Hauptdiskussion

High Debate: Internet: ICANN: Hauptdiskussion
Bei der Wahl des Direktoriums der ICANN sollen 25% durch WEB-user in einer internationalen Wahl bestimmt werden. Inwiefern könnte es sinnvoll sein, sich an dieser Wahl zu beteiligen?

Wo liegt der tatsächliche Einfluß dieser Organisation und ihre zukünftige Bedeutung?

Wie legitim arbeitet sie?

Dieser link zur Einführung.

Hier wurden die ICANN-Wahlen bereits thematisiert.

Wählen gehen kann man hier.

Annette Schneider, 24. Mai 2000
  

Annette Schneider

Mittwoch, den 24. 05. 2000 - 00:49 Click here to edit this post
EU fordert eigene Domain

Kommission besorgt über US-Dominanz im Web - ICANN soll Kürzel ".eu" freigeben

Von Till Weber

Die EU-Komission ist besorgt über die Dominanz der USA im Internet. Industrie-Kommissar Erkki Liikanen warnt schon jetzt vor einer wachsenden Abhängigkeit Europas von der Internet-Supermacht USA.

Statistiken untermauern Liikanens Sorgen: 94 der 100 meistbesuchten Web-Standorte sind in den USA beheimatet. Im elektronischen Geschäftsverkehr ist der amerikanische Anteil an den bevorzugten Web-Adressen noch höher. Die Konsequenz: Ein erheblicher Teil des innereuropäischen Internet-Verkehrs wird über den Atlantik abgewickelt, moniert Liikanen.

Dem will die EU jetzt gegensteuern. Um die amerikanische Dominanz im WWW zu brechen, plant die Europäische Kommission unter der Führung von Liikanen die Einführung der Top-Level-Domain ".eu". Das Kürzel könnte das Internet in Europa erheblich übersichtlicher gestalten - und die Nutzung des Netzes billiger machen.

Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen erhielten prägnante Adressen, die bei anderen Domains längst besetzt sind. Langsam nämlich wird es eng im globalen Dorf: In der überwiegend von Amerikanern geprägten Dot-com-Domain sind mittlerweile zehn Millionen Adressen registriert. Und die Kapazitäten werden knapp. So können Eigentümer begehrter Adressen wie "business.com" oder "computer.com" fast jeden Preis verlangen, wenn sie ihre Adressen verkaufen. "Business.com" brachte seinem Besitzer 7,5 Millionen Dollar, "Autos.com" immerhin noch 2,2 Millionen. Auch hier zu Lande steigt die Zahl der registrierten Domains rapide an. 2,2 Millionen Websites mit dem Kürzel ".de" existieren - nach gerade einmal 1000 im Jahre 1994.

Ein weiterer Grund für eine EU-Domain: Viele europäische Unternehmen mit .com-Adressen werden irrtümlich für US-Unternehmen gehalten. Diese Undurchsichtigkeit, glauben die Brüsseler Experten, könnte eine europäische Top-Level-Domain beseitigen.

Ebenso erweisen sich bislang die nationalen Länderkürzel als Hindernis. Allein 15 davon gibt es heute in der EU, bald schon können es 25 oder 28 sein. Das macht E-Shopping oder E-Commerce in Europa nicht gerade übersichtlich. Und wer verbindet auf den ersten Blick das Kürzel ".at" mit Österreich?

Ein solches Wirrwarr wäre mit der .eu-Domain obsolet, glaubt man zumindest in der Kommission. Und dort geht man noch einen Schritt weiter. Denkbar wäre auch, die europäische Domain als Qualitätssiegel zu nutzen: Wer in seiner Internet-Adresse das Kürzel .eu führen möchte, müsste sich dem Rechtsrahmen der Union anpassen. Wer dagegen verstößt, verliert seine Adresse. So wüssten alle, woran sie sind - Dot-eu als Adresse und Gütezeichen zugleich.

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Annette Schneider

Mittwoch, den 24. 05. 2000 - 00:50 Click here to edit this post
Erster Entscheid gegen Missbrauch von Web-Adressen

Wegweisender Schiedsspruch der Organisation für geistiges Eigentum
jpk. Genf, 18. Januar

Das Schiedsgericht der Weltorganisation für geistiges Eigentum (Wipo) in Genf hat erstmals den missbräuchlichen Erwerb einer Web-Adresse verurteilt und die sofortige Übergabe der Adresse an den legitimen Besitzer verfügt. Das Schiedsgericht der Uno ist der Überzeugung, dass der Besitzer der Web-Adresse www.worldwrestlingfederation.com diese lediglich hat registrieren lassen, um sie später gewinnbringend an die World Wrestling Federation verkaufen zu können.

