Poetry & Lyrik

High Debate: Literatur & Sprache: Poetry & Lyrik
Was liegt mir am Herzen?
Lyrische Konversation, spontane Kreativität durch Kommunikation zum einen. Zum anderen eine Plattform zu schaffen für Dichter, die sonst keine Öffentlichkeit haben.
Was ich nicht anstrebe, ist hier abgeschriebenes zu lesen. Das hat bei SPON so genervt.

was nicht ist, das werde
was schon war, das sei
dem narr'n ist's ohnehin ein brei

Christine Mell von Mellenheim, 16.08.2000
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Christine Mell von Mellenheim

Donnerstag, den 05. 10. 2000 - 15:55 Click here to edit this post
was ist nun schön -
die form?
der inhalt?

wahre schönheit
kommt von innen
sagt man

doch ist es wahr
was man so sagt
wenn man's denn sagt?

es ist alles
nur ein spiel
das ganze leben

wichtig ist allein
der spieler zu sein
und nicht der gespielte

  

Steven Bollinger

Donnerstag, den 05. 10. 2000 - 17:57 Click here to edit this post
unschoen

zwischen gee whiz
und ho hum
ist immer nur ein furchtbar smaller grat

und gar nicht viel weiter ist es
bis zu oh god no

und was ist langweiliger
als ein liebespaar
das privates
oeffentlich
ausdrueckt

um dann im nachhinein
so zu tun
als waeren sie
ueberlegen
souveraen
und nicht bloss
missverstanden

prahlend
und ekelhaft
wie einer ende 50
der denkt
seine lang graue locken
passen doch ganz gut zu ihm
und scheint nicht zu wissen
dass er eine halbe glatze
und einen dicken bauch hat

manchmal ist es schoen
ein ringendes
stoehnendes
liebespaar
zuzusehen

aber eher selten
die gardinen im schlafzimmerfenster
schuetzen oefter die umwelt
als die da drinnen

  

Christine Mell von Mellenheim

Freitag, den 06. 10. 2000 - 13:41 Click here to edit this post
thank god it's friday

zeit fließt wabernd
durch löchrige synapsen
klirrend schwirren elektronen
durch neuronale netze

red alert
die rote diode glüht
kopf schmerzt laut
hirn brennt lodernd

too much input
stack overflow
cerebrale krämpfe bringen
muskeln zum tanzen

die uhr schlägt fünf
die transferleitungen kappen sich
es ist freitag
so ein glück

  

Steven Bollinger

Montag, den 09. 10. 2000 - 20:35 Click here to edit this post
(Bitte um Entschuldigung, dass 'Poetry & Lyrik' ein paar Tage lang ins Archiv verschwand, weil ich eine Bemerkung der Eroeffnerin als Archivierungswuensch missverstand. Mea culpa, mea maxima, maxima culpa, Asche auf meinen Haupt usw. usw. Es kann weitergehen.)

  

Wolfgang Wilholm

Mittwoch, den 18. 10. 2000 - 13:27 Click here to edit this post
so in den tag gesagt

alles unsinn
alles was ist
sein wird
werden soll

ein bild des wahnsinns
zeichnet den weg

blöde glotzgesichter
starren irre ins nichts

ohne zu wissen
was los ist

nichts kapieren ist leicht
wenn man alles weiß
oder so tut
um der wahrheit willen

  

Christine Mell von Mellenheim

Donnerstag, den 19. 10. 2000 - 16:47 Click here to edit this post
wer im wahn der sinne
den sinn des wahns sucht
der wähne sich sinngemäß
wahnsinnig?

