Bemerkenswert - Das Aphorismenforum

High Debate: Literatur & Sprache: Bemerkenswert - Das Aphorismenforum
Das Forum für bemerkenswerte Worte.
Ganz gleich, welcher Provenienz.

(Kommentare und Diskussionen sind ausdrücklich erwünscht.)


Katrin Ufen, 1. Juli 2000.
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Archivieren bis zum 6. Juli 2000 25   06.07. - 11:33

  

Steven Bollinger

Dienstag, den 11. 07. 2000 - 21:04 Click here to edit this post
Goethe:

"Die Geschichte des guten Jesus hab ich nun so satt, daß ich sie von keinem als allenfalls von ihm selbst hören möchte."

  

Amaranze

Mittwoch, den 12. 07. 2000 - 15:51 Click here to edit this post
Wilhelm Meister

Der Mensch kommt manchmal, indem er sich einer Entwicklung seiner Kräfte, Fähigkeiten und Begriffe nähert, in eine Verlegenheit, aus der ihm ein guter Freund leicht helfen könnte.

Wer früh in schlechter, unbedeutender Gesellschaft gelebt hat, wird sich, wenn er auch später eine bessere haben kann, immer nach jener zurücksehnen, deren Eindruck ihm, zugleich mit der Erinnerung jugendlicher, nur selten zu wiederholender Freuden, geblieben ist.

Nun verstehe ich erst die Klagen der Dichter, der aus Not weise gewordenen Traurigen.

Wohlhabend ist jeder, der dem, was er besitzt, vorzustehen weiß; vielhabend zu sein ist eine lästige Sache, wenn man es nicht versteht.

Wie werden wir erst recht wir selbst, wenn uns ein anderer vollkommen recht gibt.

Lange Überlegungen zeigen gewöhnlich, daß man den Punkt nicht im Auge hat, von dem die Rede ist, übereilte Handlungen, daß man ihn gar nicht kennt.

Alles, was uns begegnet läßt Spuren zurück, alles trägt unmerklich zu unserer Bildung bei; doch es ist gefährlich, sich davon Rechenschaft geben zu wollen. Wir werden dabei entweder stolz und lässig, oder niedergeschlagen und kleinmütig, und eins ist für die Folge so hinderlich als das andere. Das Sicherste bleibt immer, nur das Nächste zu tun, ...

Im Praktischen ist doch kein Mensch tolerant! Denn wer auch versichert, daß er jedem seine Art und Wesen gerne lassen wolle, sucht doch immer diejenigen von der Tätigkeit auszuschließen, die nicht so denken wie er.

Man will mancherlei wissen und kennen, und gerade das, was einen am wenigsten angeht, und man bemerkt nicht, daß kein Hunger dadurch gestillt wird.

Wenn ich einen Menschen kennen lerne, frage ich sogleich: womit beschäftigt er sich? und wie und in welcher Folge? und mit der Beantwortung der Frage ist auch mein interesse an ihm auf zeitlebens entschieden.

Unter denen, die wir gebildete Menschen nennen, ist eigentlich wenig Ernst zu finden; sie gehen nur mit einer Art von Selbstverteidigung zu Werke.

Des Menschen größten Verdienst bleibt wohl, wenn er die Umstände so viel als möglich bestimmt und sich so wenig als möglich von ihnen bestimmen läßt.

Wie selten ist eine Fête, wobei derjenige, der die Gäste zusammenberuft, auch die Schuldigkeit empfindet, für ihre Bedürfnisse und Bequemlichkeiten auf alle Weise zu sorgen!

Ich wiederholte hier nicht die traurige Erfahrung, die ich so oft in meinem Leben gehabt hatte, wie übel eine große gemischte Gesellschaft sich befinde, die, sich selbst überlassen, zu den allgemeinsten und schalsten Zeitvertreibungen greifen muß, damit ja eher die guten als die schlechten Subjekte Mangel der Unterhaltung fühlen.

Ich hatte niemals einen Menschen ohne Schwäche gesehen; nur ist sie auffallender bei vorzüglichen Menschen.

Ich kannte die Welt genug und wußte, daß man oft von ebenden Personen über das getadelt wird, wozu man sich durch sie hat bereden lassen.

Er machte es wie alle Männer, spottete über gelehrte Frauen und bildete unaufhörlich an mir.

Man hatte die gelehrten Weiber lächerlich gemacht, und man wollte auch die unterrichteten nicht leiden, wahrscheinlich weil man für unhöflich heilt, so viel unwissende Männer beschämen zu lassen.

Denn es bringt uns nichts näher dem Wahnsinn, als wenn wir uns vor anderen auszeichnen, und nichts erhält so sehr den gemeinen Verstand, als im allgemeinen Sinne mit vielen Menschen zu leben.