Bei dem Entscheid der Wipo handelt es sich um den ersten Entscheid des Schiedsgerichtes überhaupt. Der Mitarbeiter der Wipo-Schieds- und Schlichtungsstelle, Erik Wilbers, hofft deshalb, dass der inäusserst kurzer Zeit gefasste Entscheid - das Schiedsgericht besteht erst seit Anfang Dezember 1999 -Signalwirkung haben und potentielle Missbräuche von Web-Adressen verhindern helfen wird. DieSchiedsstelle hatte ihre Arbeit gegen Ende des vergangenen Jahres aufnehmen können, nachdem die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (Icann) deren Schaffung im Juli des gleichen Jahres vereinbart hatte.

Mit dem Wipo-Schiedsgericht, bei dem Einzelpersonen, Firmen, Vereine und Organisationen gegen die missbräuchliche Belegung internationaler Web-Adressen, auch "cybersquatting" genannt, klagen können, soll gegen die in den vergangenen Jahren grassierende Registrierung von Web-Adressen vorgegangen werden können, ohne langwierige gerichtliche Verfahren in Kauf nehmen zu müssen.

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Informationen zur Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO):

http://www.wipo.org/

  

Hans Guenter

Mittwoch, den 24. 05. 2000 - 11:35 Click here to edit this post
Weltorganisation für geistiges Eigentum

Originelle Idee. Was in der Realwirtschaft unter Markennamen laeuft und dementsprechenden Gesetzen unterworfen ist, soll nun im Netz ganz anders sein?

Schwachsinn, sowas. Aber das ist ja nicht die einzige Kuriositaet im World Wide Web. Hier einige Infos zu DNS Vergabe und aehnlichem:

Die neuen Top-Level-Domains

Die geheime Top-Level-Domain

Die Konferenz der "Internet Corporation for Assigned Names and Numbers" (ICANN) in Kairo ist ergebnislos geblieben.

uvalu: Rohstoff Top-Level-Domain

Allein diese Links zeigen, wie komplex das Thema ist. Was nun diese eigenartige Internetwahl angeht, das halte ich fuer eine gezielte Werbekampagne der ICANN um fuer die eigene Organisation Werbung zu machen. Die ICANN ist nun wirklich nicht die einzige Orgasnisation die beim grossen DNS Geschaeft mitmischt.

Insgesamt kann man sagen, ist das Thema so umfangreich, dass es schon eines gewissen Expertenwissens bedarf, um da ueberhaupt kompetent mitreden zu koennen. Und wer hat das schon?

  

Annette Schneider

Mittwoch, den 24. 05. 2000 - 14:34 Click here to edit this post
Weltorganisation für geistiges Eigentum
Originelle Idee. Was in der Realwirtschaft unter Markennamen laeuft und dementsprechenden Gesetzen unterworfen ist, soll nun im Netz ganz anders sein?
Die WIPO ist die UN-Organisation, die den internationalen Patentkooperationsvertrag überwacht (Quelle). Leider kenne ich mich nicht aus, wie internationales Patentrecht genau funktioniert, aber irgendjemand muß ja auch hier für die Vergabe und für internationale Streitfälle zuständig sein. (Innerhalb Europas erfolgt die Patentbeantragung direkt beim Europäischen Patentamt.)

Die schlichte Belegung von Web-Adressen zu Verkaufszwecken ist eine Sache, die irgendwann irgendwie geregelt werden mußte, denke ich.

Schon bemerkenswert finde ich, daß diese neu eingerichtete WIPO-Schiedsstelle auf Beschluß der amerikanisch dominierten ICANN bei einer UN-Organisation angesiedelt ist.

Und daß grundsätzlich offenbar jeder (vermutlich jeder, der im Zuständigkeitsbereich des entsprechenden internationalen Abkommens zum geistigen Eigentum wohnt?) sich dort hinwenden kann.

Allein diese Links zeigen, wie komplex das Thema ist.
Hmja. Lesenswerte links!

