| | Dienstag, den 25. 07. 2000 - 11:11 Kommission plant tief greifende Änderungsvorschläge - Duden nimmt Teile der Reform zurück - Germanisten sehen gravierende Folgen Tief greifend, liebe Welt-Online, wird wohl nicht überleben. Kellnergriff adé. "Auf Wiedersehen, Rechtschreibreform!" Hausorthografien ersetzen unsinnige Regeln
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| | Dienstag, den 25. 07. 2000 - 21:08 In den USA (und, nehme ich an, in den ueberigen englischsprechenden Staaten) gibt es gar keine staatlich authorisierte Rechtschreibung. Orthographische Fragen wird von Konvention, Konsensus, im Zweifelsfalle von individuellem Geschmack entschieden. Fuer die Farbe Grau, zB, darf ich auf Englisch entweder "gray" oder "grey" schreiben, beide sind "korrekt". Manch ein (ueber)eifriger Englischlehrer wird mir vielleicht einreden wollen, "gray" waere korrekter als "grey", oder umgekehrt -- der Staat aber haette mir da rein gar nichts zu sagen. (Ich schreibe "grey", obwohl in den USA "gray" haeufiger vorkommt [im UK wird "grey" bevorzugt], weil "grey" mir irgendwie grauer aussieht. Aber ich behaupte nicht, dass "grey" korrekter ist -- ich bin mir ganz bewusst, dass alles Solches bloss Grillen sind: und gerade das versteht kein Rechtscheibreformer.) Hauptsache: ob ich "grey" oder "gray" schreiben, ich werde so oder so gleich gut verstanden. Das ist natuerlich ein ganz einfacher Fall. Wenn aber ein genialer Dichter anfaengt, ganz fuer sich neue Woerter bzw Schreibweise fuer alte Woerter schoepft oder Interpunktion anders anwendet als es in den Lehrbuechern steht, wie Shaw, Bellow, Joyce, Ginsberg, Melville, Whitman, kurz: wie die meisten ganz Grossen sowas ganz selbstverstaendlich tun, ist das dann noch sehr viel weiter von der kleinen mueffigen Welt eines jeden Rechtschreibreformers abgerueckt. (Zu noch grotesker Ahnungslosigkeiten wie Esperanto sage ich jetzt nichts, spaeter bei Gelegenheit aber vielleicht einiges.) Es ist zwar nicht so, dass hier im angelsaechsischen Sprachraum jeder versteht, dass Sprache etwas immerfort sich Veraenderndes ist, und abhaengig von der notwendig eigenartigen Bildung des jeweiliges Sprechers bzw Schreibers, dass zum Beispiel einer aus Savannah, Georgia mit einer anderen Orthographie schreiben wuerde als einer aus Portland, Maine oder Canberra, Australien, auch wenn alle drei ganz tadellos gut, und einem jeden Englischkuendigen gleich klar verstaendlich schreiben. Vielleicht aber ist solches leichter verstaendlich in den USA als in Zentraleuropa, bloss weil hier die ganze Angelegenheit nicht unnoetigerweise kompliziert wird vom Staat. Ich habe hier bei mir zwei deutsch-englisch-englisch-deutsche Woerterbuecher; das Wort "Rechtschreibung" erscheint in keinem von beiden. Die Idee einer staatlich verordneten einheitlichen Orthagraphie ist einem Amerikaner ganz fremd. Und da haben wir Amerikaner Glueck gehabt, denn sie ist eine herzlich schlechte Idee. Ich studierte Deutsch gut zehn Jahre bevor ich kapierte, dass es sowas gab, bevor ich verstand, was eigentlich alles fuer Unfug mit diesem Wort "Rechtschreibung" gemeint war. Ich empfehle Euch das engliche Modell: lernt Deutsch von denen, die es am besten koennen, von den deutschen Dichtern, oder von wem sonst es Euch passt, und seid darauf bedacht, dass es immer bei Sprache um Kommunikation geht, und schenkt diesem unsaeglichen, aberwitzigen Buerokratenkram, welcher -- klar Mann! -- die Kommunikation viel eher hindert als foerdert, keinen Gehorsam und keinen Respekt.