Überhaupt ist es leider der Fall, daß alles, was durch mehrere zusammentreffende Menschen und Umstände hervorgebracht werden soll, keine lange Zeit sich vollkommen erhalten kann.

Oft aber verändert sich schnell das Personal, neue Glieder treten hinzu, die Pesonen passen nicht mehr zu den Umständen, die Umstände nicht mehr zu den Personen; es wird alles anders, und was vorher verbunden war, fällt nunmehr bald auseinander.

Alles ist relativ, außer dem Unsinn und der Abgeschmacktheit, die denn auch ganz absolut regiert.

Freunde können und müssen Geheimnisse voreinander haben; sie sind einander doch kein Geheimnis. -

Das Nützliche befürdert sich selbst, denn die Menge bringt es hervor, und alle könnens nicht entbehren; das Schöne muß befördert werden, denn wenige stellens dar, und viele bedürfens.

Eine Kraft beherrscht die andere, aber keine kann die andere bilden; in jeder Anlage liegt auch allein die Kraft, sich zu vollenden.

Der Mensch ist nicht eher glücklich, als bis sein unbedingtes Streben sich selbst seine Begrenzung bestimmt.

Man soll sich vor einem Talente hüten, das man in Vollkommenheit auszuüben nicht Hoffnung hat.

Es sind nur wenige, die den Sinn haben und zugleich zur Tat fähig sind. Der Sinn erweitert, aber lähmt; die Tat belebt, aber beschränkt.

Es erinnerte ihn dieser Zug an so viele Menschen, die höchst gerecht erscheinen, wenn sie ohne Leidenschaft sind und die Handlungen anderer beobachten.

Wie sollten die Menschen unsere Handlungen beurteilen, die ihnen nur einzeln und abgerissen erscheinen, wovon sie das wenigste sehen, weil Gutes und Böses im Verborgenen geschieht und gleichgültige Erscheinung meistens nur an den Tag kommt.

Der echte Schüler lernt aus dem Bekannten das Unbekannte zu entwickeln und nähert sich dem Meister.

Nicht vor Irrtum zu bewahren, ist die Pflicht des Menschenerziehers, sondern den Irrenden zu leiten, ja ihn seinen Irrtum aus vollen Bechern ausschlürfen zu lassen, das ist Weisheit der Lehrer.

Geht es doch unsern Vorsätzen wie unsern Wünschen. Sie sehen sich gar nicht mehr ähnlich, wenn sie ausgeführt, wenn sie erfüllt sind, und wir glauben nichts getan, nichts erlangt zu haben.

  

Alexander Virchow

Mittwoch, den 12. 07. 2000 - 21:54 Click here to edit this post
"Oh, seht! Dort hinten kommt Agrippina.

Es heißt, sie wäre wie die Grippe. Jeder hat sie schon mal gehabt, aber niemand mag sie besonders."


Aus irgendeinem sehr soften Softporno vergessenen Titels.

  

Steven Bollinger

Donnerstag, den 13. 07. 2000 - 19:18 Click here to edit this post
(Aus Nietzsches 'froehlicher Wissenschaft')

Aber warum schreibst denn du? - A.: Ich gehöre nicht zu Denen, welche mit der nassen Feder in der Hand denken; und noch weniger zu jenen, die sich gar vor dem offenen Tintenfasse ihren Leidenschaften überlassen, auf ihrem Stuhle sitzend und auf's Papier starrend. Ich ärgere oder schäme mich alles Schreibens; Schreiben ist für mich eine Nothdurft, - selbst im Gleichniss davon zu reden, ist mir widerlich. B.: Aber warum schreibst du dann? A.: Ja, mein Lieber, im Vertrauen gesagt: ich habe bisher noch kein anderes Mittel gefunden, meine Gedanken los zu werden. B.: Und warum willst du sie los werden? A.: Warum ich will? Will ich denn? Ich muss. - B.: Genug! Genug!

(Noch schlimmer als bei dem elenden A. gibt's natuerlich auch: naemlich bei denen, die sich beim Schreiben stets schaemen sollten, stattdem aber so gedankenlos-froh wie ein Baby ihre Umgebung fortwaehrend mit Kot beschmieren.)

  

Steven Bollinger

Samstag, den 15. 07. 2000 - 02:46 Click here to edit this post
Koinh par clisih lhtargicoz hde trenoplhx
Keimenoi allhlwn nouson apescedasan.
Exetore clinhz gar o tolmheiz upo lusshz,
Kai ton anaistghton panioz xiupte mevouz.
Plhgai d amfotepoiz xgenont acoz aiz o men antwn
Egreto ton upnou pouluz xrife copoz.


