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Curry

Mittwoch, den 05. 04. 2000 - 23:52 Click here to edit this post
Der Mars ist heute tot. Kein Wasser. Kaum Atmosphäre.

Nanomaschinen, die Aminosäuren fressen, als Grund des Untergangs wirken da etwas weit hergeholt.

Wasserspaltende Nanomaschinen wären naheliegender.

  

Huck Finn

Donnerstag, den 06. 04. 2000 - 11:23 Click here to edit this post
Wenn der Nebel über dem vom nächtlichen Regen getränktem Boden sich gelegt hat, wird man auch Phobos auf seinem Weg zur aufgehenden Sonne beobachten können.


Das ist ein physikalischer Fehler.

Phobos kann vor 3,8 Milliarden Jahren den Mars noch nicht umkreist haben. Er befindet sich so nahe am Planeten, daß er sich - umgekehrt wie der Erdmond - diesem im Lauf der Zeit nähert statt sich von ihm entfernt. In ca. 100 Millionen Jahren wird Phobos auf den Mars stürzen.

  

Huck Finn

Donnerstag, den 06. 04. 2000 - 11:33 Click here to edit this post
Wegen der großen Entfernung zu Sonne können es sich die Pflanzen nicht leisten auch nur eine Wellenlänge des kostbaren Lichtes zu verschwenden und nehmen daher anstelle des Chlorophylls einen schwarzen Blattfarbsoff an, was die Albedo verringert und zu einer weiteren Erwärmung führt.


Das ist auch nicht ganz in Ordnung. "Schwarz" hieße, daß ein ganzes Spektrum an Wellenlängen absorbiert würde. Biologisch aktive Moleküle wie Chlorophyll oder die Sehfarbstoffe absorbieren aber bei jeweils einer Frequenz optimal. Mit Entfernung von dieser Frequenz nimmt die Resorption stark ab.

Die Marspflanzen würden - statt eines Chlorophyll - möglicherweise zwei, drei oder vier absorbierende Farbstoffe entwickeln. Das würde aber nicht zu schwarzer Farbe führen, sondern zu der komplementären Mischfarbe.

Am wahrscheinlichsten wäre ein schmutzigbraunes Rot. Das ist der energieärmste Bereich, der am wenigsten wahrscheinlich ausgenutzt wird.

  

Huck Finn

Donnerstag, den 06. 04. 2000 - 11:45 Click here to edit this post
Ein Link zu Phobos und seinem Schicksal.

  

MrStupid

Donnerstag, den 06. 04. 2000 - 16:59 Click here to edit this post
Wasserspaltende Nanomaschinen wären naheliegender.


Die werden nicht gebraucht. Der Mars wäre auch ohne die Nanomaschienen dem Untergang geweiht, weil er zu leicht ist, um eine Atmosphäre zu halten. Mittlerweile hat er fast alle Gase verloren, die leichter als CO2 sind. Das verschwinden des Wassers spielt sich in diesm Zusammenhang folgendermaßen ab: Wasser wird durch Sonnenlicht in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Der Wasserstoff entweicht ins All, während der Sauerstoff mit eisenhaltigen Mineralien reagiert. Was an Wasser noch übrig ist, verschwindet im Permafrost. Nanomaschienen werden für diesen Vorgang nicht beötigt. Die erklären nur, warum eine Zivilisation auf einen Schlag verschwinden kann. Mit dem heutigen Aussehen des Planeten haben sie nichts zu tun.

Phobos kann vor 3,8 Milliarden Jahren den Mars noch nicht umkreist haben.


Richtig, er wurde erst viel später eingefangen. Lassen wir ihn also weg, oder ersetzen ihn durch einen beliebigen anderen Mond.

Die Marspflanzen würden - statt eines Chlorophyll - möglicherweise zwei, drei oder vier absorbierende Farbstoffe entwickeln.


Zum einen kann ein Farbstoff durchaus aus mehreren Komponenten bestehen und zum anderen könnte es sich um ein Polymer handeln, welches mehrere unterschiedliche Chromophore besitzt.

Am wahrscheinlichsten wäre ein schmutzigbraunes Rot.