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| | Mittwoch, den 26. 07. 2000 - 09:38 Poppst Du mich, popp ich Dich.
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| | Mittwoch, den 26. 07. 2000 - 16:33 Die FAZ nimmt als erste Verstand an: Die FAZ ruft zur Konterrevolution auf Die Konservativen auf Schlingerkurs: Ein Jahr nach Einführung der neuen Rechtschreibung kehrt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zu den alten Regeln zurück - und ruft andere zur Nachahmung auf.
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| | Mittwoch, den 26. 07. 2000 - 18:59 1998 oder 97 oder vielleicht 96 las ich im Spiegel einen Artikel von dem norwegischen Schriftsteller Eric Fosnes Hansen, zur deutschen sowohl zu einer skandinavischen Rechtschreibreform. (Habe eben bei Spon und bei AltaVista nach dem naemlichen Artikel gesucht, leider ohne Erfolg, vielleicht erinnert sich noch jemand daran und/oder wuesste, wie am besten nach ihm zu suchen waere? zB Linkssammlungen zum Thema RSR?) Inhalt des Artikels war ungefaehr so: vor Jahren habe sich in Norwegen (oder Daenemark? Ich glaube, es war Norwegen) eine RSR durchgesetzt, die dem Author der gegenwaertigen deutschen RSR verblueffend aehnlich aussaehe: aehnliche breitangelegt und tiefgreifend, aehnlich heftig abgelehnt von der relativ besonnenen Mehrheit, aehnlich verbissen und borniert verteidigt von enigen Wenigen. (Ich glaube doch, es handelte sich um Norwegen, und war insofern anders als der deutsche Fall, dass die norwegische RSR von ihren Verteidigern unter anderem als ein Schritt in Richtung kultureller Unabhaengigkeit von Daenemark verstanden wurde. Politisch recht brenzlig also -- Norwegen war ja jahrhundertelang Teil eines grossen daenischen Imperium, was einem norwegischen Patriot vermuetlich beschaemend und schmerzlich ist. Eine politische Dimension gebe es also, nach Hansen, bei der RSR noerdlich von Euch, die der deutschen allerdings fehle.) Nach Jahren dann habe es den skandanwischen RSR-Gegner gelungen, die alte Schreibweise wieder offiziell zu machen -- ohne aber die reformierte Version abzuschaffen. Seitdem gebe es in Norwegen (oder Daenemark?) zwei offizelle Rechtschreibungen, und der Streit darueber ist so lebendig wie eh und je. Es ist ja grausam von mir, aber ich finde das alles recht lustig -- und ich sehe keinen Grund zu vermuten, dass es nicht in Deutschland fast ebenso lustig zugehen wird, in den naechsten Jahren. Und Jahrzehnten... Mir scheint die Angelegenheit recht einfach: Was "richtige" (schoene, gute, effektive, gescheite oder wie man sie auch beschreiben will) Sprache ist, und was nicht, ist nicht, war nie und wird nie Sache irgendeines Staates sein, Punkt, Vollstopp. Sobald genuegend Leute dies kapiert haben, hat sich der ganze Stress von sich gelegt.