--Author (mir, wenigstens) unbekannt

  

Alexander Virchow

Dienstag, den 18. 07. 2000 - 18:50 Click here to edit this post
Man tut sich zu zweit zusammen, um Probleme
zu umgehen, die man als einzelner gar nicht hätte.


Woody Allen

  

Steven Bollinger

Dienstag, den 18. 07. 2000 - 22:26 Click here to edit this post
Woody Allen for President.
This time, let's elect a real comedian.

amerikanischer Bumpersticker

  

The Witch

Sonntag, den 30. 07. 2000 - 10:49 Click here to edit this post
"Schon klar: Das ist doch das ideale Medium für Geistesgestörte."

(Ein Freund nach erstmaligem Besichtigen der Beiträge von Caelius und Diego im Geschichtsstrang auf SpOn.)

  

Steven Bollinger

Samstag, den 05. 08. 2000 - 02:05 Click here to edit this post
Es ist viel leichter, in dem Werke eines grossen Geistes die Fehler und Irrtuemer nachzuweisen als von dem Werte desselben eine deutliche und vollstaendige Entwickelung zu geben. Denn die Fehler sind ein Einzelnes und Endliches, das sich daher vollkommen ueberblicken laesst. Hingegen ist eben das der Stempel, welchen der Genius seinen Werken aufdrueckt, dass diese ihre Trefflichkeit unergruendlich und unerschoepflich ist: daher sie auch die nicht alternden Lehrmeister vieler Jahrhunderte nacheinander werden. Das vollendete Meisterstueck eines wahrhaften grossen Geistes wird allemal von tiefer und durchgreifender Wirkung auf das gesamte Menschengeschlecht sein, so sehr, dass nicht zu berechnen ist, zu wie fernen Jahrhunderten und Laendern sein erhellender Einfluss reichen kann. Es wird dieses allemal: weil, so gebildet und reich auch immer die Zeit waere, in welcher es selbst entstanden, doch immer der Genius gleich einem Palmbaum sich ueber den Boden erhebt, auf welchem er wuerzelt.

Schopenhauer

  

The Witch

Montag, den 28. 08. 2000 - 23:42 Click here to edit this post
Wer Geschichte verstehen will, muss auch in die Wohnzimmer schauen.

Sebastian Haffner

  

Steven Bollinger

Dienstag, den 29. 08. 2000 - 00:12 Click here to edit this post
Ich will verstehen, was Haffner uns da sagen wollte, brauche aber dazu noch ein wenig Hilfe. Laesst das vielleicht mit anderen Worten sagen?

  

The Witch

Dienstag, den 29. 08. 2000 - 00:45 Click here to edit this post
Haffner meinte, es sei keinesfalls ausreichend - im Gegenteil, sogar kontraproduktiv - bei der Betrachtung von Geschichte nur auf "die da oben" zu schauen. Etwa im Sinne dessen, was ich hier schon mal versucht habe darzulegen.} (Wobei Haffner das natürlich erheblich eloquenter kann als ich.)

Das Zitat stammt aus einem Filmbeitrag mit einem der letzten Interviews mit Haffner (leider nicht verlinkbar), den ich sehr beeindruckend fand. Dort schildert er Szenen (auch) von vor 1933, deren Aussagen eigentlich jeden denkenden Menschen zum Aufschreien hätten bringen müssen. Und diese Szenen fanden nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Es schrie aber so gut wie niemand. Der Stammtisch war einverstanden.

(Derzeit werden Haffners private Aufzeichnungen - herausgegeben von seinem Sohn - veröffentlicht. Eines der Bücher, welches ich mir ganz sicher kaufen werde.)

  

Phil O'Dendron

Dienstag, den 29. 08. 2000 - 12:41 Click here to edit this post
("Wer ein Land kennenlernen will, muss nicht nur in die Museen gehen, sondern auch in die Wirtshäuser.")

  

The Witch

Dienstag, den 29. 08. 2000 - 13:24 Click here to edit this post
Nachtrag zu Haffner:

Sebastian Haffner:
Geschichte eines Deutschen. Die Erinnerungen 1914-1933.


Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart/München 2000

Rezension

Leseprobe bei Amazon

  

Martin

Dienstag, den 29. 08. 2000 - 17:59 Click here to edit this post
"Im übrigen blieb er sein Leben lang der typische Halbgebildete - einer, der alles schon immer besser wußte und mit zusammengelesenem Halb- und Falschwissen um sich warf, am liebsten vor einem Publikum dem er damit imponierte, weil es rein gar nichts wußte"

Sebastian Haffner über Adolf Hitler in "Anmerkungen zu Hitler", S.11

(Ein guter Mann war der, der Sebastian Haffner, ein sehr guter Mann!)


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