Wegen der niedrigen Temperaturen sind die Pflanzen darauf angewiesen, das Sonnenlicht auch als Wärmequelle zu nutzen. Absorbieren sie bei zu kurzen Wellenlängen, dann entgeht ihnen ein großer Teil der Infrarotstrahlung. Absobieren sie bei zu langen Wellenlängen, dann strahlen sie nach dem Kirchhoffschen Gesetz zu viel Wäre ab. Irgendwo dazwischen liegt ein Optimum. Für eine Wärmeaustauschkonstenate im Bereich von 50WK-1m-2 habe ich für das IR-Spektrum des Farbstoffes ein oberes Maximum von 4µm berechnet, wenn die Pflanzen den gesmaten darunter liegenden Bereich des Sonnenlichtes in Wärme umwandeln, wobei sie sich um ca. 15K gegenüber ihrer Umgebung aufheizen würden. Wenn wir annehmen, daß sie den Bereich von 400 bis 700nm vollständig in chemische Energie umwandeln, dann würde die Aufheizung ca 6 K betragen.
Wären die Pflanzen rötlich und würden somit auf den langwelligen Anteil des Sonnenlichtes verzichten, dann würden sie sich lediglich um 1,5K erwärmen.

Es ist also durchaus wahrscheinlich, daß die Pflanzen nicht nur den gesamten sichtbaren Bereich des Sonnenlichtes absorbieren, sondern sogar den UV- und den IR-Bereich bis zu einer Wellenlänge von 4µm. Damit würden sie tiefschwarz aussehen.

Es wäre allerdings von Vorteil, wenn sie nachts ihre Farbe ändern, indem sie beispielsweise ihre Blätter zusammenrollen, so daß nur noch deren helle Unterseite nach außen zeigt.

  

Margret

Montag, den 10. 04. 2000 - 18:25 Click here to edit this post
Wärmeaustauschkonstenate

Was ist eine Konstenate?

  

Alexander Virchow

Montag, den 10. 04. 2000 - 18:44 Click here to edit this post
Eine Konstante.
Null problemo detecto.

  

Margret

Samstag, den 15. 04. 2000 - 11:27 Click here to edit this post
Wenn mal einer von euch Romanciers ein Stück Text, dessen Inhalt euch schon klar vor Augen steht, wirklich hier rein stellte, statt all der ewigen Planerei? So eine Schlüsselszene, ohne die nicht auszukommen sein dürfte oder dergleichen, mal mindestens eine Seite DIN-A-4 oder zwei? Bekanntlich steckt beim Schreiben der Teufel im Detail und viele wirkliche Probleme tun sich dann erst auf, wenn man (ziemlich) endgültig zu formulieren versucht. Dann muss man meist auch umplanen.

  

Margret

Sonntag, den 07. 05. 2000 - 23:25 Click here to edit this post
Aha. Die Schlüsselszene. Bemerkenswert.

Was ist ein Flotzmaul?

  

Alexander Virchow

Sonntag, den 07. 05. 2000 - 23:35 Click here to edit this post
Paß für Rinder entwickelt
Einen fälschungssicheren Rinderpaß haben Berliner Forscher entwickelt. Ähnlich wie der Fingerabdruck beim Menschen sei bei Rindern das Muster der Hautrillen und Furchen am sogenannten Flotzmaul zwischen den Nüstern individuell verschieden und unveränderlich, teilte die Berliner Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik (GFAI) gestern mit. Bei dem Verfahren werde die betreffende Hautstruktur eines neugeborenen Kalbes mittels moderner Bildverarbeitung ausgewertet.

Die Daten werden in einem Zentralrechner und auf einem unter der Haut des Tieres angebrachten Chip gespeichert. Sie könnten jederzeit abgerufen und zur Feststellung der Identität und Herkunft des Tieres verglichen werden. Das Verfahren lasse sich auch in BSE-Gebieten nutzen, um Tiere eindeutig zu identifizieren. dpa

  

Margret

Montag, den 08. 05. 2000 - 00:03 Click here to edit this post
Naja, das ist dann nur so ein kurzes Stück Maul... das soll aber bei deinem Außerirdischen doch das ganze Maul sein? Oder dient der Ausdruck nur der Verfremdung?

  

Alexander Virchow

Montag, den 08. 05. 2000 - 00:08 Click here to edit this post
Au weia.

