| | Sonntag, den 30. 04. 2000 - 23:58 Zur dringenden & gefälligen Kenntnisnahme: Unsterblichkeit, wieder einmal. G E N T E C H N I K Geklonte Zellen erhöhen Lebenserwartung Das ewige Leben rückt in greifbare Nähe: Einer Studie zufolge könnten Tiere, die aus den Zellen von Föten geklont werden, bis zu 50 Prozent länger leben als normale Tiere. Die Forschungsergebnisse sollen auch für die Behandlung menschlicher Erkrankungen von Bedeutung sein. Washington - Die Studie wird von einem internationalen Forscherteam aus den USA und Kanada in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Science" vom Freitag vorgestellt. Ein begleitender Artikel weist darauf hin, dass andere, bisher noch nicht veröffentlichte Studien mit Rindern und Mäusen denselben Schluss zulassen. © DPA Dolly Die Wissenschaftler sehen "die reelle Chance, dass geklonte Tiere 50 Prozent länger leben könnten als ihre normalen Gegenüber - bis zum Alter von 180 bis 200 Jahren im Fall von Menschen", heißt es in dem Begleitartikel von "Science". Viel versprechend ist dieses Ergebnis vor allem für das Vorhaben, aus geklonten Zellen einmal Ersatzgewebe für Menschen mit schweren Leiden wie Leberversagen oder der Parkinsonschen Krankheit herstellen zu können. Dabei hatte die Hoffnung auf frisches Klongewebe nach der Geburt des ersten geklonten Schafes Dolly einen empfindlichen Dämpfer erfahren. Denn wie sich herausstellte, wiesen Dollys Zellen bereits zum Zeitpunkt der Geburt eindeutige Alterungsmerkmale auf. Die Enden der Chromosomen in Dollys Zellen, Telomere genannt, sind kürzer als normal - ein deutliches Zeichen für fortgeschrittenes Alter. Das Team um Robert Lanza von dem Unternehmen Advanced Cell Technology (ACT) im US-Staat Massachusetts stellte jedoch in "Science" vor, dass es auch anders geht. Das Lanza-Team klonte seine Versuchskälber aus Zellen von Föten. Die dadurch entstandenen Tiere haben wesentlich längere Telomere als normale Kälber und zeigen noch andere Zeichen von Jugend. So teilen sich ihre Zellen im Durchschnitt 93 Mal im Vergleich zu den Zellen von ungeklonten Tieren, die sich nur 61 Mal teilen. Und so lief der Versuch ab: Lanza und Kollegen aus Philadelphia und Vancouver nahmen Zellen von Kalbsföten und erlaubten ihnen, sich mehrere Monate lang zu teilen. Am Ende zeigten die Zellen normale Zeichen von Altern, wurden größer, sammelten zellulären Abfall an und hatten kürzere Telomere. Die Kerne dieser alternden Zellen übertrugen die Forscher in entkernte Eizellen und ließen sechs so entstandene Embryos austragen. Die Tiere zeigten, wie seit Dolly zu erwarten, bei ihrer Geburt typische Zeichen von fortgeschrittenem Alter, Bluthochdruck und Atemprobleme. Nach zwei Monaten aber revidierte sich der Prozess und die sechs Klon-Kälber wirkten gesund und normal. Fünf bis zehn Monate nach der Geburt ergab eine Untersuchung ihrer Blutzellen, dass die Telomere inzwischen länger waren als die von Kälbern gleichen Alters und sogar länger als die von normalen, nicht geklonten Kälbern unmittelbar nach Geburt. Ein anderer Versuch bestätigte das Ergebnis. Ein Kollege von Lanza, der Telomer-Experte Jerry Shay von der Universität von Texas in Dallas, kann sich das überraschende Resultat nur so erklären: die vergleichsweise kurzen Telomere am Anfang ihrer Entwicklung könnten die Embryos zur "Überkompensation", das heißt, zum Wachstum besonders langer Telomere anregen.
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| | Montag, den 01. 05. 2000 - 00:10 Besonsders interessant scheint mir, daß der aktive Prozeß der Telemorverlängerung in jeder Zelle des ausdifferenzierten, bereits ziemlich alten Organismus stattfindet. Dies ist sonst Geschlechts- und Tumorzellen vorbehalten. Es scheint sich offenbar um einen ziemlich einfach zu betätigenden Schalter zu handeln. Da dieser Mechanismus der Telomerverlängerung offenkundig auch direkt verjüngend (und nicht nur langsamer alternd) zu wirken scheint, scheint sich ein potentielles Verjüngungmittel in greifbarer Nähe zu befinden.
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| | Montag, den 01. 05. 2000 - 00:13
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| | Montag, den 01. 05. 2000 - 10:29 Wurde bei Schaf Dolly nicht aus einer Körperzelle eines erwachsenen Schafes geklont ? Liegt da der Unterschied zu der oben genannten Klonmethode ?