  

Christine Mell von Mellenheim

Freitag, den 03. 11. 2000 - 11:36 Click here to edit this post
november
oder saltimbocca alla romana


kalt bis auf die haut herbstelnd
windet sich luft zwischen häusern
klappernde zähne der minirockfrau
takten stakkato den stöckelschuhen

schmiegsam die haut des kälbchens
(dein fleisch schmolz zart salbeiduftend im mund)
fell abgezogen, geschabt, gegerbt
ausgeblökt, schwarz gefärbt
mantel im sonderangebot

wild lederduftend den nebel durchdringend
der metzgerknecht trocken und warm
nassgeniestes höschen der minirockfrau
kein mitleid! schrein gefallene blätter

  

Christine Mell von Mellenheim

Dienstag, den 14. 11. 2000 - 14:23 Click here to edit this post
morgens, banal


morgentau bröckelt reifig vom fenster
bett und körper darin sind noch warm
ein neuer tag droht mit broterwerb
im focus unbezahlter rechnungen

obschon der geruch von sex
unter den decken lauert
reißt ein kalter windhauch
die leiber in die realität

übelkeit steigt auf, heiß in den hals
zum kotzen ist der geiz zu groß
soviel kann niemand fressen
wie da wieder herausmüßte

und wieder entsteht irgendwo der vorsatz
heute dem boss auf den tisch zu scheißen
und wieder wird es beim vorsatz bleiben

du feige sau

  

Wolfgang Wilholm

Dienstag, den 21. 11. 2000 - 12:59 Click here to edit this post
Morgengrauen

elitäre sackgesichter
erscheinen unübersehbar
und du hast noch nicht einmal die jacke ausgezogen

penetrante telefone
lärmen mit riesen echo
in deinem kopf
und das noch vor der ersten tasse kaffee

vor einer halben ewigkeit
im morgentau
beim morgenstau
hast du noch geglaubt
es würde alles besser werden
doch das morgengrauen nimmt kein ende

jetzt
mit einer großen tasse kaffee
auch das telefon schweigt
sitzt du hier an deinem tisch
und stellst dir eine frage

Warum bin ich nicht liegen geblieben???

doch die antwort ist einfach
wenn auch nicht schön

Es lebe der Broterwerb

__________________
WW/20

  

Christine Mell von Mellenheim

Mittwoch, den 22. 11. 2000 - 15:06 Click here to edit this post
Na endlich rührt sich hier mal wieder was! Dachte schon, ich könnte den Laden wirklich dichtmachen!

  

Christine Mell von Mellenheim

Donnerstag, den 23. 11. 2000 - 09:36 Click here to edit this post
können surreale schweine fliegen?

Im herbst
wenn nebel langsam
von scheinwerfern erleuchtet
wie tränen vom himmel fällt
stellt sich eine frage

können surreale schweine fliegen?

auf dem weg zu einem ziel
schweben wale
geige spielend
am morgenstau vorüber
um farbige fontänen
im bürofenster zu spritzen

das ziel ist weg
hinter buntverschmierten glasaugen
verschwimmt nebelgleich die realität
staut sich wabernd
zwischen himmel und erde

ein schwein hüpft
pfeifend und auf einem bein
im takt der walmusik vorneweg
möcht' sich flügel wachsen lassen
und in den himmel steigen
aus dem wasser und blätter fallen

losgelöst von der körperlast
mit den walen vereint
ziehen sie ihre kreise
steigen immer höher
und singen laut
wenn auch nicht schön


Die Kollaborateure 2000
(Projekttitel einer Kooperation)

  

Christine Mell von Mellenheim

Dienstag, den 20. 03. 2001 - 17:12 Click here to edit this post
feierabend


bunte kringel sonnengemalt
spiegeln sich in pfützen aus schleim
zwischen dicken brocken
ausgekotzt vom erdboden
still vor sich hin stinkend

dicke kleine männer schleichen
mit aktenkoffern voller heuchelei
aus geduckten bürokomplexen
noch scheiße hinter den ohren
vom täglichen arschkriechen

kaum sind die prollbenz‘ abgefahren
folgt die dicktittige sekretärin
des armanigewandeten oberbosses
mit zwei eimern, in jeder hand einen
über die brache hinter den gebäuden stolpernd

peinlich berührt blickt sie um sich
der pfennigabsatz steckt fest im dreck
der inhalt, ausgegossen, spritzt auf ihr designerkostümchen
angewidert stochert sie zurück in ihr office
auf der tür steht in blindenschrift: ‚schleim bitte hier absondern‘

die amöben in den lachen freuen sich
und drehen noch eine runde rückenkraul
im frischen nachschub
bunte kringel sonnengemalt
spiegeln sich in pfützen aus schleim


CMvM 2000


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