  

Alexander Virchow

Montag, den 08. 05. 2000 - 00:16 Click here to edit this post
Oder auch:

Wenn man einen Science Fiction-Text in dieser Weise mit solchen Leuten liest,wird klar, daß ihre Schwierigkeiten gänzlich in ihrer Unfähigkeit begründet sind, sich eine alternative Welt, die der gesamten Aussage der Erzählung ihren Sinn gibt, vorzustellen.

  

Steven Bollinger

Montag, den 08. 05. 2000 - 07:52 Click here to edit this post
Diese Schluesselszene fand ich sehr gut, ich warte gespannt auf die Fortsetzung.

  

Steven Bollinger

Montag, den 08. 05. 2000 - 07:55 Click here to edit this post
(Aber mein Deutsch, es ist wohlbekannt, ist Scheisse, also was weiss ich?)

  

Margret

Dienstag, den 09. 05. 2000 - 00:18 Click here to edit this post
Alex, was haste eigentlich zu meckern? "Am sog Flotzmaul zwischen den Nüstern". Das ist jedenfalls nicht das ganze Maul, wenn überhaupt Maul. (Du bildst dir bisschen zu viel auf dich ein; aber bleib so, da biste leichter wiederzuerkennen.)

  

Alexander Virchow

Dienstag, den 09. 05. 2000 - 00:28 Click here to edit this post
Das Flotzmaul sitzt bei der Kuh zwischen den Nüstern.

Sämtliche Informationen sind also vollständig in dem Satz Rießlinks Stimme donnerte durch den Saal, sein Flotzmaul bebte. vorhanden.

Dorianer haben offenbar weitauseinanderstehende Nüstern, zwischen denen sich das Flotzmaul befindet. Dieses ist wenigstens passiv beweglich, vermutlich auch bewußter Mimik zugänglich.

Jeder kompetente Leser sieht das ad hoc, es gibt schlicht nichts nachzufragen.

  

Margret

Dienstag, den 09. 05. 2000 - 01:18 Click here to edit this post
Kappes. So wie die Szene da steht (wenn du nicht eine gute Einführung in deine utopische Welt irgendwo vorausschickst) steckt hinter deinem Satz nur pride of knowledge, schlechter Stil (ich weiß es, ich weiß es, mal sehen, wer's nicht weiß und drauf reinfällt). Du schickst den Leser an ein Lexikon, falls der überhaupt darauf kommt, sich unter dem Ding was anderes als ein Maul vorzustellen (was aus deiner Szene für den Unbefangenen nicht hervorgeht), und falls das überhaupt in einem normalen Lexikon steht.

Wo und wie wirst du diese deine utopische Welt in deinem Roman einführen?

  

Alexander Virchow

Dienstag, den 09. 05. 2000 - 08:41 Click here to edit this post
Daß Du im Agrarischen nicht trittsicher bist - that's not my cup of tea.

Einführen? Einführen? Es geht um SF. Da wird nix eingeführt.

Deinem?
Laß dergleichen nicht den Stupid hören.

  

MrStupid

Dienstag, den 09. 05. 2000 - 10:17 Click here to edit this post
Einführen? Einführen? Es geht um SF. Da wird nix eingeführt.


Das will ich wohl meinen. Wo kämen wir denn da hin? Ich bin sogar der Meinung, daß wir ab und zu etwas hineinschreiben sollten, was dem Leser bis zum Schluß unverständlich bleibt. Wir schreiben schließlich über eine fremde Zivilisation. Es wäre unglaubwürdig, wenn man eine solche vollkommen verstehen könnte.

Laß dergleichen nicht den Stupid hören.


Zu spät :o[

  

Alexander Virchow

Dienstag, den 09. 05. 2000 - 10:21 Click here to edit this post
Analog:

Tom Jones warf das Lasso, und zwang den lipizzanerähnlichen Hengst in die Knie.

Wie führen wir bloß das Lasso und das Pferd in die Handlung ein?
Und böte sich nicht eine Erläuterung von 'Gestüt' und 'Triest' an?

