Das SF-Literatur-Forum

High Debate: Literatur & Sprache: Das SF-Literatur-Forum
Sciences Fiction - ein weites Feld.

Viel Müll, viel Genie.

Ein Genre, das alle anderen Genres einschließt.

Hierher gehören Buch- und Autorentips, Verrisse, Plausibilitätskontrollen.

The sky is the limit.

(Dieses Forum befand sich bislang auf SpOn.
Ich habe es hierher verlegt, weil SpOn für ernstere Debatten - gerade auch solche, die auf längere Zeit angelegt sind - nicht mehr als der richtige Ort erscheint.)

(Die Beiträge vom 25. Juni 1999 bis zum 30. April 2000
sind bis auf weiteres hier hinterlegt.)


Sollten Sie einem Autor, einer 'Welt' oder einem Subgenre besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen wollen, so scheuen Sie sich nicht, ein eigenes Unterforum zu eröffnen.

Alexander Virchow, 30. März 2000
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Alternative Weltlinien 7   07.06. - 19:39


  

Bernd Schroeder

Donnerstag, den 30. 03. 2000 - 08:17 Click here to edit this post
Hmm, nur gelinkt, nicht kopiert bis jetzt ?

  

Alexander Virchow

Donnerstag, den 30. 03. 2000 - 08:21 Click here to edit this post
Intelligente Menschen machen sich immer sowenig Arbeit wie gerade nötig.

Und Dein nächster Beitrag geht dann wieder zum Thema SF, ja?

  

Steven Bollinger

Freitag, den 07. 04. 2000 - 23:50 Click here to edit this post
Wie ich anderswo bereits mehrfach erklaert habe, bin ich, wenns um SF geht, ein Nicht-Kenner. Was ich darueber weiss, weiss ich fast ausschliesslich vom Kino.

Einmal aber sah ich etwas, was mich so faszinierte, dass ich seidem mit dem Gedanke gespielt habe, was von der Autorin zu lesen--seit ungefaehr 20 Jahren zwar, und es bleibt bisher beim Mitmgedankenspielen, aber immerhin.. Es war eine fuer den amerikanischen oeffentlichen Fernsehen gemachte Version von Ursula K. LeGuins The Lathe of Heaven. Ein armer Schlucker traeumt naechtlich, und wenn er aufwacht, findet er, dass die ganze Welt sich seinem letzten Traum angepasst hat--er traeumt zB dass es unaufhoerlich regnet, und als er aufwacht, regnet es der Welt ueber unaufhoerlich, und zwar seit Jahren, und nur er bemerkt, dass es wegen seines Traumes von heute frueh kommt. Er besucht einen Psychiater, der ihn natuerlich fuer verrueckt haelt--bis er ploetzlich kapiert, dass es alles stimmt. Dann steuert er seines Patienten Traeume, um die Welt zu steuern, das hat natuerlich katastrophalen Folgen usw usw.

Damals--vielleicht war das eigentlich vor naeher 25 oder gar 30 Jahren als 20--damals fand ich den Film ganz hervorragend. Jetzt habe ich etwas Angst, wenn ihn heute noch einmal saehe, koennte es eine Riesenenttaeuschung sein...

Gibts denn hier SF-Kenner, die Le Guin gelesen und sie fuer gut, schlecht oder auch mittelmaessig halten?

  

Steven Bollinger

Samstag, den 08. 04. 2000 - 00:01 Click here to edit this post
(Es war 1979, vor 21 Jahren)

  

Bernd Schroeder

Samstag, den 08. 04. 2000 - 00:24 Click here to edit this post
Steven, ich habe einige Buecher von LeGuin (auch gelesen), fand die Buecher nicht schlecht, aber auch nicht ueberragend (zwar gute, teilweise unkonventionelle Ideen, aber relativ langweilige Ausfuehrung - oder Uebersetzung...)

  

Bernd Schroeder

Samstag, den 08. 04. 2000 - 00:26 Click here to edit this post
Soweit ich mich erinnere, hat LeGuin midestens einmal entweder den Hugo oder den Nebula Award (beides SF-Auszeichnungen) geholt - for what that's worth...