Was nun diese eigenartige Internetwahl angeht, das halte ich fuer eine gezielte Werbekampagne der ICANN um fuer die eigene Organisation Werbung zu machen.
Verbraucherschützer in den USA meinen, daß es auch um Kompetenzausweitung der ICANN geht:

Wesentlicher als alle Zeit- und Verfahrensfragen aber schätzt der CDT die Tatsache ein, dass ICANNs Aufgabe bislang nur vage definiert und der potenziellen Wählerschaft nicht vermittelbar sei. 'ICANN sollte verbindlich definieren, dass seine Entscheidungskompetenzen sich lediglich aufs technische Management beschränken', heißt es in der Studie. ICANN-Kritiker Jamie Love von der US-amerikanischen Verbraucherschutzorganisation Consumer Project on Technology befürchtet etwa, eine mit der Legitimation einer Wahl ausgestattete ICANN könne allmählich ihre Kompetenzen bis hin zu Fragen der Content-Bewertung erweitern.

Die Führung der ICANN wird nicht müde, solche Vorwürfe zurückzuweisen: 'Es geht hier nicht um eine Diskussion von 'global governance', sondern nur um das Funktionieren des Internet', meint Vint Cerf. Auch die Überlegungen hinsichtlich geografischer Repräsentativität wies Cerf zurück, die bisherigen Zahlen seien schon repräsentativ, nicht für die Weltbevölkerung, aber für die Nutzer des Internet.


Die ICANN ist nun wirklich nicht die einzige Orgasnisation die beim grossen DNS Geschaeft mitmischt.
Da scheint sich ja vor allem auch immer wieder mal was zu ändern. Eine Übersicht zu haben, wer dabei was macht, wäre schon schön.

Insgesamt kann man sagen, ist das Thema so umfangreich, dass es schon eines gewissen Expertenwissens bedarf, um da ueberhaupt kompetent mitreden zu koennen. Und wer hat das schon?
Das gilt aber fast ähnlich z.B. für die EU-Wahlen. Auch da geht es ja letztendlich auch um eine bessere Legitimation des Parlaments und dessen Eigeninteressen an den Wahlen sind ganz deutlich. Das Expertenwissen, um das beurteilen zu können, hat auch kaum jemand.

Für mich ist ein Argument, mich an dieser Wahl zu beteiligen, daß europäische Interessen dort sicher mehr Gewicht gewinnen dürfen.

Auch könnte die Nutzung des Internet für internationale Abstimmungen durchaus zukunftsweisend sein, vielleicht auch auf anderen Gebieten?

Um sich zumindest ein bißchen zu informieren, ist ja auch noch etwas Zeit.

  

Annette Schneider

Samstag, den 27. 05. 2000 - 13:12 Click here to edit this post
Spiegel Online rührt ja nun offensichtlich ziemlich die Werbetrommeln für die ICANN-Wahlen.

Allerdings sind vor allem in Europa die Wahlen zum ICANN-Direktorium, die vollständig online durchgeführt werden sollen, bis vor kurzem nicht auf größere Gegenliebe gestoßen - vor allem, da die ICANN selbst sich wenig Mühe gibt, außerhalb der USA für die Wahlen zu trommeln. In den letzten Wochen ändert sich diese Haltung besonders unter den europäischen Surfern allerdings langsam: Bis Mitte Mai haben sich weltweit immerhin 16.919 Menschen registrieren lassen. Rund 61 Prozent der europäischen Mitglieder sind Deutsche. Echte Hoffnungen können sich daher im Moment neben Amerikanern nur deutsche Kandidaten machen. 6915 Icann-Mitglieder kommen aus den USA, 6775 aus der Wahlregion Europa, davon 4107 aus Deutschland. Dass Deutschland überproportional vertreten ist, ist nicht zuletzt auf zwei Öffentlichkeitskampagnen zurückzuführen: Die Bertelsmann-Stiftung hat die Initiative "Democratic Internet" ins Leben gerufen und verschiedene Internetmedien haben sich auf Anstoß von SPIEGEL ONLINE zur Initiative "I can! - eLection 2000" zusammengeschlossen.

Informationen dazu, allerdings immer wieder ähnlich:

Spiegel

ZDF Online

Der Standard

  

Annette Schneider

Samstag, den 27. 05. 2000 - 13:14 Click here to edit this post
Insgesamt scheint mir das ein bißchen viel "Internetregierung ist klasse"-Einheits-Werberummel. (Ob die dafür Geld kriegen?)

Immerhin wird die Frage der Kandidatenaufstellung ein bißchen kontrovers diskutiert.