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| | Freitag, den 28. 07. 2000 - 06:31 (Etwas geschaites zum Tema, aus der tatz.) verbohten Guten Tag, meine Dahmen und Herren! Die Rechtschreibrephorm wird abgeschafft! Unsere Rede! Doch schon lange! Nicht todschwaigen, todschraiben! Diese Rechtschreibrephorm hat doch ihren Nahmen gar nicht verdient! Wir sind hir völlig aufgeschmißen gewesen. Alles war plözlich falsch geschrieben und niemand wußßte mer weiter. Und jezt endlich sagt daß mal jehmand. Die FATZ nimmts in die Hand, und alles wird gut. "Dass es nicht zu Großkundgebungen und Straßenschlachten kam, dass weder der Bonner Hofgarten noch die Mannheimer Redaktion des Duden gestürmt wurden, mag im Nachhinein verwundern.", tippt Hubert Spiegel in der klugen FATZ. Mensch Hubert, wenn wir daß gewußt hätten, das Ihr auf unserer Seite steht, da häte sich eine gantz unerwartete Koalizion ergeben. Denen häten wirs gezeigt! Zeigen wirs ihnen eben jezt. In Zukunft schreibt jeder so, wie er will. Und sei es auch der grösste Unsinn. Wir melden uns wieder. Glosse taz Nr. 6204 vom 28.7.2000 Seite 1 Seite 1 36 Zeilen Kommentar © Contrapress media GmbH Vervielfältigung nur mit Genehmigung des taz-Verlags
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| | Freitag, den 28. 07. 2000 - 11:42 Korrektorat für Deutschland Dahinter steckt immer ein schlaues Trotzköpfchen: Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" kehrt zur alten Rechtschreibung zurück - und beim Axel Springer Verlag überlegt man nachzuziehen. Kippt die Reform fünf Jahre nach ihrer Einführung? Ich rechne mit einem Nachziehen der Welt und insgesamt von Springer. Wahrscheinlich ist dies sogar im Vorfelde abgesprochen. Und die Position des Spiegels wird in der Süddeutschen auch ganz anders dargestellt, als von dem aufgeregten Schreiber in SpiegelOnline.
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| | Freitag, den 28. 07. 2000 - 11:49 Ein außerordentlich bescheuerter Artikel aus der taz, der unter der Überschrift Rechtschreibung ist scheiße! zu stehen scheint.
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| | Freitag, den 28. 07. 2000 - 23:12 Hier die neueste taz-Meldung von der Front.
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| | Freitag, den 28. 07. 2000 - 23:27 (Wie alt wohl Hans Büttner ist?) Aufschluß
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| | Donnerstag, den 03. 08. 2000 - 05:02 Schon die Redewendung 'totales Rechtschreibchaos' finde ich lustig.
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| | Donnerstag, den 03. 08. 2000 - 21:20 Nun, ich wollte den Link im vorugen Beitrag kommentieren, aber der gelinkte Artikel (von der SZ, zum Streit unter den schleswig-holsteinschen Christdemokrakten um die RSR) ist schon 'aktualisiert oder geloescht' worden. Aus dem Gedaechtnis also: Der neue Haupt der CDU in S-H hatte andere S-H CDU-Mitglieder kritisiert, unter ihnen war Volker Ruehe, die ihereseits die Rueckkehr der FAZ zur alten Rechtschreibsweiese begruesst hatten. Ruehe nannte die Handlung der FAZ muetig und korrekt. Der neue Hauptmann dagegen behauptete, eine Rueckkehr wuerde 'totales Rechtschreibschaos' verursachen. Ruehe, obwohl er seinerzeit die S-H-CDU zur Annahme der RSR ueberredet hatte, hat jetzt nach dem [VORSICHT! SARKASMUS!] sensationellen FAZ-Ereignis behauptet, die RSR selbst habe zu 'Chaos' geleitet. Befuerwoerter sowohl Gegener der RSR sprechen von Chaos. Auch ich will gar nicht leugnen, dass der Lage ziemlich chaotisch geworden ist. Was ich doof finde, ist die Angst, die Furcht vor -- ja, vor was eigentlich? Vor Gespenstern, wuerde ich sagen. Der ganze Streit und Stress ist nur durch einen ganz ueberentwickelten Ordnungswahn moeglich gemacht. Beim Schreiben sollte man vor allem bemueht sein, verstaendlich zu werden. Das bedeutet unter anderem, dass man an seine