  

Steven Bollinger

Samstag, den 08. 04. 2000 - 01:21 Click here to edit this post

Zitat:

...langweilige Ausfuehrung -- oder Uebersetzung...


Ja, man weiss sehr oft nicht, wieviel in einer Uebersetzung verlorengeht.

Ich habe zwar von dem Hugo und dem Nebula gehoert --da ich aber selbst nie einen Hugo-- noch einen Nubula-Preistraeger gelesen habe, sagt das mir nicht viel.

Oder vielleicht doch: ich las einmal eine Kurzgeschichte von Harlan Ellison -- der hat wahrscheinlich jede Menge von Hugos und Nebulas gewonnen, oder? Irre ich mich, oder ist er nicht einer von den renomminiersten SF-Schrifstellern ueberhaupt? Und es war eben ja eine kurze Geschichte. Leider aber liess sie mich nicht nach noch mehr SF duersten. Ich weiss sogar nicht mehr, ob ich auch diese sehr kurze Geschichte ganz zu Ende las. Sprach mir leider gar nicht an. Und ich dachte mir: Tja, wenn das einer der Besten sein soll...

  

Bernd Schroeder

Samstag, den 08. 04. 2000 - 02:54 Click here to edit this post
Ellison ist relativ umstritten und nicht allzu bekannt und sehr wechselhaft in der Qualitaet seiner Geschichten (und Buecher ? ich kenne auch nur Geschichten von Ihm). "A Man and his Dog" hat Mitter der 70er mal entweder Hugo oder Nebula gewonnen (der eine ist ein Leser-Award, der andere von der Science Fiction Writers Association...)

  

Alexander Virchow

Sonntag, den 09. 04. 2000 - 12:14 Click here to edit this post
LeGuin hat beim Lesen keine bleibenden Spuren hinterlassen.

Ellison ist wenigstens wirklich witzig. Und in soweit genre-untypisch.

Ein armer Schlucker traeumt naechtlich, und wenn er aufwacht, findet er, dass die ganze Welt sich seinem letzten Traum angepasst hat--er traeumt zB dass es unaufhoerlich regnet, und als er aufwacht, regnet es der Welt ueber unaufhoerlich, und zwar seit Jahren, und nur er bemerkt, dass es wegen seines Traumes von heute frueh kommt. Er besucht einen Psychiater, der ihn natuerlich fuer verrueckt haelt--bis er ploetzlich kapiert, dass es alles stimmt. Dann steuert er seines Patienten Traeume, um die Welt zu steuern, das hat natuerlich katastrophalen Folgen usw usw.


Wenn Du an diesem Thema interessiert bist, würde ich Dir Daniel F. Galouye 'Simulacron 3' empfehlen. ( Das Buch scheint in deutscher Sprache unter dem englischen Titel 'The 13th Floor' neu aufgelegt worden zu sein.) Dieser Titel wurde von Rainer Maria Faßbinder als 'Welt am Draht' verfilmt. Der Film ist bei Amazon nicht erhältlich. Womöglich, weil es sich um keinen Kino-, sondern um einen Fernsehfilm handelt.

  

Alexander Virchow

Sonntag, den 09. 04. 2000 - 16:27 Click here to edit this post
Aus gegebenem Anlaß sei auf A Princess of Mars (Martian Tales of Edgar Rice Burroughs, No 1) hingewiesen.

Alles andere als hohe Literatur, was der Autor von 'Tarzan of the Apes' hier verbrochen hat. Für jeden wahren SF- oder Mars-Fan aber ein absolutes Muß.

Abenteuerliteratur Marke Schlachteplatte. Optimales Lesealter 12-14 für Jungen. Mädchen werden es wohl nicht runterkriegen. Im Regelfall.

In Deutsch ist der Mist seit langem nicht mehr aufgelegt worden, von ein oder zwei Dutzend Bänden erschienen in den 70igern mal vier im Williams-Verlag, die über den Bahnhofsbuchhandel vertrieben wurden.