Hier stellt sich wieder die Icann-Gretchenfrage: Was ist Icann? Wenn Icann nur Technik koordiniert, dann ist es wichtig und richtig, dass ein Kandidat für ihr Direktorium einen technischen Background hat. Wenn aber Icann wirklich die "Uno des Informationszeitalters" ist, dann darf technisches Wissen nicht das entscheidende Charaktermerkmal eines zukünftigen Direktors sein, der die Interessen der Nutzer des globalen Megamediums repräsentiert. Wer Vergaberegeln für Domainnamen entwickelt, darüber entscheidet, wie viele neue Top-Level-Domains (etwa .web, .firm oder .eu) es geben wird, trifft Entscheidungen mit politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen.

Etwas komplexer und auch unter politischer Perspektive wird das Thema bei Politik Digital behandelt.

Aber müßte das Thema nicht eigentlich viel höher auf der politischen Tagesordnung stehen? Zur Kontroverse in den USA:

Wer den "root server" kontrolliert, kann darüber entscheiden, mit welchen Servern alle Internet-User weltweit verbunden werden, wenn sie eine beliebige Adresse der .com-,.net- oder .org-Domains im Internet anwählen. Diese Kontrolle fällt nun ICANN zu. Damit ist es dieser quasi anonymen Organisation (technisch) möglich, über Leben und Tod im globalen Netz zu entscheiden. Denn (anwesend) sein oder nicht sein in dieser Kette untereinander verbundener Server ist eine Überlebensfrage im Cyberspace. Wessen Domainname oder Homepage auf dem "root server" oder seinen "Spiegeln" nicht zu finden ist, existiert nicht.

Die mit dieser zentralen Stellung von ICANN verbundenen politischen Fragen gehen also weit über ICANNs engen technischen Auftrag hinaus. Einige Beispiele können diese Problematik illustrieren:

-- Eine amerikanische Webseite gegen Abtreibungen führte eine Namensliste von Ärzten, die Abtreibungen durchführ(t)en, und hakte die Namen ab, wenn diese Ärzte ermordet worden waren. Eine andere Seite veröffentlichte die Namen angeblicher britischer Geheimagenten und gefährdete so deren Leben und, potenziell, auch die nationale britische Sicherheit. ICANN hat nun die Macht, solche Webseiten "auszuschalten".
Sollte sie das tun? Und wer sollte über ein solches Vorgehen entscheiden? Wie sollte ICANN Anonymität im Internet (ein wichtiges Element politischer Freiheit) und das Recht zu wissen, wer sich hinter einem Domain-Namen verbirgt, gegeneinander abwägen?

-- Eine Webseite mit dem Namen MartinLutherKing.org hat sich darauf spezialisiert, den ehemaligen Bürgerrechtler systematisch niederzumachen. Was sollte hier nun zählen? Das Recht auf freie Meinungsäußerung, oder stellt der Fall eine Verletzung der Urheberrechte und vor allem des Andenkens an Martin Luther King dar?

-- Hätte ICANN im Fall des unabhängigen Belgrader Radiosenders B92 eingreifen sollen, dessen Online-Identität - b92.net - von Slobodan Milosevic übernommen wurde, ohne daß der Sender sich dagegen zur Wehr setzen konnte?

In vielen Fällen haben sowohl Handeln als auch Nicht-Handeln gleichermaßen Konsequenzen. ICANN muß entscheiden, was unter ihre Kompetenzen fällt. So bizarr es für ein dezentralisiertes globales Netzwerk, das überall und nirgends existiert, wirken mag: Der "root server" und die zahlreichen Domain-Server, die damit verbunden sind, bilden das Herz des Internets.

Für jeden, der an der Kontrolle über die Regeln interessiert ist, nach denen die Aktivitäten im Netz stattfinden, muß die Existenz eines einzelnen zentralen Kontrollpunktes verlockend finden, um seine eigenen Vorstellungen durchzusetzen. Tatsächlich zeigen sowohl kommerzielle Akteure, die den hohen ökonomischen Reiz des Internets entdecken, als auch viele Regierungen ein starkes Interesse. Nach einem Bericht der New York Times sind es bisher v.a. die Interessen ersterer gewesen, die die Entscheidungen von ICANN geprägt haben.

"Watchdog groups" fordern, daß das Direktorium ("international board of directors") öffentlich gewählt werden und dessen Sitzungen und Arbeit der Öffentlichkeit zugänglich sein sollten. Einige Mitglieder von ICANN stimmen diesem Ruf nach Repräsentation und direkter Verantwortung durchaus zu, während ihm andere ablehnend gegenüber stehen.