Leser denkt, und dass er verschieden fuer verschiedene Audienzen schreiben wird. Wenn man noch dazu elegant, tiefsinnig, witzig oder sonst glaenzend zu sein vermag -- prima, um so besser. Wer denkt, eine Rechtschreibung -- irgendeine, ob die neue oder auch eine beliebig aeltere -- ihm dabei helfen wird, hat keinen sehr tiefen Begriff von der Sprache. Zum zigten Male: Sprachen entwickeln und aendern sich fortwaehrend, sie sind insofern etwas Lebendiges. Wer immer versucht, sie so oder so festzustellen und zu sagen, Also gut, diese Sprache wird genau so, so und so korrekt gemacht, alles anderes ist falsch, wirkt in dieser Hinsicht ein wenig wie sein eigner Grabstein, was Flexibilitaet und Verstaendnis angeht, und erweist der naemlichen Sprache damit keinen Dienst. Einer Sprache mit einer neunstelligen Zahl von Sprechern eine so absolute Einheit aufzwingen zu wollen, ist Irrsinn. Also: fuer mein Teil ist die Rueckkehr der FAZ zur aelteren Schreibweise insofern zu begruessen, dass die RSR kuenstlich im schlechtesten Sinne ist, und ganz ueberfluessig dazu, und eine riesige Verschlechterung, nicht Verbesserung, der deutschen Sprache ist. Dass die FAZ damit bloss die vorige Orthodoxie wieder annimmt, finde ich aber auch nicht optimal. Optimal waere, einzusehen, dass die deutsche Sprache eine gar viel zu gross und komplizierte Sache ist, um vollkommen in irgeneinem System aufgefasst zu sein, und fortan alle offiziellen Vorschriften in dieser Angelegenheit fuer den erbaermlichen Buerokratenkram zu halten, dass sie notwendigerweis sein werden, und sie dementsprechen einfach zu ignorieren. Ich schaue das ganze Brimborium mit gespaltenen Gefuehlen zu: einerseits ist es ja gar lustig, so ein absurdes Streiten ueber -- ja, ueber was eigentlich? ein so ganz und gar hausgebackenes ueberfluessiges Problem, weder die Three Stooges noch die Marx Brothers haetten einen herrlicheren, dooferen, bizarreren Spass ausdenken koennen. Angst vor Rechtsschreibschaos, Angst vor der eigenen Sprache, es ist wirklich zum Bruellen. Andererseits natuerlich tut Ihr mir weh, wie Ihr Euch darueber so quaelt, so ganz unnoetigerweise. Und den Kindern wird natuerlich dabei die Schule noch haesslicher gemacht, als Schule schon normalerweise fuer Kinder ist; und, so vermute ich, die Kinder werden ziemlich von den Erwachsenen entfremdet, indem ihnen seit ein paar Jahren eine verschiedene Sprache gelehrt wird, als die, die um sie herum geschrieben steht. Ach, Unsinn!
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| | Donnerstag, den 17. 08. 2000 - 00:30 In den USA (und, nehme ich an, in den ueberigen englischsprechenden Staaten) gibt es gar keine staatlich authorisierte Rechtschreibung. Inhaltlich korrekt; verbessere die Schreibung des Adjektivs zu "autorisierte" (< lat auctor; engl author ist eine gelehrte gräzisierende Fehlschreibung des 16. Jh, die eine Spelling Pronunciation im Gefolge gehabt hat, was bei dem deutschen Wort nicht eingetreten ist). Und weil in der englischen Schreibung alles dem Zufall überlassen worden ist, deshalb gibt es da so wunderbare, typische Phänomene wie die mindestens sieben Aussprachen zu -ough, zB in cough, through, tough, hough, hiccough, bough, dough oder die gleichlautenden Varianten <gaol, jail> und ist überhaupt die Passung zwischen Schreibung und Aussprache im Englischen so hervorragend, dass ein nur mittelmäßig Gebildeter kaum wagen kann, einen englischen Text laut vorzulesen, auch wenn seine Muttersprache Englisch ist und in seinem Erstlese-Unterricht an der Schule ein riesiger Aufwand betrieben worden ist, ein trübsinniger Zustand, der den Anteil der funktionaler Analphabeten in englischsprachigen Ländern kaum zurückdämmen dürfte. Wenn du mir nun noch erklären kannst, woher die Aussprache /hju:stn/ für Houston in Texas kommt (was sogar einige Texaner nicht wissen), dann bist du stark.
