte mich eine Abweichung über eine handvoll Jahre nicht davon abhalten, das Risiko als beträchtlich zu betrachten.

(Der Vortrag zu Ursache und Wirkung läßt wohl ein 50%-Szenario für die Treibhausvariante zu. Mir reicht das.)

  

MrStupid

Freitag, den 05. 05. 2000 - 15:46 Click here to edit this post
Der Vortrag zu Ursache und Wirkung läßt wohl ein 50%-Szenario für die Treibhausvariante zu


Er läßt sogar eine 100%-Wahrscheinlichkeit zu - und zwar für beide Varianten. Nur bringt uns das keinen Millimeter weiter.

  

Alexander Virchow

Freitag, den 05. 05. 2000 - 15:55 Click here to edit this post
Aber selbstverständlich bringt uns das weiter.

Ich bin ja immer gerne bereit, Risiken einzugehen. Wenn ich dafür etwas erhalte, was ich sonst nicht bekäme.

Gentechnikrisiken gegen längeres und gesünderes Leben - logisch.

Schnelle Beweglichkeit gegen ein paar Verkehrstote - immer.

Wenn ich aber für einen risikoreicheren Produktionsweg entscheiden soll, für etwas, was ich auch so erhalten kann, hier Energie:

No Sir!
Ich spring ja auch nicht den Treppenhausschacht runter, sondern benutze die Stufen.

Auch ein gerauntes 'unten liegen möglicherweise - vielleicht sogar mit 50% - haufenweise weiche Decken' wird mich nicht umzustimmen vermögen.

  

Gudrun

Freitag, den 05. 05. 2000 - 16:10 Click here to edit this post
Ich bin ja immer gerne bereit, Risiken einzugehen. Wenn ich dafür etwas erhalte, was ich sonst nicht bekäme.

Gentechnikrisiken gegen längeres und gesünderes Leben - logisch.

Schnelle Beweglichkeit gegen ein paar Verkehrstote - immer.

Wenn ich aber für einen risikoreicheren Produktionsweg entscheiden soll, für etwas, was ich auch so erhalten kann, hier
Energie:

No Sir!
Ich spring ja auch nicht den Treppenhausschacht runter, sondern benutze die Stufen.


(Diese Beispiele machen in dem Zusammenhang, wie du sie bringst, keinen Sinn.

Du nimmst eine Abwägung von Risiken vs. Vorteilen vor - ja. Aber dein Kriterium ist weniger, ob du etwas bekommst, was du sonst nicht bekommst, sondern ob du etwas für einen Preis bekommst, der es dir wert ist. Sonst müsstest du nämlich sehr wohl springen anstatt die Stufen zu nehmen, weil du so zumindest schneller bist. Aber die Geschwindigkeit ist dir in dem Falle das Verletzungsrisiko nicht wert. Im Falle Strassenverkehr ist es dir das, weil du davon ausgehst, dass es gerade DICH nicht erwischt.

Es ist damit wesentlich mehr eine Frage der persönlichen, subjektiven Präferenzen als eine Frage der Wahrscheinlichkeit des abstrakten Schadenseintritts. Wobei sich die persönlichen Präferenzen zwar nicht an der Wahrscheinlichkeit des abstrakten, wohl aber an der Wahrscheinlichkeit des Eintritts des konkreten Schadens an dir selber ausrichten.

MaW.: die abstrakten Wahrscheinlichkeiten helfen tatsächlich kaum weiter.)

  

Alexander Virchow

Freitag, den 05. 05. 2000 - 16:16 Click here to edit this post
Nun, vielleicht braucht es hier noch ein separates Ethikforum.

Offensichtlich ist es schwer, einen einfachen Gedanken begreiflich zu machen: Bei dem Energiethema habe ich die Wahl zwischen verschiedenen Quellen - das Kostenargument gilt.

Bei Gentechnik bekomme ich (oft) Lösungen, für die es sonst keine Lösungen gibt.

Denn Unterschied kannst Du nicht unter den Tisch wischen.

  

Gudrun

Freitag, den 05. 05. 2000 - 16:26 Click here to edit this post
Das will ich ja auch gar nicht, im Gegenteil.

Bei der Gentechnik hast du nach dem moemntanen Stand der Dinge eine Lösung, die einzig und alleine auf dem Weg erreichbar ist und die einzige Frage, die sich stellt, ist die, ob ich diesen Weg für ethisch oder was auch immer vertretbar halte. Diese Frage ist zwar fundamental und kontrovers diskutiert und beinhaltet natürlich acuh Überlegungen wie die der (noch) unbekannten und (noch) nicht abschätzbaren Nebenwirkungen und Konsequenzen, ist aber als Problemstellung vergleichsweise übersichtlich. Soweit klar.

Aber bei der Energiegewinnung geht es um mehr als abstrakte Prozentangaben. Treibhauseffekt - Klimaerwärumg oder -abkühlung - natürliche Ursache oder nicht - Gefährlichkeit der klimatischen Veränderungen - Auswirkung des menschlichen Handelns in Zukunft bzw. mit Alternativenergiequellen auf das Klima - etc. etc. sind einfach ein paar Variablen mehr, in der subjektive Zielsetzungen eine noch größere Rolle spielen, einfach weil jede Variable eben variabel, d.h. nicht bloss objektives Faktum in der Überlegung und letztendlich auch in der Bilanzierung von Risiken und Vorteilen, ist.