  

Alexander Virchow

Samstag, den 27. 05. 2000 - 17:10 Click here to edit this post
(Zu diesem Thema fällt mir wirklich nicht viel ein. Nur soviel: Wenn die Kandidaten von einem selbsternannten Gremium vorgefiltert werden, dann ist das so demokratisch wie Kuba oder der Iran.)

(Sowas ignoriert oder bekämpft man. Aber da macht man nicht mit.)

  

Annette Schneider

Montag, den 29. 05. 2000 - 09:49 Click here to edit this post
Was wäre denn die Alternative?

Hätte man die Alternative, sagen wir, 25% des UNESCO-Direktoriums zu wählen, wie sollte man das aufziehen?

Wäre es sinnvoll, sich an einer solchen Wahl zu beteiligen, weil es sich ja nur um 25% handelt?

Und wie, nochmal zu HGs Einwand, wäre es mit dem Wissen hierzu bestellt?

  

Hans Guenter

Montag, den 29. 05. 2000 - 10:39 Click here to edit this post
Klaeren sich denn die offenen Fragen durch welche auch immer geartete Wahl?

Vor allem, was soll der ganze Kontrolletiescheiss? Das Internet hat bisher ohne irgend welche Zwangskontollen recht gut funktioniert.

Damit ist es dieser quasi anonymen Organisation (technisch) möglich, über Leben und Tod im globalen Netz zu entscheiden. Denn (anwesend) sein oder nicht sein in dieser Kette untereinander verbundener Server ist eine Überlebensfrage im Cyberspace. Wessen Domainname oder Homepage auf dem "root server" oder seinen "Spiegeln" nicht zu finden ist, existiert nicht.

Das ist Unsinn. Man kann einen Server auch mit dem Netz verbinden, wenn er keinen Eintrag im root server hat. Der root server macht ja nix anderes, als einer IP einen Namen zuzuordnen. So wird z.B. 206.54.189.41 als CHUCK.RAVENSCLAW.COM interpretiert und umgekehrt. Soll heissen, man kann sowohl die IP als auch den Namen eingeben, beides mal landet man auf dem selben Server.

Wird kein Name bei einer der Organisationen, welche diese verwalten, angemeldet, hat der Server eben nur eine IP. Erreichbar ist er genauso.

-- Hätte ICANN im Fall des unabhängigen Belgrader Radiosenders B92 eingreifen sollen, dessen Online-Identität - b92.net - von Slobodan Milosevic übernommen wurde, ohne daß der Sender sich dagegen zur Wehr setzen konnte?

Wie denn? b92.net auf dem root server umleiten und eine Message anzeigen "Diese DNS wurde aus politischen Gruenden von der NATO gekaper!"

Es waerer besserm die wuerden sich weiterhin mit der Verwaltung der DNS Daten beschaeftigen und die Politik aussen vorlassen. Insgesamt ist das alles ziemlich wischi waschi, was da so rueberkommt ueber dieses Thema.

  

Annette Schneider

Dienstag, den 30. 05. 2000 - 15:38 Click here to edit this post
Klaeren sich denn die offenen Fragen durch welche auch immer geartete Wahl?
Mir stellt sich ganz grundsätzlich die Frage, ob man, wenn internationale Organisationen zunehmend an Gewicht gewinnen, die Frage der politischen Verantwortlichkeit auf Dauer außen vorlassen darf.

Sinn machen würde so eine Beteiligung aber wohl nur, wenn man Entscheidungskriterien hat, sich für einen bestimmten Kandidaten/eine Kandidatin zu entscheiden. Wäre also zu fragen, wo die hier gesehen werden könnten.

Vor allem, was soll der ganze Kontrolletiescheiss? Das Internet hat bisher ohne irgend welche Zwangskontollen recht gut funktioniert.
Mal zur Diskussion gestellt die Gegenthese: Das Internet dürfte erheblich hierarchischer strukturiert sein und zukünftig werden, als landläufig gedacht. (Das Internet als primär kommerzieller Weltkonzern mit ICANN an der Spitze - wie weit ist dies von der Realität entfernt?)

Wessen Domainname oder Homepage auf dem "root server" oder seinen "Spiegeln" nicht zu finden ist, existiert nicht.

Das ist Unsinn. Man kann einen Server auch mit dem Netz verbinden, wenn er keinen Eintrag im root server hat. ... Soll heissen, man kann sowohl die IP als auch den Namen eingeben, beides mal landet man auf dem selben Server.
Dazu habe ich mal etwas im WEB gesucht und eine, wie ich finde, ganz gut verständliche Seite zu der Frage zu Tage gefördert, wem welche Kompetenzen bei der Vergabe von IPs und Domainnamen zufallen. Auch die Vergabe von IP-Adressen wird danach von der ICANN überwacht.