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| | Donnerstag, den 17. 08. 2000 - 01:08 Gibt es hier sonst jemanden, den die Frage "authorisieren oder autorisieren" auch ein klein wenig juckt? War ich des "h"s wegen irgendjemandem ein Deut weniger verstaendlich? Glaubt jemand wirklich, ausser, vielleicht, der Margret, dass ein Nachlassen der staatlichen Einmischung in solchen Fragen aus der deutschen eine englischaehnliche Sprache machen wuerde? Ausser Margret, sieht jemand in diesem Auflisten gewisser wohlbekannten Eigentuemlichkeiten des Englischen irgendeinen Bezug zum Thema deutsche Rechtschreibreform bzw Reform der Reform bzw Ablehnung der Reform?
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| | Sonntag, den 10. 09. 2000 - 22:55 Selten genug, dass die Ergebnisse von Umfragen mich ermuntern: "64 Prozent der Deutschen lehnen die Rechtschreibreform ab. Das ergab eine Umfrage unter 2.111 Menschen. 13 Prozent der Befragten haben sich bereits umgestellt, 15 Prozent wollen dies demnächst tun. Menschen über 30 lehnen die Reform mehrheitlich ab. (dpa) taz Nr. 6242 vom 11.9.2000"
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| | Montag, den 11. 09. 2000 - 00:14 Steven, alle deine Beiträge hier sprechen mir aus der Seele. Wenn mir irgendwas an der Rechtschreibreform gefällt, dann folgendes: Nachdem nun kaum einer mehr weiß, was richtig ist und was falsch, darf ich endlich schreiben wie ich will. Ob ich Wichtiges schreibe oder unwichtiges, ich suche mir aus, wie es aussieht. Irgendeiner meiner alten oder neuen Duden wird es schon richtig finden, und wenn nicht, dann ist es in ein paar Jahren bestimmt erlaubt, wenn ich es nur oft genug wiederhole. Es ist ja sogar seit einigen Jahren wieder in Mode gekommen, daß die Hersteller von Schokolade auf die Verpackungen Schocolade schreiben, und sie schmeckt trotzdem genauso gut. Daß man im Englischen jedes Wort in jeder Wortart verwenden darf, finde ich praktisch - each noun can be verbed. Eigentlich habt ihr gar ja keine Wortarten mehr, seit es Amerikaner und e-mail gibt, es gibt nur noch Wörter, wie im Chinesischen. Aber daß man jeden Vokal auf jede Weise aussprechen kann, je nach dem in welchem Wort er steht, damit kämpfe ich oft. Das ist auch wie im Chinesischen, man muß zu jedem Wort Schriftbild und Aussprache einzeln lernen, und beide haben gar nichts miteinander zu tun. Wäre Italienisch statt Englisch Weltsprache, dann wäre die Aussprache viel einfacher. Hätten die Menschen dann statt der seltsamen englischen Aussprache zum Beispiel Kernphysik gelernt, dann wäre heute die Kernfusion alltäglich und das Energieproblem gelöst.
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| | Montag, den 11. 09. 2000 - 23:54 Wenn mir irgendwas an der Rechtschreibreform gefällt, dann folgendes: Nachdem nun kaum einer mehr weiß, was richtig ist und was falsch, darf ich endlich schreiben wie ich will. Wo ich mit meinen Beitraegen eigentlich hinauswollte, war: man duerfte schon immer schreiben, wie man wollte. Schade, wenn die Deutschen so untertanig sind, so tief in ihren Seelen, dass eine so grosse Debakel wie die neuen RSR noetig ist, um ihnen ein so Einfaches klarzumachen. Daß man im Englischen jedes Wort in jeder Wortart verwenden darf, finde ich praktisch - each noun can be verbed. Ich habe leider gar keine Ahnung, worueber Du da redest -- und es ist das erste Mal, dass ich "verbed" lese. Es ist manchmal recht lustig, was die continentals aus dem Englischen machen. Everyone und ich habe das schon ausfuehrlich diskutiert, war das in dem Deutsch/Englisch Englisch/Deutsch Forum? Ich weiss nicht mehr. Was Weltsprachen angeht, es gab schon eine, a perfectly good one too, mehr als 1500 Jahre lang ungefaehr so universell wie heutzutage Englisch, vor einem Jahrhunderte oder so ganz unnoetigerweise, ganz ohne zwingenden Grund weggeworfen. Ich meine, naturellement, Lateinisch. Ich bin fuer seine Wiederbelebung.