Falls jemand den vierten Band sein eigen nennt.....

(Vielleicht könnte sich 'High Debate' über die Herausgabe von bibliophilen Liebhaberausgaben wirklich schlechter Bücher finanzieren?)

  

Bernd Schroeder

Freitag, den 12. 05. 2000 - 06:54 Click here to edit this post
so, mal wieder eine Empfehlung (speziell für Steven...)

"Alternate Kennedys", Editor: Mike Resnick

gibt es nur auf englisch und wahrscheinlich nur noch second hand...


weitere Bände: Alternate Presidents, Alternate Outlaws, Alternate Warriors, Alternate Tyrants, wobei IMHO die letzten beiden nicht so toll sind...

  

Steven Bollinger

Freitag, den 12. 05. 2000 - 20:26 Click here to edit this post
Danke fuer die Empfehlungen, Bernd. Gibt's auch vielleicht ein wenig Beschreibung des Empfehlten??

  

Bernd Schroeder

Samstag, den 13. 05. 2000 - 00:10 Click here to edit this post
Review von Amazon. com zu Alternate Kennedys:

"A collection of twenty-five speculations asks `what if' the fortunes of the Kennedy family had been different, including an all-Kennedy rock group, JFK in the real Camelot, and much more."


Die anderen Bände sind ähnlich...

  

Steven Bollinger

Samstag, den 13. 05. 2000 - 01:07 Click here to edit this post
Aha. Solche "Was waere, wenn..." - Gedankspiele mache ich schon laengst selbst. Bisher nur im Kopfe, nicht auf Papier. Von allem Zweiter-Weltkrieg-war-waere-Gedenkspiele, wie: Was waere, wenn die Allierten bei der Landung zu Anzio (ab 20.1.44) kompetent kommandiert wuerden, und also gleich bis Rom gelangt waeren, und nicht monatelang steckengeblieben auf dem Strand?

Es ist ja schon sehr oft gefragt, wieso denn die Allierten nicht die Bahngleise nach Auschwitz zerstoert haben. Ich aber trage den Gedanken weiter: Was waere, wenn allierte Kommandos per Fallschirm im Weg der KZ-Zuege fielen, und auch viele Kisten voller Gewehre fielen mit, und die Zuege erobert wuerden, und den befreiten Menschen den Wahl gegeben, zu den eben gefallenen Gewehren zu greifen und Partisanen-Einheiten zu formieren...

Oder zB was waere, wenn am 20. Juli von Stauffenberg die Aktentasche mit der Bombe {auf} dem Tisch statt {unter} dem Tisch im fuehrerhauptquarier gelassen haette, und das Attentat also erfolgreich gewesen waere?

Oder aber ein Gedankspiel, worin gar kein Zweiter Weltkrieg vorkommt: Muenchen, Spaetherbst 1919. Hitler hat gerade die NSDAP im Auftrag der Militaerintelligenz unterwandert, um sie auszuspionieren... Was waere, wenn, statt sich der Nazis anzuschliessen, Hitler eines Tages einer jungen Frau begenet, hochintelligent, keck, und... und... etwas ihm bisher voellig unbekannt passiert, naemlich, er findet, dass er verliebt, verknallt ist. Sie ist eine Schauspielerin, Hitler bringt immer mehr Zeit mit ihr und ihren Kollegen bei, vernachlaessigt seine Spionagepflicht, mehr, er verliert allmaehlich seinen Hass auf Alles moegliche... Er entdeckt sein rednerisches Talent in diesem parallelen Universum nicht auf dem Rednerpult sondern auf der Buehne -- er verlaesst die Armee, nicht um ein Nazi, sondern um ein Schauspieler zu werden.