Wird kein Name bei einer der Organisationen, welche diese verwalten, angemeldet, hat der Server eben nur eine IP. Erreichbar ist er genauso.
Dennoch können bei Aberkennung des domain-Namen sämtliche links auf diese Seite ins Leere laufen. Scheint mir schon bedeutsam zu sein.

-- Hätte ICANN im Fall des unabhängigen Belgrader Radiosenders B92 eingreifen sollen, dessen Online-Identität - b92.net - von Slobodan Milosevic übernommen wurde, ohne daß der Sender sich dagegen zur Wehr setzen konnte?

Wie denn? b92.net auf dem root server umleiten und eine Message anzeigen "Diese DNS wurde aus politischen Gruenden von der NATO gekaper!"
Könnte so ein B92-Szenario nicht realistisch sein?

Es waerer besserm die wuerden sich weiterhin mit der Verwaltung der DNS Daten beschaeftigen und die Politik aussen vorlassen.
Aber was, wenn das US-Handelsministerium an der Kontrolle dieser Organisation offensichtlich deutliches Interesse zeigt? Könnten sich dort nicht ziemlich zukunftsrelevante Entwicklungen abspielen - z.B. in bezug auf die Top level domain "eu" - die von der europäischen Politik ziemlich verschlafen werden?

Macht ein stärkeres europäisches Engagement nicht Sinn? Und wenn europäische Regierungen hier noch nicht so engagiert sind, inwieweit könnte dabei "Druck von unten" nützlich sein?

  

Everyone

Dienstag, den 30. 05. 2000 - 23:36 Click here to edit this post

Zitat:

Mal zur Diskussion gestellt die Gegenthese: Das Internet dürfte erheblich hierarchischer strukturiert sein und zukünftig werden, als landläufig gedacht. (Das Internet als primär kommerzieller Weltkonzern mit ICANN an der Spitze - wie weit ist dies von der Realität entfernt?)



Ich denke generell, jenseits aller Euphorie/Hysterie, das die weitere Entwicklung des "Internets" noch viele Möglichkeiten offenläßt: z.B. wie entwickeln sich die technischen Spezifikationen der Rückkanale?

Ein paar Jahre nicht aufgepaßt, und wir haben zwar flächendeckend Standleitungen im Megabit-Bereich, die Kabel glühen dank des Downloads (konventioneller) Filme/Multimedia-Angebote, aber die Rückkanäle laufen auf Sparflamme und wir sind unverhofft wieder im Fernsehzeitalter (mit Alibi-Rückkanälen für Abrechnung und Marktforschung.)

  

Annette Schneider

Donnerstag, den 01. 06. 2000 - 19:32 Click here to edit this post
Ich denke generell, jenseits aller Euphorie/Hysterie, das die weitere Entwicklung des "Internets" noch viele Möglichkeiten offenläßt
Wie breit die Möglichkeiten sind, wie politisch die Sache ist und welches Interesse von Wirtschaftsseite besteht, dafür liefert der folgende Bericht Hinweise. Die meine These in der Tendenz unterstützen, wie ich finde.

Politik Digital: Eine Regierung für das Internet

  

christian kaess

Samstag, den 17. 06. 2000 - 05:57 Click here to edit this post

Quote:

Ein paar Jahre nicht aufgepaßt, und wir haben zwar flächendeckend Standleitungen im Megabit-Bereich, die Kabel glühen dank des Downloads (konventioneller) Filme/Multimedia-Angebote, aber die Rückkanäle laufen auf Sparflamme und wir sind unverhofft wieder im Fernsehzeitalter (mit Alibi-Rückkanälen für Abrechnung und Marktforschung.)




Hm, ich weiss nicht. Der run auf's WWW ist zwar im Moment sehr gross, aber irgendwann ist die Sache ausgereizt.

Mir geht es schon so, dass ich schon gar nicht mehr weiss, was ich mit der Kiste anstellen soll - die Zeitung vom naechsten Tag lesen ist ja ganz toll, aber.... Foren, wunderbar, aber ueberall sitzen die gleichen Leute, streiten ueber die gleichen Themen und beschimpfen sich auf die gleiche Weise. Informationen - es gibt so viele Informationen im WWW, kein Mensch kann mit so viel Input was anfangen.


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