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| | Dienstag, den 12. 09. 2000 - 00:12 Was Weltsprachen angeht, es gab schon eine, a perfectly good one too, mehr als 1500 Jahre lang ungefaehr so universell wie heutzutage Englisch, vor einem Jahrhunderte oder so ganz unnoetigerweise, ganz ohne zwingenden Grund weggeworfen. Ich meine, naturellement, Lateinisch. Ich bin fuer seine Wiederbelebung. Ich bin ganz deiner Meinung. (Nicht zuletzt, weil ich diese Sprache schon fünf Jahre lang gelernt habe.)
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| | Dienstag, den 12. 09. 2000 - 00:40 Fuenf Jahre. Ich beneide Dich darum, ich habe Lateinisch in der Schule ganz verpasst, ich lernes jetzt, oder versuche, es zu lernen, ganz von allein. Muehsam, sowas. Es ist manchmal recht lustig, was die continentals aus dem Englischen machen. Everyone und ich habe das schon ausfuehrlich diskutiert, war das in dem Deutsch/Englisch Englisch/Deutsch Forum? Ich weiss nicht mehr. Es war hier.
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| | Dienstag, den 12. 09. 2000 - 19:01 Ich habe leider gar keine Ahnung, worueber Du da redest -- und es ist das erste Mal, dass ich "verbed" lese. Ich hatte auch etwas übertrieben. Ich sehe aber, daß Deutsche sich eher freuen, wenn sie Unmengen von Regeln eingehalten haben, und Amerikaner schon zufrieden sind, wenn sie den Inhalt klar gemacht haben. Letzteres kann viel praktischer sein. An example for a verbed noun: to boot - In die Stiefel kommen, loslaufen, einen Rechner starten. Das Wort ist auch beliebt im Deutschen, besonders bei Microsoft-Kunden: Und klappt es nicht im guten, dann muß ich eben booten. Was Weltsprachen angeht ... naturellement, Lateinisch. Ich bin sofort einverstanden. Die Römer haben das ja auch vorausschauenderweise vor 2000 Jahren versucht durchzusetzen, aber die Welt kooperierte nicht überall. Nur Franzosen und Spanier ließen sich Latein überstülpen, und die Franzosen haben inzwischen einen seltsamen Dialekt daraus gemacht. Deutsche und Briten haben viel zu wenig Wörter übernommen und sprechen sie auch noch ganz falsch aus (vor allem die Briten), und der Rest der Welt lernt Latein nun aus zweiter Hand, als Englisch.
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| | Dienstag, den 12. 09. 2000 - 21:05 Mit Lateinisch meinte ich nicht Spanisch oder Franzoesisch, und schon gar nicht Deutsch oder Englisch, sondern Lateinisch. Haec igitur lex in amicitia sanciator, ut neque rogemus res turpes nec faciamus rogati don't ya know. Lateinisch setzte sich doch ganz gewiss durch -- nur in den kleinen Kreisen der Gebildeten, zugegeben, da aber von Krakow bis Lima, von Plautus ueber Occam bis zu Nietzsche und H.G. Wells und Bertie Russel und Yeats. Es wurde, ich wiederhole es, ganz unnoetigerweise weggeworfen. Aber immer noch eignet es sich viel besser zur Weltsprache als etwa Englisch, und gewiss viel besser als ein -- im allerschlechtesten Sinne -- Kuenstliches wie Esperanto.