Dann, nachdem er mit seiner neuen Freundin schon mehrere Monate zusammen ist, lernt er, dass sie eine Judin ist. Er wird zwar eine kurze Zeitlang verwirrt, dann aber bricht den letzten Rest seines Antisemitismus zusammen. Hitler wird ein grosser, beliebter Schauspieler, und, daruber hinaus, ein Fuehrer des europaischen Pazifismus und der Versoehnung zischen den Voelker. Und er rasiert schon 1920 den albernen Chaplin-Schnurrbart weg.

  

Bernd Schroeder

Samstag, den 13. 05. 2000 - 08:51 Click here to edit this post
Da kann ich nur eine eindeutige NICHT-Empfehlung aussprechen: Forstchen/Gingrich, "1945" (yepp, Speaker Newt himself) ... einfach grausam und schlecht...


Zu empfehlen - speziell im Zusammenhang mit WW 2 - ist von Harry Turtledove die Worldwar-Serie. Er mischt zwar noch Aliens mit rein, aber geht ansonsten ziemlich in die von Dir skizzierte Richtung. Allerdings zieht er seine handlung über mehrere, nicht in sich abgechlossen Bücher...

  

Steven Bollinger

Samstag, den 13. 05. 2000 - 18:03 Click here to edit this post
Ja, ich habe schon einiges ueber "1945" gehoert. Nein, nichts Gutes.

Obwohl ich ja laengst eine Faible fuer solche parallele-Universen-Denken habe, habe ich da auch Bedenken, seit nicht ganz so langem: naemlich, es ist schwierig genug, und auch unterhaltsam genug, herauszufinden, was denn wirklich passiert ist, und sei es vor einer Woche oder vor fuenftausend Jahren. Solche Was-waere-Gedankspiele koennen, fuer mich wenigstens, eine Weigerung sein, die Realitaet klar anzusehen. (Die von mir oben erwaehnten Beispiele sind ja saemtlich das Wegwuenschen von unangenehmen vollendeten Tatsachen. Nicht ganz unaehnlich wie wenn ich tagtraeume, dass ich ein Superstar bin und erscheine auf Conan O'Brians und David Lettermans Shows -- aber weigere hartnaeckig, bei Jay Leno oder Charlie Rose aufzutreten.)

  

Alexander Virchow

Samstag, den 13. 05. 2000 - 18:15 Click here to edit this post
Dann entwickle die Story doch negativ:

Was wäre, wenn die USA nicht im II. Weltkrieg mitgemischt hätten, und Europa nazistisch wäre.

Was, wenn das Imperium Romanum nicht untergegangen wäre.

Was, wenn die Welt fest in katholischer Hand wäre.

Was, wenn der Kommunismus nicht in Rußland, sondern in Europa - oder, schwieriger - in den USA obsiegt hätte.

Positivszenarien sind eh langweilig.
Zu diesem Satz gibt es natürlich Ausnahmen:

Was, wenn in Kennedys zweiter Amtszeit das Raumfahrtprogramm massiv ausgebaut worden wäre?

  

Steven Bollinger

Samstag, den 13. 05. 2000 - 20:03 Click here to edit this post
Schon zu Kennedys Lebzeit, schon bevor Kennedy Praesident war, war Hauptantreiber des space programs Lyndon Johnson. Kein Zufall, dass Mission Control immer in Houston gewesen ist. Ich sehe keinen Grund zu vermuten, dass Kennedys Ueberleben zu einem massiven NASA-Ausbau gefuehrt haette.

Was hast Du denn gegen das Imperium Romanum? In seinem Pre-Konstantin-Version wenigstens war es doch das beste Gegengift gegen die christliche Plage. Ja, mir schien es immer (wie es schon Gibbon und Nietzsche und etlich Anderen schien), das die Christianisierung des Reiches von seinem Verfall gar nicht zu trennen war, die sie als Symptom wenn nicht gar als erste Ursache seines Verfalls anzusehen war.

Pardon: ich habe schon versehentlich SF liegen lassen und zur Geschichte ueberwechselt. Gibt ja schon ein historisch-politisches Forum in der Zwischenwelt. Vielleicht wollen wir daselbst ueber die Roemer, die echten, diskutieren. Ja, ich wenigstens will unbedingt einiges zu diesem Thema sagen.