*brutal schmunzelnd auf dorianischem Saurodronten aus dem Forum galoppier*

  

Margret

Dienstag, den 09. 05. 2000 - 14:14 Click here to edit this post
Sau-Rodonten? Komische Piggies, die ihr da habt. Dann eben ab im Schweinsgalopp mit dir.

Wir schreiben schließlich über eine fremde Zivilisation. Es wäre unglaubwürdig, wenn man eine solche vollkommen verstehen könnte.

Was heißt denn in diesem Zusammenhang "vollkommen verstehen"? Es geht erstmal nur darum, ob man überhaupt irgendeine Anschauung kriegen kann. Wenn die Leser wirklich NICHTS blickten, würde sich aus der nicht vorhandenen Anschauung auch keine Folie ergeben, auf der ein paar suggestive Elemente bis zum Ende unerklärbar bleiben und als solche wirkungsvoll werden könnten... es würde nur ein flotzmauliges Chaos resultieren. Was meinst du wirklich?

Zwar war sich zB Huxley nicht zu gut dafür, in seinen Eingangskapiteln von Brave New World eine Einführung einzubauen. Mit ironischem Augenzwinkern lässt er eine Studentengruppe aus der utopischen Welt in der genetischen Abteilung dieser Welt rumführen, denen das Wesentliche mitgeteilt wird... der Leser kann sich dann die Rahmenbedingungen vorstellen. Noch raffinierter macht es Orwell bei 1984, wo er die Welt mit Hilfe der Eingangsszene aus dem Leben des Protagonisten einführt (die Szene ist wie ein Fächer angelegt: Orwell fängt mit dem Fall Winston an, weitet den Blickwinkel kurz auf die ganze 1984er Welt aus und engt ihn dann wieder auf den Einzelfall Winston ein). Aber: Das wusstet ihr ja alles längst, erscheint euch sicherlich auch nicht wesentlich oder gar nachahmenswert. :-)))

  

Alexander Virchow

Dienstag, den 09. 05. 2000 - 15:04 Click here to edit this post
Margret,

wir wissen doch, daß Du das SF-Paradigma schlicht nicht verstehst. Du hast uns das im SpOn-SF-Forum doch ausführlich und rauf und runter erklärt.

Also wozu die Belehrungen.

*schulterzuck*

(Übrigens: Saurodonten sind keine Säugetiere. Sonst weiß das natürlich jeder.)

  

MrStupid

Dienstag, den 09. 05. 2000 - 18:11 Click here to edit this post
Magret,

Aber: Das wusstet ihr ja alles längst, erscheint euch sicherlich auch nicht wesentlich oder gar nachahmenswert.


Warum sollten wir jemanden nachäffen und wenn ja wen?

Stanislaw Lem hat in einigen seiner Romanen ganz bewußt Begriffe eingeführt, die nirgens erläutert wurden und dem Leser bis zum Schluß ein Rätsel blieben. Nachdem es seinen Lesern keine Ruhe gelassen hat, was es mit den Sepulken auf sich hat, fügte er dem Nachfolgeroman ein Wörterbuch bei, welches allerdings auch nicht besonders aufschlußreich ist (Kurdeln: siehe Kurkurdeln; Kurkurdeln: Sonderform der Kurdeln).
Auch "Picknick am Wegesrand" von den Strugatzkis strotzt von unerklärten Begriffen, ohne daß der Roman an Wirkung einbüßt.

Auch dem Einwand, eine Fülle von Fachbegriffen würde schlechten Stil verraten, weil der Leser ans Lexikon getrieben wird, kann ich nicht ganz folgen. Wer beispielsweise "Das Focaultsche Pendel" liest ohne gleichzeitig einen ganzen Stapel an Lexika zu konsumieren wird nur die Hälfte verstehen. Dennoch wir niemand auf die Idee kommen Umberto Eco schlechten Stil vorzuwerfen.

Davon ganz abgesehen ist es für die Handlung vollkommen unerheblich, ob der Leser sich etwas unter einem Flotzmaul vostellen kann oder nicht. Selbst wenn in der Szene von einem "Sprotznog" die Rede wäre, würde sich dem Leser ihre volle Bedeutung erschließen.

  

Lucretia Borgia

Mittwoch, den 10. 05. 2000 - 10:29 Click here to edit this post
http://www.spiegel.de/wissenschaft/0,1518,75829,00.html