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| | Dienstag, den 12. 09. 2000 - 21:08 Aber immer noch eignet es sich viel besser zur Weltsprache als etwa Englisch Warum meinst Du das?
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| | Mittwoch, den 13. 09. 2000 - 00:30 Ich wollte Dir sofort antworten, Alex, dann aber versagte der Strom, und mein (Ich leugne ja gar nicht, dass -- ) PC hat kein ( -- Englisch jetzt Weltsprache ist.) Battery-Backup. Wieso also Lateinisch besser geeignet ist zur Weltsprache als Englisch: 1) Vor allem weil es die Weltsprache war fuer mehr als 1500 Jahre (Dagegen sind die knapp 100 Jahre Herrschaft des Englischen wirklich ein Witz.), und in Philosophie und Jura und den Naturwissenschaften noch laenger, ja noch heute sind viele lateinischen Ausdruecken im Gebrauch der Welt ueber in Labors (Ich nahm an, Du wuerdest das schon wissen.) und Gerichtsaalen und unter Aerzten; weiter, nicht vor Jahrhunderten sondern vor bloss Jahrzehnten war immer noch ein betraechtliches Anteil der Facharbeiten in Chemie Biologie usw usw auf Lateinisch verfasst, vor 1800 noch die allermeisten -- waere doch gut, wenn man das Zeug lesen koennte, gell? Und Sonderlinge wie ich wollen auch Geschichtsbuecher und Chronike und so lesen, die vor etwa 1650 verfasst waren, und im allgemeinen die Geschichte des Abendlandes zwischen 250 BCE und AD 1300 nicht ganz und gar aus zweiter Hand haben, wir wollen historisch muendig sein. 1a) Wegen der langen Dominenz des Lateinischen wird es nicht so schwer sein, es wiederzubeleben, denn es lebt doch immer noch, aber sozusagen schlummernd: es hat Spueren hintergelassen in allen der europaeischen Spraechen, und schon damit in der sonstigen Welt, wo abendlandischen Wissenschaft Wirtschaft Politik Kultur usw ueberall schon eingedrungen ist. Diese Wiederbelebung wuerde das Vorteil haben gegenueber der weiteren Welteroberung des Englischen, dass sie fast ganz frei von Nationalismus waere -- von den Italienern abgesehen, aber ich wusste nicht, dass es besonders viele antiitalienische Ressentiment in der Welt gaebe. Und man kann bzw konnte Lateinisch nur ein klein wenig besser in Italien als sonstwo, man kann es wirklich schwerlich als kulturelles Eigentum der Italiener ansehen. Ein Projekt "Lateinisch als nochmalige Weltsprache" koennte wahrhaftig international sein -- wahrscheinlich muesste es international sein wie noch wenige Projekte es gewesen sind -- denn die wenigen noch ueberlebenden lateinischsprechenden Menschen sind ueberall. 2) Lateinisch hat keine von den orthographischen Besonderheiten des Englischen oder Chinesischen. 3) Catholics shouldn't be allowed to have all the fun. 4) Ich spinne doch nicht, es waer ein prima Sache.
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| | Mittwoch, den 13. 09. 2000 - 00:44 Ich spinne doch nicht, es waer ein prima Sache. Du hast Recht. Leider funktioniert Sprachverwendung aber nicht so. Wir werden uns mit dem Englischen behelfen müssen. (Das ich inzwischen besser kann. Ich kann nicht einmal deine Übersetzungsfrage beantworten.)
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| | Mittwoch, den 13. 09. 2000 - 00:53 Ich kann nicht einmal deine Übersetzungsfrage beantworten. Keine Sorge, das werde ich schon kriegen. Ich will aber zuerst ganz sicher sein, dass es makellos formuliert wird, denn... Vielleicht aber wird es langsam Zeit, einige Beitraege hier abzuspalten und in eine neue Latein-Diskussion zu fuegen, so dass von der beabsichtigten Diskuusion zur RSR nicht zu sehr abgelenkt wird?
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