(Hinueber zu "Historisch-Politisches" beame.)

  

Alexander Virchow

Samstag, den 13. 05. 2000 - 20:16 Click here to edit this post
Aber woher denn.
Das ist ein absolutes SF-Sub-Genre.

Alternative Weltlinien.

Ich mach gleich mal ein Sub-Topic auf.

  

Steven Bollinger

Samstag, den 13. 05. 2000 - 20:49 Click here to edit this post
Nix gegen alternative Weltlinien.

Ich bitte trotzdem, einen Blick in "Historisch-Politisches" zu tun. Falls man denn Lust hat, ueber die sogenannte Realitaet zu diskutieren.

  

Alexander Virchow

Samstag, den 13. 05. 2000 - 20:51 Click here to edit this post
Realität?
Das ist doch auch nur EINE der alternativen Welten.

Wenn man sich auf 'eine' einigen könnte.
Eine Realität.

  

Steven Bollinger

Samstag, den 13. 05. 2000 - 21:02 Click here to edit this post
Ach, bitte tu nicht, als ob Du den Unterschied zwischen freiem Fabulieren und dem Versuch, Vergangenes so genau wie moeglich nachzuspueren, nicht kennst. Zwischen SF und Geschichte. Ich habe stets versucht, gegenueber Euch SF-Freaks respekvoll zu bleiben, bitte tu mir ein Gleiches.

  

Steven Bollinger

Samstag, den 13. 05. 2000 - 21:06 Click here to edit this post

Zitat:

Wenn man sich auf 'eine' einigen koennte.


Ich haette gedacht, es waere Dir schon bewusst, dass Historiker sich recht oft unter sich streiten. Ueber das, was sie sehr verschiedentlich fuer die Realitaet halten.

  

Alexander Virchow

Samstag, den 13. 05. 2000 - 21:07 Click here to edit this post
Geschichte ist lediglich intersubjektivierbar.
Nicht objektivierbar.

Sie ist IMMER Konstrukt.

Es gibt nur Interpretation, keine - 'Realität'.

Die ist - Geschichte. Aber keine erfahrbare - Geschichte. Mehr eine Geschichte im - literarischen Sinne. Soviel zum fabulieren.

*irre lachend in Wirklichkeit wegtauch*

  

Steven Bollinger

Samstag, den 13. 05. 2000 - 21:27 Click here to edit this post

Zitat:

...lediglich intersubjektivierbar. Nicht objektivierbar...IMMER Konstrukt...nur Interpretation, keine 'Realitaet'...


Das ist aber alles absolut selbstverstaendlich. SF ist ein Gedankspiel. Geschichte ist ein anderes. Jedes hat seine eigene Spielregeln, seine eigene Nutzen und Nachteile und Beschraenkungen. Mein Beitrag von 20:03 schien mir, scheint mir, mehr Geschichte als SF zu sein. Wenn man aber von da aus lieber mit alternitiven Weltlinien fortfahren will -- prima. Meinetwegen. Man kann aber auch anders, auf einer Weise, die historisch und nicht SF ist. Mich interessiert im Moment Letzteres, in bezug auf die Roemer. Ich wollte nicht sagen, dass dieses besser als SF waere. Nur anders. Das ist alles.

  

Alexander Virchow

Mittwoch, den 21. 02. 2001 - 18:49 Click here to edit this post
Quack!, sagte der kleine Roboter. Elegant stieß er sich vom Ufer ab, und glitt mit mehreren kurzen und eleganten Stößen hinüber zu der Seerose, die gerade erblühte.

Quack! Quaaaack! Es wurde langsam Zeit. Er hatte seit sechs Stunden keinen Frosch mehr gefangen, und er brauchte doch neue Beine. Die Alten waren schon ziemlich durch. Da glitt bereits ein paarungswilliges Männchen heran. Der Roboter hätte jetzt freudig gelächelt, wenn er zum Lächeln erschaffen worden wäre. Aber er war nicht zum Lächeln erschaffen. Er war zum Chirurg geboren.


