    Margret | Mittwoch, den 16. 08. 2000 - 23:24  Prophylaktisch, < griech prophýlax 'Vorposten', also 'vorpostenmäßig, zur Vorsicht'. In der deutschen Rechtschreibung wird gern griech Phi (bezeichnet einen f-Laut) als "ph", griech Ypsilon durch "y" wiedergegeben. Diktionen sind Sprechstile bestimmter Personen; sie entstehen aus deren Sprechgewohnheiten und umfassen die ganze Sprache (Aussprache, Wortbildung, aktiven Wortschatz, Wortwahl, Syntax). Orthografien werden von bestimmten Individuen erfunden (wie die kyrillische von dem Mönche Kyrill) und dann von mehr oder weniger großen Nutzergruppen mit mehr oder weniger Abweichung von den Originalkonventionen übernommen. Sie werden dann manchmal auch von andern Individuen verändert (Festlegung von Haus-Stilen in Verlagshäusern, Durchsetzung ganz bestimmter einflussreicher Wörterbuch-Macher, Anordnungen von Sprachakademien, staatliche Eingriffe wie die Einführung der lateinischen Schrift für das Rumänische und Türkische [beim Türkischen durch Atatürk persönlich durchgesetzt]). Aussprache entsteht bei jedem Menschen ohne besonderes Nachdenken neu, der erstmal die Sprechweise seiner Eltern oder sonstigen Betreuer, dann die Aussprache seiner kindlichen Spielgruppe imitiert und zur festen Gewöhnung bringt, wobei der Regelkreis zwischen Ohr und Mund eine entscheidende Rolle spielt. (Wer sich zum ersten Mal auf Tonband hört, wird sich wundern, wie anders er klingt.) Die Gruppen, die eine bestimmte Ausspracheform übernehmen, können von extrem unterschiedlicher Größe sein. In der Schweiz gibt es einerseits voneinander getrennte Bergtäler, in welchen jedes Dorf einen andern Dialekt spricht, sogar mit jeweils unterschiedlichen Phonem-Inventaren. Auf der andern Seite erfasst die Aussprache des BBC-Englisch die ganze gebildete Mittel- und Oberschicht nicht nur in England, sondern auch in vielen Ländern, die vormals britische Kolonien waren. Aussprachestandards für größere Sprechergruppen bilden sich typischerweise ohne Einwirkung von außen quasi unbewusst, wobei die Ausdehnung eines Standards nicht durch die innere Exzellenz der betreffenden Sprache sondern durch jene äußeren historischen (meist politischen) Zufälle bedingt sind, die eine bestimmte Sprachverkehrsgemeinschaft in ihrer Werk- und Wirkwelt zusammengebrcht und zusammengehalten haben. Es wird behauptet, dass das General American außerordnetlich gleichförmig sei und also dann über 100 Millionen Sprecher umfasse. Dazu sollte Steven was sagen. Die Aussprache wird in einer lebenden Sprache von der ganzen sie tragenden Sprachverkehrsgemeinschaft allmählich verändert, wobei neu aufkommende Moden in den kindlichen Spielgruppen eine starke Rolle zu spielen scheinen. Mit Dogmen hat all das nichts zu tun. |