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| | Montag, den 01. 05. 2000 - 11:00 Der Unterschied liegt im Wesentlichen in der künstlichen 'Voralterung' des Ausgangsmaterials, welches eigentlich gerne 'embryonal potent' sein möchte (das sagt das chemische Klima in der Zelle), durch die (unspezifizierenden) Zellteilungen aber telomer-verkürzt wird. Dergleichen Aufwand hat man bei Dolly & Co. nicht getrieben. Da war man froh, daß man aus wenig spezifizierten Euterzellen irgendwas überlebensfähiges Zusammengeschustert hat. Hier also wird das Bestreben der Zelle nach jugendlicher Potenz gekonnt verarscht, voilà!, die Zelle schlägt zurück, das Telomer wird (übertrieben) verlängert. Es gibt also den Schalter, und jetzt darf weiter gesucht werden. ;-) (Danach gibt es noch genug Probleme, an die ich heute gar nicht denken mag.)
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| | Montag, den 01. 05. 2000 - 12:19 6/99: Advanced Cell Technology Director Robert Lanza klont Menschen. 28.04.00: Ähnlicher Text wie im Spiegel-Link, aber mit mehr Details. März/April/Mai 00: Das Aphrodite-Projekt: Schwerpunktthema bei Welt-online. Der Original-Artikel könnte hier für $5 downgeloaded werden. Falls das jemand tut: Kopie erbeten. ;-)
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| | Dienstag, den 02. 05. 2000 - 11:43 Um noch einmal SoHos Frage dezidiert zu beantworten, folgendes Zitat aus dem Welt-Artikel: Das ist umso erstaunlicher, als zur Schaffung der Kuhklone "alte" Zellen benutzt wurden, die sich nur noch null bis vier Mal teilen konnten. Insgesamt hatten die Forscher 1896 Rindereizellen geklont. Nach einer Woche gewannen die Wissenschaftler daraus 87 Embryonen. Von den 32 Muttertieren, denen diese Keime eingesetzt wurden, waren nach 40 Tagen 17 schwanger. Am Ende wurden dann die besagten sechs Kälber geboren.
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| | Sonntag, den 28. 05. 2000 - 12:33 Noch einmal zu dieser Angelegenheit: Die FAZ (S.N1, 03.05.00) berichtete auch über diese Angelegenheit. Dabei wird Lanza mit den Worten paraphrasiert: Sie (die Zellen der mittlerweise ein Jahr alten Kälber, AV) lassen sich mit denen von neugeborenen Kälbern vergleichen. Ihre Telomere sind deutlich länger als diejenigen gleich alter, normal gezeugter Rinder, und ihr Erbmaterial wird bis zu fünf Mal so intensiv gelesen. Ich verstehe den letzten Teilsatz nicht. Was bedeutet 'bis zu fünf Mal so intensiv gelesen'?
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| | Sonntag, den 28. 05. 2000 - 16:37 Bis zu fünfmal so intensiv gelesen? Seltsam. Ich würde es so interpretieren, dass sie bis zu fünfmal so viele Messenger-RNA herstellen als normal. Und wenn sie die nicht auch fünfmal so schnell wieder abbauen, hätten sie demnach auch deutlich mehr davon, was zu einem beschleunigten Stoffwechsel führen könnte. Weil sie dann mehr Matritzen zur Protein-Synthese hätten. Das ist ohen Kenntnis des Original-Papers aber bloß Spekulation. Ich werde morgen mal in die Bibliothek gehen und mir das Ding anschauen.
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| | Montag, den 29. 05. 2000 - 15:21 Also: Das mit dem bis zu fünfmal bezieht sich auf das Gen epc-1 (early population doubling level cDNA-1), welches typischerweise in jungen Zellen gefunden wird. Man vermutet, dass es bei Zellteilung und Zellwachstum eine Rolle spielt. Man interpretiert das so, dass diese Zellen also potentiell ünger sind als Vergleichszellen. Ich werde den Artikel heute abend einscannen und dir mailen. (Ist aber harter Stoff :-)
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| | Samstag, den 06. 01. 2001 - 19:54 Nix mit Telomeren, dafür aber Lebensverlängerung: Kommt die erste Pille gegen das Altern? Stephen Helfand ist optimistisch: "Es sollte möglich sein, eine Pille zu entwickeln, die das Leben verlängert; gleichzeitig könnte sie vielleicht sogar Übergewicht verhindern." Der Biochemiker gründet seine Hoffnungen auf ein einziges Gen, dessen Entdeckung er kürzlich veröffentlichte ("Science", Bd. 290, S. 2137). Das von Helfand und seinen Mitarbeitern Indy getaufte Gen zeigt, dass zwischen dem Körperstoffwechsel und dem Alterungsprozess ein lange vermuteter Zusammenhang besteht. Offenbar regelt es über den Stoffwechsel die für jeden Organismus "natürliche" Lebenserwartung; denn eine Störung des Gens verlängert das Leben.
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