Der Auslöser

  

Alexander Virchow

Mittwoch, den 04. 07. 2001 - 15:39 Click here to edit this post
(Nur eine Sicherungskopie)

..... und die Wahrheit wird Euch frei machen.

Szenario einer grauen Stadt in Trümmern. Rauchfahnen, Mörser bellen. Ruinen gruppieren sich um Straßen. Schlaglöcher öffnen Einblicke in die Tiefe der Stadt. Versorgungsschächte, Leitungen, Autowracks bilden ein Ensemble der Vergänglichkeit.

Vor mir ein Geschäft, das geplündert wird. Zwei Frauen, eher Mädchen, schleppen einen Fernseher die Straße entlang. Sie lachen, die Ältere sagt: „Welch ein Glück. Da hätten wir noch Jahre darauf sparen müssen.“

Ich gehe weiter die Straße entlang. Vom alten Hotel unten an der Ecke stehen nur noch zwei Wände. Die Etagen und die Einrichtung bilden einen großen Schutthaufen. Ein Mann wühlt mit bloßen Händen in den Trümmern. Ich halte inne, gebe mir einen Ruck, und frage: „Wonach suchen Sie?“ „Jedenfalls nicht nach Verschütteten!“ Er lacht häßlich. „Das hier ist ein Kühlschrank. Aber – er gehört mir. Gehen Sie. Ich werde nicht mit Ihnen teilen.“ Sein drohender Blick zwingt mich auf die Straße zurück. Ich wechsele die Straßenseite, und höre zwei Geschäftsleuten zu, die vor den rauchenden Überresten des Einkaufszentrums stehen. Der eine spricht: „Ob das die Versicherung übernimmt? Wenn wir das bloß wüßten.“ Der andere schüttelt den Kopf. „Nein, ein Flächenbombardement, daß ist ein Ausschlußgrund. Vielleicht könnten wir es als Anschlag darstellen, der kurz vorher.......“ Murmelnd wendet er sich ab.

Weiter die Straße hinab gehe ich in Richtung des Rathauses. In einem Hauseingang vergehen sich einige Kerle an einer Frau. Ich bin unschlüssig, ob ich mich einmischen soll. Oder beteiligen. Sie schreit. Mir ist das unangenehm. Ich gehe weiter.

Vor der Kirche sitzt ein kleiner Junge, vielleicht 10 Jahre. Neben ihm liegt sein Bruder, sie sehen sich ähnlich. Der liegende Junge ist verletzt. Seine Beine sehen merkwürdig verdreht aus. Der sitzende Junge schlägt ihm langsam und gleichmäßig auf das Bein. „Tut das weh? Und das? Und das?“ Er fängt meinen Blick auf. „Ich hasse ihn. Er hat mir nie bei den Schularbeiten geholfen. Nie. Nie. Nie.“ Mit jedem ‚Nie‘ geht ein neuer Schlag auf den liegenden Bruder nieder, der leise stöhnt. Ich gehe weiter.

Zwei Soldaten sitzen auf einer Mauer und rauchen. Der eine schüttelt den Kopf, und sagt: „Sie hätten das Wahrheitsgas nie einsetzen dürfen. Die Trümmer kann man forträumen, die Toten bestatten. Aber wie kriegen wir die Wahrheit aus der Welt.“ Ich bleibe stehen. Ich fasse den Soldaten bei den Schultern. „Wie meinen Sie das? Die Wirkung hält an? Das ist nicht begrenzt?“ Er hält mir eine Zigarette vor’s Gesicht und sagt: „Vergessen Sie’s.“

Ich drehe mich um. Vor mir liegt eine Pistole. Ich hebe sie auf. „Die Wahrheit. Damit will ich nichts zu schaffen haben.“ Während ich die Waffe entsichere und ihre Ladung überprüfe schreie ich es hinaus. „DAMIT WILL ICH NICHTS ZU SCHAFFEN HABEN!“ Als ich abdrücke wird mein Kopf ganz leer.


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